Kommunalpolitik

Jugendforum für Staßfurt kommt

Der Staßfurter Jugendbeirat ist an einem Tiefpunkt angekommen. Fehlende Mitglieder und Corona dünnen das Gremien aus, indem Jugendliche in Staßfurt Politik mitmachen sollen. Aber es gibt schon eine Idee gegenzusteuern.

Von Franziska Richter
Eine Collage zum Jugendbeirat aus früheren Zeiten.
Eine Collage zum Jugendbeirat aus früheren Zeiten. Quelle: Stadt Staßfurt

Staßfurt - Die letzte Mitgliederversammlung des Jugendbeirats war schwierig: Es fand sich nicht mal eine Handvoll Jugendliche im Rathaus ein. Der Rat konnte nicht tagen, ein paar Enttäuschte gingen nach Hause.

Aktuell hat der Jugendbeirat, der 2015 als Positiv-Beispiel politischer Mitbestimmung in Staßfurt und nach viel Engagement von Ex-Stadtrat Hartmut Wiest begründet worden war, nur noch fünf Mitglieder.

Nach Hoch-Zeiten gab es immer wieder Abgänge. Es habe sich „in der vergangenen Zeit als sehr schwierig erwiesen, motivierte Jugendliche als dauerhafte und verlässliche Mitglieder für den Jugendbeirat zu gewinnen“, bestätigt auch Stadtjugendpflegerin Jessica Krengel-Lienau, die den Jugendbeirat betreut.

Junge Politik ja, aber wie?

Ein Lösungsversuch des Dilemmas ist schon parat. Immerhin hat man sich Gedanken darüber gemacht, wie man das Gremien, das sein Pendant im sehr aktiven Seniorenbeirat hat, erhalten kann. Darauf hatte auch der Stadtrat immer wieder gedrungen. Stadtrat Ralf-Peter Schmidt (UBvS) meint: „So etwas wie einen Jugendbeirat braucht es in einer Demokratie, gerade jetzt, wo große Wählerverschiebungen stattfinden.“ Mit der hohen Fluktuation müsse man leben, diese sei auch verständlich. Ein Jugendbeirat müsste aber mehr Eigenverantwortung und Wirksamkeit erfahren.

Ziel ist jetzt nicht nur, wieder mehr junge Mitglieder zu gewinnen. Nach den Sommerferien werde man, so Jessica Krengel-Lienau, erneut an die Schulen herantreten und allen Schülersprechern bei einer Gesprächsrunde den Jugendbeirat schmackhaft machen.

Lockerer, flexibler, offener

Man werde auch die Arbeit an sich umgestalten. Krengel-Lienau kündigt an: „Es ist angedacht, die Beteiligungsmöglichkeit für Jugendliche offener, weniger bürokratisch und politisch zu gestalten. So sollen Jugendliche, die sich gerne engagieren möchten, eine Partizipationsmöglichkeit bekommen, ohne von politischen ’Pflichten’ und starren Verfahrensweisen abgeschreckt zu werden.“

In Staßfurt soll zusätzlich ein „Jugendforum “ entstehen. Dieses Jugendforum soll zum einen aus den offiziellen, vom Stadtrat berufenen Mitgliedern des Jugendbeirates bestehen und zum anderen aus engagierten Jugendlichen, die ohne diese Prozedere einfach mitmachen können. Krengel-Lienau: „Die Mitarbeit im Jugendforum ist für alle Kinder und Jugendliche möglich, die kreative Ideen haben, wie sie sich in und für Staßfurt engagieren können.“ Sie können im Jugendforum dauerhaft mitreden, das flexibler und mehr an der Interessenlagen junger Menschen ausgerichtet ist.

Jugendliche, die sich als zuverlässig und beständig im Jugendforum erweisen, können sich zusätzlich noch in den Jugendbeirat berufen lassen.

Nach den Sommerferien will man sowohl für Jugendforum als auch Jugendbeirat in die Werbung gehen. Dazu ist eine Aktion mit der Fach- und Koordinierungsstelle des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ geplant, das den Jugendbeirat finanziell fördert.