Streik

Achslagerwerker in Staßfurt erhöhen Druck

Die Silbitz-Mitarbeiter in Staßfurt haben am Mittwoch zum zweiten Mal gestreikt. Mit prominenter Unterstützung, forderten sie den sofortigen Einstieg in Tarifverhandlungen.

Von Franziska Richter
Der Bundestagsabgeordnete Jan Korte (Die Linke) bekräftigte  seine Unterstützung, ebenso Landtagsabgeordneter Sven Rosomkiewicz (CDU).
Der Bundestagsabgeordnete Jan Korte (Die Linke) bekräftigte seine Unterstützung, ebenso Landtagsabgeordneter Sven Rosomkiewicz (CDU). Foto: Franziska Richter

Staßfurt - Rasseln, rote Westen und aufgepeitschte Stimmung. Auf dem Hof des Achslagerwerks in Staßfurt versammelten sich am Mittwoch, 16. Juni 2021, etwa 65 Mitarbeiter, um Druck zu machen auf ihren Arbeitgeber, die Silbitz Group mit Sitz in Thüringen. Sie legten vier Stunden lang die Arbeit nieder.

Prominenz sprang den insgesamt 127 Achslagerwerkern bei. „Ist eure Arbeit weniger wert als die eurer Kollgen in Zeitz? Ihr verdient zum Teil nur 75 Prozent ihres Lohns. Was sind das für Zustände?“, sprach Bundestagsabgeordneter Jan Korte als Gast in die Menge. „Ihr habt meine volle Unterstützung.“

Von Jubelrufen und Rasseln war auch die Ansprache vom frisch gebackenen Landtagsabgeordneten Sven Rosomkiewicz (CDU) begleitet. Bornes Bürgermeister bekannte sich selbst als Mitglied der IG Metall und bot sich an, zwischen Belegschaft und Geschäftsleitung zu vermitteln.

Einer Vorwarnung folgt ein erster, jetzt ein zweiter Warnstreik

Für die Mitarbeiter ist die aktuelle Situation nicht befriedigend: Nach einer aktiven Mittagspause als Vorwarnung Ende April 2021, waren sie zu einem ersten Warnstreik Ende Mai übergegangen – zwei Stunden mit Autokorso durch Staßfurt und einer Kundgebung auf dem Neumarkt.

„Der Arbeitgeber hat sich bis heute nicht bewegt“, erklärte André Voß von der IG Metall. „Wir haben den Arbeitgeber kontaktiert, er hat nicht reagiert und auf den Personalchef verwiesen.“ Bisher gebe es kein Bekenntnis zu den Forderungen der Belegschaft – sie wollen die Annäherung an einen Tarifvertrag sofort vereinbaren und nicht erst im September zunächst einmal darüber sprechen, wie es das Unternehmen angeboten hatte. Die Gewerkschaft fordert auch die Zahlung einer einmaligen Corona-Pauschale durch das Unternehmen von 500 Euro an jeden Mitarbeiter.

Silbitz Group gehe nicht auf IG Metall ein

Auf die IG Metall geht die Silbitz Group bisher nicht ein. Das Unternehmen reagiert am Mittwoch erstmalig auf die Volksstimme und teilt mit: „Den Mitarbeitern der Silbitz Group Staßfurt AWS GmbH wurde ein Angebot zur Teilnahme an Gesprächen unterbreitet. Wir bedauern es sehr, dass es darauf bisher keine weiteren Reaktionen gab und es nun am heutigen Tag zum erneuten Warnstreik gekommen ist. Wir signalisieren weiterhin unsere Gesprächsbereitschaft und hoffen, dass das Angebot durch die Mitarbeiter angenommen wird“, so Christian Blödner, Personalleiter der Silbitz Group.

Die Geschäftsleitung hatte tatsächlich für den 8. September 2021 einen Termin für erste Gespräche sowie 300 statt 500 Euro Corona-Prämie angeboten. Jedoch ist das den Beschäftigten zu spät, sie wollen noch in diesem Monat ein Bekenntnis in Richtung Tarifvertrag und ebenfalls 500 Euro als Corona-Prämie wie die anderen Standorte.

Hoffnung auf Zusagen vergebens

Außerdem war für Mittwochnachmittag ein Gespräch angesetzt zwischen Personalleitung und Betriebsrat - ohne Gewerkschaft. Damit hatte Betriebsratsvorsitzender Pascal Gallus die Hoffnung auf erste Zusagen verbunden. „Leider hat sich die Geschäftsführung nicht an dem Treffen beteiligt. Die Werksleitung hat uns nur noch einmal aus wirtschaftlicher Sicht erklärt, warum es nicht zu Gesprächen kommt.“ Kurzum: „Die Kollegen haben es verdient, genauso behandelt zu werden, wie die anderen Mitarbeiter der Gruppe. Wir sind bereit, solange zu kämpfen bis wir unsere Ziele erreicht haben.“

Für die IG Metall ist es schwer einzuschätzen, wie es weitergeht: „Ich bin überzeugt, dass wir unsere Ziele erreichen. Die Mitarbeiter stehen hinter der Sache und sind bereit, den Arbeitskampf auszudehnen“, sagte André Voß.