Sängerin

Feinsinnig, poetisch und geistreich

Die Sängerin Lucia Keller aus Hohenerxleben sucht die feinen Töne und will Musik als emotionale Reise erlebbar machen.

Hohenerxleben l Wenn Lucia Keller einen Titel singt, ist es jedes Mal anders. Sie beschäftigt sich eingehend mit den Worten, die sie singt. Sie fühlt den Melodien auf den Grund.

Je nach ihrer eigenen Stimmungslage, je nach ihrer aktuellen Situation, ihren Erfahrungen und Erlebnissen in ihrem Leben, interpretiert sie die Stücke anders, betont andere Höhen und formuliert den Text anders aus. „Ich kann von Mal zu Mal bei einem Lied eine andere emotionale Note entdecken und in jeder Textzeile können sich neue Sinnebenen ergeben“, erzählt Lucia Keller im Volksstimme-Gespräch. Immer kommt eine neue Bedeutungsebene dazu, das Musikstück wird immer reicher an Dingen, die man herauslesen kann.

Lucia Keller (20), die aktuell in Hohenerxleben wohnt, und ihre Coverversionen sind vielen mittlerweile bekannt. Beim Salzlandfest, bei „Klänge im Raum“ 2016, bei den Hohenerxlebener Heimatfesten, aber auch über eine Zusammenarbeit mit Uwe Doberstein konnten die Hörer der Region sie kennenlernen. Nächster Auftritt ist übrigens das Stiftungsjubliläum des Schlosses am 2. September.

Ihre Stimme sorgt für Gänsehaut - immer glasklar, transparent und mit einem ganz persönlichen, reifen Charakter.

„Wenn ich Musik mache, fühle ich mich einfach gut“, sagt sie. Alle Emotionen, ob negative oder positive, kann ich damit verarbeiten und einen Ausgleich schaffen.“ Deswegen müssen ihr als Sängerin die Lieder immer gefallen. Songs, die ihr nichts sagen, singt sie nicht. „Ich mache Musik in erster Linie für mich.“ Denn: Nur wenn sie selbst Emotionen in das Gesungene oder das Gespielte am Klavier legen kann, kommen diese auch beim Zuschauer an. „Ein Lied, das man nicht mag, kann man nicht mit Leben erfüllen und dem Publikum vermitteln.“

Die echte Emotion, die Lucia Keller beim Singen lebt, überträgt sich auf Publikum. Es gibt viel positives Feedback, auch kam dem einen oder anderen Gast bei Schlosskonzerten schon ein Tränchen.

In der Musik liebt sie die feinsinnigen Gedankengänge und Melodien, manchmal nachdenklich und melancholisch, manchmal energisch und glücklich. Das sind Stücke, die zum Träumen und Texte, die zum Nachdenken anregen. Musik ist das Zusammenspiel von Geist und Gefühl, von Gedanken und Emotionen in eine Form gegossen.

Niemals darf es plump sein, Gassenhauer und Schlager mag Lucia Keller nicht. Dagegen liebt sie griechische Musik, Musicals, Klassik, Opernarien, englische Balladen, feinsinnige Popmusik, zum Beispiel die neuesten Stücke von Sarah Connor.

Eigentlich ist Lucia Keller auf Umwegen zum Singen gekommen. „In der Schule hatte ich früh Klavierunterricht. Weil wir unser Klavierspiel auch mit Gesang begleitet haben und es meine Lehrerin irgendwann störte, dass ich immer falsch gesungen habe, hat sie sich entschlossen, mir beizubringen, wie man richtig singt.“

Das war noch in Griechenland, wo Lucia Keller in der Nähe des Olymp geboren wurde und aufgewachsen ist. Als sie 15 Jahre alt war, kam sie mit ihrer Familie zurück nach Staßfurt, woher ihre Mutter stammt, ihr Vater ist Grieche.

In den Chören am Staßfurter und Egelner Gymnasium und an der Kreismusikschule machte sie mit der Musik weiter. Und viel brachte sie sich im Selbststudium bei: „Ich habe immer wieder für mich selbst gesungen und mich selbst korrigiert.“

Vor zwei Jahren übernahm sie die Leitung des Singekreises Hohenerxleben: „Wir verstehen uns super, die Frauen lieben mich“, strahlt Lucia Keller. Mit den Damen bespricht sie die Liederauswahl, probt einmal die Woche, gibt Hinweise zum Singen. Beim Heimatfest, Adventsmarkt am Kreativhaus und dem Chorfest treten sie gemeinsam im Ort auf.

Weil Lucia Keller vorher wenig Deutsch in Griechenland gesprochen hatte, wurde es allerdings schwierig mit dem Abitur am Staßfurter Gymnasium. Sie brach dort ab und machte ihren erweiterten Realschulabschluss und kam über einen Hinweis zum Schloss Hohenerxleben, wo sie ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvierte.

Jetzt hat sie zwei von drei Jahren ihrer Ausbildung zur Hotelfachfrau am Schloss Hohenerxleben geschafft. Dort, mit der künstlerischen Ausrichtung des Schlossstiftung, fand sie genau den Hintergrund, den sie für ihre Musik braucht. „Allein als Sängerin oder Klavierspielerin kommt man heute nicht weit. Man braucht für solche Programme eine Band oder ein Ensemble im Hintergrund und Menschen, die einen fördern“, erklärt sie. Am Schloss Hohenerxleben findet sie genau diesen künstlicheren Rahmen, in den sie sich einklinken kann.

Lucia Keller gestaltete mehrere Abende am Schloss mit den Ensemblemitgliedern als musikalische Begleitung bei Theaterstücken, Lesungen oder Konzerten. In der „Iphigenie“ hat sie als Schauspielerin und Komponistin mitgewirkt und gehört heute zur Schauspielgruppe von Judith Kruder.

Zur musikalischen Umrahmung von besonderen Ereignissen ist sie aber auch mal allein unterwegs. Offizielle Empfänge, Festakte oder Auszeichnungen sind jene niveauvollen Veranstaltungen, die Lucia Keller mit Gesang und Klavier begleitet und musikalisch umrahmt.

Als Musikerin hauptberuflich tätig zu sein, sei aber heute kaum noch praktikabel, glaubt sie. Überhaupt ist es ihr erst einmal wichtig, ihre Ausbildung zu Ende zu machen.

Es gibt auch einen eigenen Youtube-Kanal, der unter ihrem Namen läuft. Dort stellt sie Videos ein, wie sie zuhause am Klavier sitzt und singt. „Fans“ im Internet verfolgen den Kanal. Über 1000 mal wurde der Song angeklickt, den sie mit Uwe Doberstein aufgenommen hat. „Calm after the Storm“ ist wie ihre anderen Songs eine emotionale Granate mit Gänsehautgarantie.