Eigenheime

Baulücken als Zwischenlösung

Weil es an Neubaugebieten mangelt, versucht man in Staßfurt zunächst freie Grundstücke innerhalb der Stadt und der Dörfer anzubieten.

Staßfurt l Bei manchem neuen Wohnhaus in der Bischofstraße fehlt noch der Außenputz. Die grauen Einfamilienhäuser in der Schlachthofstraße fallen durch ihre moderne Optik auf. In Förderstedt entstehen noch mehr Fertighäuser. Vereinzelt, aber doch vermehrt in den letzten Jahren wächst mal hier, mal da ein neues Eigenheim in Staßfurt aus dem Boden. Manch einer hatte Glück, ein Grundstück geerbt zu haben, einen Verkäufer zu finden oder über einen Makler vermittelt zu werden.

Laut Staßfurter Verwaltung soll aber auch ein Programm der Stadt für Wachstum gesorgt haben: Seit 2019 ist das sogenannte „Baulandkataster“ der Kernstadt Staßfurt öffentlich im Internet einsehbar. Dort werden ganze 125 Bauparzellen aufgelistet. Bei den meisten handelt es sich um Grundstücke, die für Bauwillige noch zu haben sind.

Das Baulandkataster wurde in der Verwaltung mit Luftbildern und Flurstücknummern erarbeitet. Bei jeder Baulücke wurde zunächst geschaut, ob Wohnen dort überhaupt laut aktuellem Baurecht zulässig wäre, ob ein- oder mehrgeschossig, ein Einzel- oder Mehrfamilienhaus. Dazu wurden Grundstücksgröße und weitere Informationen in ein spezielles Programm eingegeben. Dabei war es zweitrangig, ob das Land der Stadt selbst oder anderen gehört. Die meisten Eigentümer in Staßfurt waren verkaufsbereit und mit der Veröffentlichung ihres Grundstücks im Kataster einverstanden. In diesen Fällen fungiert die Stadt als Vermittler zwischen Bauwilligen und Interessenten.

Für Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD) ist das Baulandkataster, das ständig aktualisiert werde, „ein Meilenstein“. Nicht nur „ganz übersichtlich und bequem“ – für die Stadt sind die Baulücken vor allem eine Möglichkeit, sofort Bauland für junge Familien anzubieten, Einwohnerzahlen aufzubessern und das Stadtbild attraktiver zu machen. Wagner: „Seit der Veröffentlichung des Baulandkatasters für die Kernstadt wurden bereits dreizehn Baulücken verkauft, von denen für neun Bauanträge genehmigt wurden oder wo schon gebaut wird.“

Zwischenzeitlich waren auch die Kataster für die Förderstedter Ortsteile und für Neundorf erarbeitet worden und in 2020 sogar online einsehbar. Seit einiger Zeit sind die wieder aus dem Netz verschwunden. „Wir haben sie herausgenommen, weil mittlerweile Grundstücke vermittelt wurden und das Kataster angepasst werden muss“, erklärte Anke Michaelis-Knakowski von der Verwaltung, als im Ortschaftsrat Löderburg gefragt wurde. Dort forderte Ortsbürgermeister Danny Hempel (SPD) „für Löderburg wenigstens einzelne Baulücken für Bauwillige anbieten“ zu können. Es hieß weiter, dass die Kataster der Ortsteile demnächst wieder online gestellt werden sollen.

Für Atzendorf und Löderburg seien die Baulückenkataster laut Stadt noch im Entstehen, sollen aber spätestens im zweiten Quartal 2021 veröffentlicht werden.

Für einige ist das Baulandkataster jedoch nicht die optimale Lösung. Die Kommunalpolitik bemängelte mehrfach: Gerade die Kernstadt sei für junge Familien und ihrem Traum vom eigenen Heim nicht attraktiv. Es ziehe viele eher auf’s Dorf. Nicht jedes Viertel von Staßfurt sei attraktiv und zwischen älteren Gebäuden zu bauen sei nicht jedermanns Sache. Umso mehr ärgert es den einen oder anderen Ortspolitiker, dass die Dörfer als letztes im Kataster erfasst wurden. Seit Mitte 2020 wartet man darauf.

Bürger berichten, dass auf ihre Anfragen zu Bauland nicht oder erst nach Monaten reagiert wurde. „Unübersichtlichkeit“ ist ein weiterer Kritikpunkt: In das Online-Kataster muss man sich erst einmal hineindenken.

Ein Problem scheint auch der Datenschutz: Das Kataster zeigt keinen Direktkontakt zum Eigentümer an, auch keinen Kaufpreis übrigens. Der Eigentümer des Grundstücks erhält die Kontaktdaten der Bauwilligen und müsste sich bei diesen melden, wofür man auch nicht garantieren kann.