Plötzky l Es ist ruhig am Kolumbussee. Selbst die Dauercamper schauen im Winter höchstens mal am Wochenende vorbei, um bei ihren Wohnwagen nach dem Rechten zu sehen. Einige der Trailer sind nur mit einem einfachen Vordach versehen, andere wurden im Laufe der Jahre mit Brettern und Zäunen immer weiter ausgebaut, so dass sie eher einer Hütte gleichen und kaum als Wohnwagen zu erkennen sind. Manche Anlagen zwischen den Bäumen sind ordentlich, bei anderen scheint der Ausbau in den vergangenen Jahren keinem erkennbaren Muster gefolgt zu sein. Vielleicht liegt es nur am Winter, dass so manche Wohnwagen mal wieder gewachsen werden müssten.

Eigentlich könnte es auf dem am Kolumbussee gelegenen Campingplatz ganz schön sein, denkt man sich unwillkürlich. Wenn mal das Unterholz zwischen in Bäumen aufgeräumt, die sanitären Anlagen aus dem 1990er Jahren saniert - und auch die eine oder andere Wohnanlage auf Vordermann gebracht würde.

Investition sehr teuer

Rund eine Million Euro müssten laut einem Gutachten, das die Stadt Schönebeck in Auftrag gegeben hat, in die Sanierung der Campingplätz am Kolumbussee und am Edersee investiert werden. Geld, das die Stadt als Eigentümerin allerdings nicht hat. Deswegen will die Verwaltung die Zeltplätze verkaufen und wollte sich dafür einen Grundsatzbeschluss vom Stadtrat holen. Doch die Stadträte haben Fragen.

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Dass die Stadt die Campingplätze über ihre Naherholungsförderungsgesellschaft Elbaue erfolgreich betreiben und sanieren kann, glaubt eigentlich niemand mehr. Denn das hat seit der Wiedervereinigung nicht funktioniert. Doch wie konnte es eigentlich so weit kommen, dass die Campingplätz im jetzigen Zustand sind? „Uns hat das Geld für eine Entwicklung gefehlt“, sagt Hans Weber, der die Elbeaue bis Ende 2018 als langjähriger Geschäftsführer geleitet hat. Als Hypothek lastete auf der Gesellschaft, dass sie 200.000 DM aus Pachteinnahmen an den Bund zurückzahlen mussten, dem Teile der Grundstücke zugesprochen wurden.

Und dann waren da noch die Stürme der vergangenen Jahre, die für zahlreiche herabgestürzte Äste und entwurzelte Bäume verantwortlich sind. „Wir mussten den Campingplatz am Edersee wegen Lebensgefahr schließen“, sagt Weber. Die letzten 24 Dauercamper mussten gehen. Noch immer liegen Äste und Bäume am Edersee herum. Mit dem verbogenen Geländer gleicht der Weg um den Seen eher einem Abenteuerspielplatz.

Arbeitsgelegenheiten halfen

Weber war in den vergangenen Jahren auch Geschäftsführer der Gesellschaft für Struktur- und Arbeitsmarktförderung. Immer wieder konnte er Menschen in geförderten Maßnahmen in der Elbaue unterbringen, die ansonsten keinen Job gefunden haben. Bis zu 20 Mitarbeiter gleichzeitig konnten so auf den Campingplätzen mitarbeiten. Letztendlich wurden so aber nur die notwendigsten Arbeiten erledigt. Heute gibt es neben drei Verwaltungsmitarbeitern und zwei Hausmeistern noch eine Arbeitsgelegenheit.

Und so regt sich kaum nennenswerten Widerspruch gegen einen Verkauf der Campingplätze. Selbst Schönebecker Linken-Politiker, sonst eher nicht als Befürworter von Privatisierungen bekannt, sehen keine eine echte Alternative. Allerdings wird Kritik in der Fraktion geäußert, dass die Stadt mal wieder eine Einrichtung habe verfallen lassen, bis sie nicht mehr zu retten sei. Siehe auch das Freibad oder die Schwimmhalle. Wobei niemand die Stadträte davon abhält, sich selbst vor Ort ein Bild vom Zustand kommunaler Einrichtungen zu machen.

