Asylbewerber

Zahl von Flüchtlingen steigt 2016

Die Unterbringung von Flüchtlingen gilt im Salzlandkreis als Mammutaufgabe. Für 2016 werden mehr als 3500 Asylbewerber prognostiziert.

Von Kathleen Radunsky-Neumann

Schönebeck/Staßfurt l Durchatmen hieß es zwischen den Jahren bei den Mitarbeitern des Salzlandkreises, die im Fachbereich III für Sicherheit und Ordnung tätig sind. Denn im vergangenen Jahr haben sie in Akkordzeit immer wieder neuen Wohnraum schaffen müssen, um die dem Landkreis zugewiesenen Flüchtlinge unterbringen zu können. „Von Zeltlagern und Turnhallen sehen wir nach wie vor ab“, sagt Reingard Stephan als zuständige Fachbereichsleiterin.

Stattdessen werden weiterhin Wohnungen angemietet und Gemeinschaftsunterkünfte hergerichtet beziehungsweise weiter ausgebaut. Zuletzt hat der Salzlandkreis am 1. Dezember ein ehemaliges Hotel in Bernburg zu einer Gemeinschaftsunterkunft umgewandelt. 200 Asylbewerber finden hier Platz. „Der Hotelbetrieb war bereits vorher eingestellt gewesen“, betont Reingard Stephan in diesem Zusammenhang, dass kein laufendes Geschäft beendet werden musste.

Doch auch diese 200 Plätze sorgen nur bedingt für eine Entlastung im Salzlandkreis. Im Wochenrhythmus werden die Menschen der Region zugewiesen. Außer eben zu Weihnachten und zwischen den Jahren. „Das bietet unseren Mitarbeitern die Möglichkeit, Urlaub zu nehmen oder Überstunden abzubummeln“, sagt die Fachbereichsleiterin.

Im neuen Jahr geht es weiter mit der Bewältigung der Mammutaufgabe. Die Prognose für 2016: Der Salzlandkreis soll 3513 Flüchtlinge unterbringen. Wohl gemerkt zusätzlich zu den mehr als 2400 Asylbewerbern, die allein 2015 in der Region einen Unterschlupf geboten bekommen haben – trotzdem soll auch der Hinweis an dieser Stelle erlaubt sein: Der Anteil der Ausländer im Salzlandkreis liegt bei rund 3 Prozent.

So wie die Zahl der zugewiesenen Personen im vergangenen Jahr von Monat zu Monat gestiegen ist (am Ende wurden nahezu 200 Menschen pro Woche dem Landkreis zugewiesen), so fällt auch die Gesamtprognose für 2016 deutlich höher aus. Zum Vergleich: 2015 sollten 2940 Flüchtlinge aufgenommen werden. 2016 sind es rund 600 Menschen mehr. Reingard Stephan rechnet damit, dass pro Woche rund 250 Flüchtlinge dem Salzlandkreis zugewiesen werden.

Das bringt den Kreis und seine zuständigen Mitarbeiter weiterhin an seine Grenzen. „Wir sind immer noch auf der Suche nach weiteren Objekten, die wir für die Unterbringung von Flüchtlingen nutzen können“, sagt Reingard Stephan, ohne ins Detail zu gehen. Aufgrund der noch offenen Verhandlungen will sie keine Interna verraten. Bekannt ist aber schon länger, dass der Salzlandkreis beispielsweise am ehemaligen Staatshochbauamt in Schönebeck interessiert ist. Zu einer Vereinbarung mit dem Land ist es aber bis heute nicht gekommen.

Derweil betreibt der Salzlandkreis sechs Gemeinschaftsunterkünfte in Bernburg (3), Aschersleben (2) und Schönebeck. Hinzu kommen die mehr als 350 Wohnungen, die der Landkreis im gesamten Kreisgebiet angemietet hat. Geplant ist zudem, die Gemeinschaftsunterkunft in Schönebeck um zirka 100 Plätze auf 200 zu erweitern. Kostenpunkt: 1,5 Millionen Euro. Dem hat der Kreistag am 9. Dezember zugestimmt genauso wie der Erweiterung der Gemeinschaftsunterkünfte in Aschersleben und Bernburg für je 1,9 Millionen Euro.

Doch der Schuh drückt. Nicht umsonst wurde die Zahl der Mitarbeiter in der zuständigen Abteilung inzwischen auf 50 erhöht. Die Finanzierung ist ebenso immer wieder fraglich. Der Salzlandkreis geht zwar in seinem Haushaltsplan für 2016/17 davon aus, dass komplett alle Kosten, die im Bereich Asyl anfallen, von Land oder Bund erstattet werden. Nichtsdestotrotz muss der Kreis zumindest in Vorleistung gehen – und das, obwohl er sich 2015 in der vorläufigen Haushaltsführung befindet.

Einen Überblick über die Dinge, die beachtet werden müssen, gibt hierbei beispielsweise die Beschlussvorlage „Beschaffung von Ausstattungsgegenständen zur Herrichtung von Wohnungen und Gemeinschaftsunterkünften für Asylbewerber/Flüchtlinge im Kreisgebiet“, über die der Kreistag während seiner Sitzung am 9. Dezember entschieden hat. Dabei geht es um 3 Millionen Euro, die der Landkreis in die Beschaffung von Ausstattungsgegenständen wie Betten, Schränke, Tische, Stühle, Waschmaschinen, Elektroherde und dergleichen investieren muss.