Die ehemalige Berufsschule im Wandel der Zeit

Erbaut wurden die Gebäude an der Paul-Illhardt-Straße/Ecke Wernigeröder Straße in den 1920er-Jahren als Produktionsstätte der Kukirol-Fabrik, die zunächst Präparate zur Fußpflege herstellte, später auch Zahnpflegeprodukte wie „Kukident“. 1933 wurde der Betriebsstandort aufgegeben und nach Berlin verlegt.

Im Anschluss übernahm die Chemie- und Pharmaunternehmen Merck die ehemaligen Kukirol-Gebäude.

Es ist davon auszugehen, dass nach 1945 eine Enteignung erfolgte. Zu DDR-Zeiten waren die Gebäude die sogenannte Kommunale Berufsschule.

Quelle: Stadtarchiv

Schönebeck l Lange ist es her, dass die einstige Berufsschule an der Paul-Illhardt-Straße/Ecke Wernigeröder Straße in Schönebeck ihre Türen für immer geschlossen hat. Doch jetzt wurden diese wieder geöffnet. Nicht allerdings für Schüler und Lehrer, sondern vielmehr für diejenigen, die einen letzten passenden Wohnsitz für das Alter suchen.

Verantwortlich dafür ist die eigens für die Sanierung der markanten Gebäude an der Paul-Illhardt-Straße gegründete PI Wohnbau GmbH. Burkhard John und Sven Ebert sind deren Geschäftsführer. Vielen Schönebeckern ist Burkhard John bisher allerdings besser als Hausarzt beziehungsweise Leiter des ambulanten Geriatriezentrums in Bad Salzelmen bekannt.

Wohnraum für das Alter

Gemeinsam mit dem Ehepaar Sven und Anja Ebert aus Schönebeck, die ebenfalls Teil des neu gegründeten Unternehmens sind, und weiteren Investoren aus der Region, saniert das Team sowohl das einstige Schulgebäude, als auch die dazugehörige Direktorenvilla und das Pförtnerhäuschen. Ihr Ziel ist es, Wohnraum für ein Leben im Alter zu schaffen – in den eigenen vier Wänden und das bis zum Ende des Lebens.

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Die Idee zum Projekt entstand 2013, nachdem alle Beteiligten bereits Erfahrungen mit den Möglichkeiten zur Unterbringung älterer Verwandter gemacht hatten. Diese sei „nicht immer optimal“ gewesen, wie Burkhard John es ausdrückt.

Betreuung an zentralem Ort in Schönebeck

Gemeinsam mit dem Ehepaar Ebert reifte dann im Jahr 2014 der Plan, das Wohnen in den eigenen vier Wänden, die Möglichkeit, gepflegt zu werden und das Geriatriezentrum mit therapeutischen Angeboten und einem Fitnessraum an einem zentralen Ort in Schönebeck unterzubringen.

„Unser Ziel ist es außerdem, die zukünftigen Bewohner aus der oftmals vorhandenen sozialen Isolation herauszuholen“, sagt Anja Ebert, Inhaberin des ambulanten Pflegedienstes Vier Jahreszeiten. Der Dienst hat seine Räumlichkeiten bereits vor Ort. Neben der Pflege von Bewohnern, die auf Wunsch geleistet wird, bietet der Pflegedienst aber auch Betreuungsangebote wie gemeinsames Kochen im großen Aufenthaltsraum, Spielenachmittage und Ausflüge an.

Vertrag mit Gesellschaft

Eigens dafür wurde eine Gesellschaft gegründet, mit dem die Bewohner einen Nutzungsvertrag schließen und so alle Service- und Hilfeangebote nutzen können. Auch die Nutzung der Wohneinheiten wird über diese Gesellschaft abgewickelt.

Die Raumaufteilung der einzelnen Wohnungen ist unterschiedlich. Alle Wohnungen sind aber mit der neuesten Technik ausgestattet. So haben Bewohner die Möglichkeit, bei ihren Ärzten auch per Video vorzusprechen. „Die technischen Voraussetzungen dafür sind gegeben“, sagt Sven Ebert. Die insgesamt 13 Wohnungen in der alten Direktorenvilla sind bereits fertig gestellt. Rund zwei Millionen Euro wurden investiert.

Sanierung des Hauptgebäudes bis 2021

Im Hauptgebäude der ehemaligen Berufsschule ist allerdings noch einiges zu tun, bis die ersten Bewohner und das Geriatriezentrum einziehen können. Zunächst muss das Gebäude komplett entkernt und die neue Raumstruktur geschaffen werden. Geplant ist, dass das Hauptgebäude 2021 bezogen werden kann. Die Kosten für diese Arbeiten liegen auch noch einmal bei mehreren Millionen Euro.

Für einen Blick hinter die Kulissen können Interessierte einen Tag der offenen Tür am Sonnabend, 14. Dezember, von 10 bis 14 Uhr nutzen. Eine erste Führung durch die Gebäude startet um 10.30 Uhr.

Erste Bewohnerin besuchte Schule

Den Blick hinter die Kulissen braucht Dagmar Konrad aus Schönebeck nicht mehr. Sie ist die erste Bewohnerin einer der 13 neu entstandenen Wohnungen in der ehemaligen Direktorenvilla. Doch dass sie heute in der Direktorenvilla ihrer damaligen Berufsschule wohnen würde, hätte sich die 85-Jährige vor 70 Jahren nicht träumen lassen.

Damals war die gebürtige Hallenserin nach Schönebeck gekommen, um hier ihre Ausbildung zu absolvieren. Und der schulische Teil dieser Ausbildung ging eben in der damaligen Berufsvolksschule für Wirtschaft und Verwaltung vonstatten.

Neue Wohnung in Direktorenvilla

Beim Schwoof-Tanz lernte sie dann schließlich auch ihren späteren Mann Karl-Heinz kennen – und blieb in Schönebeck. Als ihr Mann vor einem Jahr verstorben ist, wurde die gemeinsame Wohnung in Schönebeck für die heutige 85-Jährige zu groß. Da ihr Mann bis zu seinem Tod vom ambulanten Pflegedienst Vier Jahreszeiten versorgt wurde, wusste sie um das Bauvorhaben an ihrer ehemalige Berufsschule.

Als erste Bewohnerin hat Dagmar Konrad Ende Oktober ihre Wohnung in der einstigen Direktorenvilla bezogen. „Ich habe mich in der Wohnung gleich wohl gefühlt, auch weil ich meine kompletten Wohnzimmermöbel mitnehmen konnte“, erzählt die Schönebeckerin.

Möbel mitgenommen

Nicht nur viele Möbel, sondern auch Pflanzen und persönliche Erinnerungen hat Dagmar Konrad mitgenommen. Im rustikalen Holzschrank befinden sich ihre Fotoalben. Und in einem der Alben ist auch noch ein Bild zu finden, dass die 85-Jährige gemeinsam mit ihrer Klasse vor der Berufsvolksschule zeigt.

Pflegeleistungen nimmt sie zwar noch nicht in Anspruch, freut sich aber schon darauf, wenn weitere Bewohner kommen.