Rückkehrer

Löderburgerin vermisst Familie und Heimat in der Schweiz

Es war eine schöne Zeit für Friseurmeisterin Yvonne Weise. Doch Heimat und vor allem Familie vermisste die Löderburgerin sehr, nachdem sie ihrem Mann ins Alpenland gefolgt war.

Von Falk Rockmann
Nach zehn Jahren in der Schweiz ist Yvonne Weise wieder in ihre Heimat zurückgekehrt und bedient jetzt Kunden in Löderburg. Zu ihren ersten und jüngsten im neuen Salon zählt Anton.
Nach zehn Jahren in der Schweiz ist Yvonne Weise wieder in ihre Heimat zurückgekehrt und bedient jetzt Kunden in Löderburg. Zu ihren ersten und jüngsten im neuen Salon zählt Anton. Foto: Falk Rockmann

Löderburg - Es war der 27. Mai 2011, als sie schweren Herzens die Tür ihres Salons in Groß Börnecke hinter sich schloss und ihrem Mann in die Schweiz folgte. Der war der Arbeit wegen schon fünf Jahre zuvor in das kleine Alpenland gegangen. „Vom Verdienst als Hausmeister hier in Staßfurt – mit zwei Teenagern zu Hause und ich derzeit berufsbegleitend in der Meisterausbildung – blieb nicht viel übrig“, erzählt Yvonne Weise, warum ihr Peter die Heimat verließ.

Räumliche Trennung nicht gut für Beziehung

Die räumliche Trennung habe ihrer Beziehung nicht gut getan, deshalb entschied sie sich, hinterherzugehen. Der Abschied fiel ihr sehr schwer. „Aber wer weiß, ob wir sonst noch zusammen wären“, meint die Löderburgerin.

Ja es sei auch sehr schön gewesen in der Schweiz. „Am Anfang war es schwer, die Sprache zu verstehen, aber das hat bald gut geklappt“, erinnert sich Yvonne Weise an die erste Zeit. Irgendwann war sie dann verantwortlich für 13 Friseurfilialen, unter anderem in Zürich. Sie hat von Weiterbildungen mit Star-Coiffeuren aus Frankreich und Österreich profitiert und auch Lehrlinge ausgebildet.

„Es sind liebenswerte Menschen dort. Wir waren auch richtig multi-kulti im Team: Italiener, Portugiesen, Thailänder. Ein super Team.“

„Man kann gut verdienen in der Schweiz und zu zweit auch gut dort leben, wenn man nicht jeden Abend Essen geht. Da bleibt schon was übrig“, hat die Friseurmeisterin erfahren.

Kontaktlose Corona-Zeit war Knackpunkt

Wer Geld verdienen wolle, der soll ruhig mal ins Ausland gehen, empfiehlt sie. „Allerdings darf man kein Heimweh haben.“

Sie selbst wäre jedenfalls nie gegangen, wenn ihr Mann nicht gegangen wäre. Ihre Heimatverbundenheit ist zu stark. „Zuhause ist eben Zuhause.“

Und gerade in der Corona-Zeit fehlte ihr die Familie hier. „Das war dann auch der ausschlaggebende Knackpunkt, dass wir uns für eine Rückkehr entschieden.“ Ihr fehlten die persönlichen Kontakte zu den Kindern und Enkelkindern, zu den Eltern. Die Regelungen und Reiseverbote nervten nur noch, dann drohte unbezahlte Quarantäne...

„Es hat gereicht. Und Geld ist nicht alles. Für die Familie da sein, ist viel wichtiger“, ist Yvonne Weise überzeugt. „Die Kinder planen Nachwuchs. Und von unseren Eltern wollen wir auch noch was haben.“

Von der Schweiz vermisse sie eigentlich nichts. Nichtmal die Berge. Im Gegenteil, dort fehlte ihr das deutsche Essen.

Mit den Freunden im Alpenland stehe man nach wie vor in Verbindung. An ihre ehemaligen Kollegen wird sie erinnert durch ein ziemlich teures Abschiedsgeschenk – eine Designer-Handtasche. Und nicht zuletzt durch ein kleines Album mit sehr herzlichen persönlichen Widmungen. Davon können sich übrigens auch die Kunden im neuen Löderburger Friseursalon überzeugen. Denn die 50-Jährige startet nochmal durch als selbstständige Friseurmeisterin. „Löderburg musste es sein, weil ich hier groß geworden bin“, erläutert Yvonne Weise.

Für Familie da sein ist wichtiger als Geld

Den Um- und Ausbau der bisherigen Allianzfiliale wuppte ihr Mann, auf den sie ganz stolz ist. Die Freude, wieder hier in der Heimat zu sein, ist jedenfalls riesig. Auch bei ehemaligen Kollegen von hier. Peter Schwarz beispielsweise unterstützte sie beim Restart. Und für ihren ehemaligen Lehrling Stephanie Siemon ist es so, „als wäre sie gar nicht weggewesen.“

Inzwischen hat die Rückkehrerin über eine Facebook-Seite erfahren, dass immer mehr „Ossis in der Schweiz“ Erfahrungen darüber austauschen, als einstige „Auswanderer“ wieder in die Heimat zurück ziehen zu wollen. Das gehe durch alle möglichen Berufe.

Und der Grund dafür ist meist die Familie. „Möglicherweise tut sich aber auch was beim Verdienst hierzulande“, denkt Yvonne Weise.