Auch Plötzky Ortsbürgermeister Martin Kütz (SPD) sieht kaum einen anderen Weg. „Ich würde da auch nicht zelten wollen“, sagt er. Selbst wenn es nicht unbedingt optimal wäre, wenn der Betreiber des Ferienparks Plötzky auch noch die Campingplätze kaufen würde. Denn ein bisschen Konkurrenz würde der Region ganz gut tun.

Kritik aus dem Ortschaftsrat

Kritik kommt stattdessen von Teilen des Ortschaftsrates. Bei einer sehr emotional geführten Debatte während einer Bürgerveranstaltung mit Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) schimpfte die Ortschaftsrätin Heidrun Rösler über einen vermeintlichen „Ausverkauf von Plötzky“. Die Befürchtung: Den Bürgern könnte nach einem möglichen Verkauf der freie Zugang zu den See verwehrt werden.

Misstrauisch wurden einige Stadträte bei der geplanten Verabschiedung eines Grundsatzbeschlusses. So wurde befürchtet, dass die Stadt nur einen unverbindlichen Beschluss ankündigt – um die Stadträten nach der Verabschiedung unter Druck zu setzen, dass er dann nicht mehr zu ändern sei.

Einige Stadträte kritisieren, dass das Thema unter Ausschluss der Öffentlichkeit beraten wurde, obwohl es von allgemeinem Interesse sei. Auf der anderen Seite ärgerten sich einige Politiker darüber, dass der Oberbürgermeister bei der Bürgerversammlung in Plötzky relativ offen über das Thema gesprochen und dabei nichtöffentliche Informationen preisgegeben hätte. Aufgrund der aufgeheizten Stimmung war ihm aber auch kaum etwas anderes übrig geblieben.

Zusätzlicher Antrag der SPD

Die SPD hat nun einen zusätzlichen Antrag eingebracht. Der sieht vor, dass bei einem möglichen Verkauf alle Kaufangebote im Stadtrat erörtert werden sollen. Die Stadtverwaltung will nun erstmal das Tempo aus der Diskussion nehmen und hat das Thema von der Tagesordnung der nächsten Stadtratssitzung genommen.

Bleibt die Frage, ob überhaupt jemand die alten Campingplätze kaufen möchte. Wolfgang Schulle, Betreiber des Ferienpark Plötzky, hatte zwar in der Vergangenheit Interesse angemeldet. Doch inzwischen winkt er ab. „Die Campingplätze können derzeit nicht wirtschaftlich betrieben werden“, sagt er. Schulle kritisiert vor allem das fehlende Baurecht, das keinen Bau von Bungalows erlaube. Und die Aufstellung von Bebauungsplänen würde sicher zwei Jahre dauern. Zudem sei es ein Fehler gewesen, die Dauercamper vom Edersee wegzuschicken. Stattdessen hätte der Campingplatz nach dem Sturm auf Vordermann gebracht sollen. Ohne Camper sei der Zeltplatz uninteressant.

Letztendlich seien die Campingplätz immer nur heruntergewirtschaftet worden, sagt Schulle. Das alte Kino und ein Gastronom seien vertrieben worden. Beim Anblick der Anlagen kriege er „Depressionen“.

Sohn in den Startlöchern ...

Vielleicht hat man es beim Ferienpark auch nicht eilig. Die Anlage besteht seit über 15 Jahre, so dass dort eher langfristig gedacht wird. Schülles Sohn arbeitet in dem Unternehmen mit. Die harsche Kritik konnte daher auch nur Verhandlungstaktik sein, damit die Stadt zeitnah Baurecht schafft. Bis dahin bleibt es weiter ruhig auf den Campingplätzen.