Schönebeck l Hot Spots nennen sich Bereiche, in denen ein drahtloser Internetzugang möglich ist. Ein solcher Bereich kann zum Beispiel ein Einkaufszentrum, ein Flughafen, ein Hotel oder eine Gaststätte sein. Mit einem mobilen Endgerät, wie Smartphone oder Tablet, kann von solchen Orten aus das Internet genutzt werden, ein schneller Zugang und ein schnelles Surfen sind möglich. In Schönebeck gibt es solche Hot Spots am Markt in der Altstadt, in der Stadtbibliothek und im Kurpark. Reicht nicht, sagt Stadtrat Philipp Körner (SPD). Während der jüngsten Sitzung des Schönebecker Stadtrates stellte die SPD-Fraktion den Antrag, die Stadtverwaltung möge prüfen, ob mittels Förderung das Einrichten weiterer Hot Spots möglich ist. Dabei hat Philipp Körner bereits ein konkretes Förderprogramm im Auge, das die Europäische Union (EU) anbietet.

Das Programm heißt WiFi4EU, hat ein finanzielles Volumen von 120 Millionen Euro bis 2019 und zielt darauf ab, Bereiche des öffentlichen Lebens mit modernster WLAN-Technologie zu versorgen. Auf diesen Zug sollte Schönebeck aufspringen, meint Philipp Körner. Er sieht mit einem besseren Internetzugang an ausgewählten Orten in der Stadt die Lebensqualität der Bürger erhöht und auch der Tourismus könne nur profitieren.

Noch mehr Lärm

Aus den Worten von Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) klang aber Skepsis. „Wir haben bereits solche Flächen“, sagte er. Allerdings gebe es im Umkreis des Marktes von Anwohnern immer wieder Beschwerden, weil vor allem Jugendliche diesen öffentlichen Internetzugang nutzen und gern bis in den späteren Abend hinein – und nicht eben geräuschlos. Mit anderen Worten: Knoblauch befürchtet noch mehr Lärmkulissen aus jugendlichem Überschwange und entsprechend mehr Beschwerden.

Stadtrat Markus Baudisch (CDU) sagte für seine Fraktion, dass „wir das Anliegen eigentlich positiv sehen“. Eigentlich. Denn: „Hier wird der zweite vor dem ersten Schritt gemacht“, argumentierte er. Die verschuldete Stadt Schönebeck könne keine weitere freiwillige Aufgabe übernehmen, es gelte vielmehr, die derzeitigen freiwilligen Aufgaben möglichst zu erhalten.

Selbst bei einer Förderung durch die EU würden für die Stadt Folgekosten entstehen. Gesetzt den Fall, Sponsoren aus der freien Wirtschaft (etwa Stadtwerke) würden das Einrichten von Hot Spots unterstützen, müsste die Verwaltung trotzdem ein Konzept erarbeiten, was Zeit und Arbeitskraft binde. „Darin sehe ich keinen Sinn“, winkte Baudisch ab.

Belebung der Stadt?

Stadtrat Frank Schiwek (SPD) stellte an dieser Stelle zwei Fragen in den Raum: „Wollen wir die Stadt beleben oder wollen wir sie nicht beleben? Wollen wir ein Konzept oder wollen wir einen Sponsor, der es konzeptionslos umsetzt?“

Nicht abgeneigt zeigte sich Stadträtin Sabine Dirlich (Die Linke). „Ich würde das Ergebnis der Prüfung jetzt nicht für bereits abgearbeitet erklären“, sagte sie und führte weiter aus: „Wenn man dann feststellt, das wird nichts, lässt man es eben sein.“

Auch Stadtrat Holger Goldschmidt (Fraktion FDP/Rettet die Altstadt) wollte nicht gleich ablehnen. Prüfen wäre in Ordnung. Und so ein Ergebnis auszuarbeiten, bedeute für die Verwaltung nicht, ein riesengroßes Konzept aufzustellen.

Ergebnis erst 2018

Laut Aussage von Philipp Körner müsste die Stadt Schönebeck drei Jahre lang die Betriebskosten zahlen. Das sei ein sehr günstiges Angebot, befand er. Doch Bert Knoblauch winkte beim Wort „Betriebskosten“ ab. Um eine Prüfung wird die von ihm geleitete Verwaltung aber nicht umhin kommen. Der Stadtrat als Gremium stimmte mit 20 Ja- und elf Nein-Stimmen für eine Annahme des SPD-Antrags. Das Ergebnis dieser Prüfung soll im ersten Quartal 2018 vorliegen.