Ehepaar aus Calbe informiert die Polizei, statt Geld abzuheben

Enkeltrick: Betrüger scheitern

Von Anja Keßler

Den sogenannten Enkeltrick wenden Betrüger vor allem bei älteren Mitmenschen an. Da wird bei den Senioren angerufen, eine Verwandtschaft vorgegaukelt und dann um hohe Geldbeträge gebeten. Opfer eines Betrugversuches wurde jetzt ein Ehepaar aus Calbe. Doch Werner und Inge Ecke reagierten geistesgegenwärtig.

Calbe. "Hallo, hier ist Ali", sagte am Dienstagnachmittag eine Stimme am Telefon. Ali? So werden der Sohn von Inge und Werner Ecke, aber auch eine Nichte der beiden von der Familie genannt. Dass nicht Sohn Albrecht am Telefon war, das erkannten die Calbenser sofort an der Stimme des Anrufers. "Aber die Stimme war belegt und hatte einen Berliner Dialekt", erinnert sich Inge Ecke. "Es hätte meine Nichte sein können."

Der Anrufer oder die Anruferin bittet Inge Ecke um ein paar Minuten, ohne dass Werner Ecke dabei ist. "Normalerweise telefonieren wir zusammen über Lautsprecher", erklärt die 78-Jährige. Nun aber verlässt sie mit dem Telefon den Raum. Der Gesprächspartner, von dem Inge Ecke nicht sicher sagen kann, ob es ein Mann oder eine Frau war, sagt, er habe ein finanzielles Problem.

Der Kauf eines Autos stehe an, aber das eigene Geld sei nicht so schnell verfügbar. Ob Inge - Frau Ecke wird beim Vornamen genannt - nicht zur Sparkasse gehen und 16000 Euro abheben könnte. "Das habe ich sofort abgelehnt und erklärt, dass ich sowas mit meinem Mann bespreche." Da war das Gespräch beendet.

Kurz danach klingelt das Telefon erneut, diesmal geht Werner Ecke selbst ran. Als der 85-Jährige sich meldet, wird aufgelegt. "Die Telefonnummer war unterdrückt", erklärt der Senior, der sich sogar bereiterklärt hätte, gemeinsam mit der Polizei eine Falle zu stellen.

Die Polizei einzuschalten, rät auch Andreas Pretzlaff, Leiter des Schönebecker Revierkommissariates. "Es gab auch schon Fälle, in denen es geklappt hat, den Betrüger durch eine fingierte Geldübergabe zu schnappen." Die Regel sei es allerdings nicht. Der Fall in Calbe aus der vergangenen Woche sei derzeit der einzige, der der Polizei in der Region bekannt sei. "Im vergangenen Jahr gab es jedoch einige Versuche im Salzlandkreis, vor allem ältere Menschen auf diese Weise zu betrügen", so Pretzlaff.

Doch warum wusste der Anrufer von dem Spitznamen der Familienmitglieder? "Das kann unterschiedliche Gründe haben", meint der Revierkommissariatsleiter. "Es könnte einfach nur Zufall gewesen sein. In der Regel aber sind diese Betrüger sehr geübt im Aushorchen. Vielleicht hat aber auch jemand versucht, das Ehepaar auszunehmen, der die beiden kennt."

Um sich abzusichern, hatte das Ehepaar neben der Polizei auch Inges Bruder angerufen. "Ich habe den Vater meiner Nichte gefragt, ob sie es vielleicht doch gewesen ist", erzählt Frau Ecke. Aber auch er versicherte, dass seine Tochter kein Geld von ihrer Tante brauche.