Nachfrage hoch

Baupreise steigen

Bauunternehmen haben gut zu tun. Das merken auch Kommunen wie die Egelner Mulde. Preise steigen.

Egelner Mulde l Die gute Auftragslage auf dem Bau sorgt in den Kommunen für stetig steigende Preise. Das sei bei aktuellen Projekten zu spüren, sagt Verbandsgemeindebürgermeister Michael Stöhr gegenüber der Volksstimme.

Viele Baufirmen in der Regionen seien so gut ausgelastet, dass die weitere Aufträge nur noch zu sehr guten Konditionen annehmen, hat er bereits die Erfahrung gemacht. Bei großen öffentlichen Bauvorhaben bringe dies dann die ganze Kalkulation ins Wanken, beschreibt er die Auswirkungen.

In diesem und im kommenden Jahr gibt es ein großes Bauvorhaben in der Verbandsgemeinde mit der weiteren Sanierung der Wolmirslebener Grundschule. Gut 720.000 Euro sollen dabei in die energetische Sanierung des Schulgebäudes gesteckt werden. Die Verbandsgemeinde bereitet die Auftragsvergabe an die Bauunternehmen zurzeit vor. In den Sommerferien sollen die Bauarbeiter dort anrücken und in den Ferienwochen die ersten großen Arbeiten durchführen. Allerdings wird es ebenso in der Schulzeit noch Bauarbeiten geben, plant die Bauverwaltung der Verbandsgemeinde weiter.

Bei der aktuellen Auftragsvergabe zeigt sich, dass das Interesse der Unternehmen an den Aufträgen in einzelnen Gewerken mitunter sehr gering sei, hat Michael Stöhr beobachtet. Aus den Gesprächen mit den Bürgermeistern anderer Kommunen im Städte- und Gemeindebund weiß er, dass die Erfahrungen in der Egelner Mulde kein Einzelfall, sondern zunehmend zur Regel werden. Mitunter gibt es für einzelne Aufträge überhaupt keinen Anbieter mehr oder die Zahl der bietenden Unternehmen ist äußerst klein bis hin zu nur einem Angebot. Um das wirtschaftlichste Angebot zu bekommen, sollen die Kommunen mindestens aus drei Angeboten auswählen. In der Praxis ist dies bereits jetzt schon nicht möglich.

Wenn die Nachfrage nach Bauleistungen hoch ist, können sich die Unternehmen die Aufträge aussuchen. Heute arbeiten die Kommunen vor allem auf elektronischem Weg, um Firmen für die Ausführung der angebotenen Leistungen zu finden.

Kleine Unternehmen, erzählte jüngst ein Planer, melden sich oft nicht auf die ausgeschriebenen Leistungen. Für sie ist oftmals der Aufwand zu groß, um sich um die Aufträge zu bewerben.

Daneben erachten gerade kleine Betriebe den Aufwand für eine Bewerbung um einen öffentlichen Auftrag als zu groß an. Es gibt allerdings noch andere Effekte, die dazu führen, dass die Unternehmen im Land gut ausgelastet sind. Wegen der oft niedrigen Löhne im Baugewerbe hierzulande haben sich viele Unternehmen ebenso auf Aufträge in anderen Bundesländern orientiert. Dort wird mitunter mehr bezahlt, so dass sich die Anreise an sich bereits lohnt.

Das führt unterm Strich dazu, dass die Kommunen aus anderen Bundesländern um die Firmen in Sachsen-Anhalt konkurrieren.

Noch blieb kein öffentlicher Auftrag unerledigt, sagt Michael Stöhr. Dennoch komme es aber bereits regelmäßig zu Zeitverzögerungen bei der Ausführung, weil die Suche nach einem Unternehmen länger dauere. Ebenso mache sich die Kostensteigerung bemerkbar. Sie führe unter Umständen zu weiterer Zeitverzögerung, wenn die Kommune finanzielle Hilfen aus Landesprogrammen in Anspruch nehme. Kostenveränderungen müssen hier in der Regel angemeldet werden. Aufwändig fallen dann bisweilen die Prüfungen durch die Landesbehörden aus. Auf der Strecke bleiben dann die eigentlichen Projekte.

Während sich bei größeren Aufträgen die Unternehmen noch regelmäßig einen Wettbewerb liefern, nehme das Interesse an kleineren Aufträgen inzwischen spürbar ab, beobachten die Baufachleute in den öffentlichen Verwaltungen. Ausdauer zahle sich hier für die Mitarbeiter aber oft aus, um doch noch ein Unternehmen zu finden, welches den Auftrag ausführen wolle, heißt es aktuell aus vielen öffentlichen Verwaltungen.

Dabei investieren die Kommunen aktuell nicht so viel, wie noch kurz nach dem Mauerfall. Das öffentliche Investitionsvolumen ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Schuld an der guten Auftragsvergabe ist aktuell vor allem die private Nachfrage. Vor allem der private Wohnungsbau, an dem auch große Unternehmen tatkräftig beteiligt sind, führt zu prallen Auftragsbüchern.

Die niedrigen Zinsen für Kredite haben die private Nachfrage deutlich steigen lassen. Vor allem in den Ballungsgebieten bewegt sich der Wohnungsmarkt und die Nachfrage nach Unternehmen ist entsprechend groß. Längst ist die gestiegene Nachfrage bei Bauleistungen im privaten Bereich angekommen. Verbraucher stöhnen bereits, dass es zunehmend schwerer wird, Handwerker zu finden.

Im öffentlichen wie im privaten Bereich mache sich dies vor allem durch Kostensteigerungen bemerkbar, sagt Michael Stöhr. Wie belastbar die Kostenkalkulationen von Planern in der Praxis sind, zeige sich erst bei der Ausschreibung. Mitunter gebe es dann hier erhebliche Abweichungen. Allerdings profitieren die Kommunen auf der anderen Seite von dem Trend. Verdienen die Unternehmen mehr, zahlen sie an die Städte und Gemeinden im Anschluss mehr Steuern. So gleichen sich die höheren Preise wieder aus.