Kleingärten

Schrebergarten in Hecklingen immer begehrter

Corona lässt traditionelle Hobbys neu aufleben. Kleingärten sind wieder im Kommen. Dieser Trend macht sich auch in Hecklingen bemerkbar. In der „Goldenen Aue“ werkeln „Frischlinge“ und „alte Hasen“ Tür an Tür.

Von Nora Stuhr
Hans-Joachim Leopold hat kommissarisch den Vorsitz im Kleingartenverein „Goldene Aue" in Hecklingen übernommen.
Hans-Joachim Leopold hat kommissarisch den Vorsitz im Kleingartenverein „Goldene Aue" in Hecklingen übernommen. Fotos: Nora Stuhr

Hecklingen - Flieder duftet herrlich. Der Busch in „Gang 4“ der Kleingartenanlage vom Verein „Goldene Aue“ in Hecklingen blüht üppig weiß.

Überall regt und rappelt es sich in den Parzellen. Der erste Tag im Juni verwöhnt die Laubenpieper mit bestem Gartenwetter. Ein bisschen versteckt werkeln am späten Vormittag schon viele emsig. Hier und da schaut die Spitze eines Sonnenhutes hinter einer Hecke hervor.

In der Anlage „Goldene Aue“ in Hecklingen genießt man die Ruhe

Ein Mann verschneidet gerade Bäume. Volksmusik läuft im Radio. Er summt fröhlich mit und belädt eine Schubkarre mit Ästen. Dass jemand am Zaun steht, bemerkt er erst gar nicht. Dann kommt er auf den Eingang zu, erzählt, dass er in diesem Jahr spät dran ist, weil er umgezogen ist. Schnell arbeitet er weiter.

Von hinten nähert sich eine Frau. Ihr kleiner Hund kommt aufgeregt angelaufen, schnuppert. Kathrin Gropp trägt einige Blumentöpfe. Sie hat nicht so richtig viel Zeit. „Ich muss zur Arbeit“, sagt sie. Dann nimmt sie sich doch kurz ein paar Minuten und erzählt, dass sie seit zehn Jahren Mitglied im Verein in Hecklingen ist. „Das Schöne am Kleingarten ist die Ruhe“, kommt sie ins Schwärmen. Gefragt, ob sie den Eindruck hat, dass die Corona-Zeit dem Verein mehr Mitglieder beschert hat, meint sie, dass schon viele junge Leute gekommen sind. „Einige waren dann aber auch schnell wieder weg, als sie gemerkt haben, dass doch viel Arbeit in so einem Garten steckt“, so Kathrin Gropp.

Dass allerhand zu tun ist, wenn man viel Obst und Gemüse ernten möchte, kann Kurt Schulz bestätigen. Klassisch gepflegt, geradlinig angelegt kommt sein Garten daher. Auf einem kleinen Stück Rasen steht ein Gartenzwerg. Schulz kümmert sich seit 40 Jahren um das alles. Er bedauert ein bisschen, dass er jetzt aufhören muss. Aus gesundheitlichen Gründen kann er nicht mehr so, wie er möchte, und hat den Entschluss gefasst, seine Parzelle abzugeben.

„Früher in der DDR haben wir hier noch mehr Obst und Gemüse angebaut als heute. Das hat Spaß gemacht“, erinnert sich der Gartenfreund. Er erzählt, dass sein kleines Paradies schon jemanden hat, der sich danach darum kümmern wird. „Eine junge Frau möchte ihn übernehmen. Ich habe alles bestellt, damit sie in diesem Jahr auch eine Ernte hat“, sagt der Senior und zeigt auf blühende Erdbeerpflanzen.

Junge Leute finden ihren Ausgleich

Junge Leute, die berufstätig sind, suchen im Garten in ihrer Freizeit aber auch Entspannung. Schon vor der Pandemie fasste Janet Keitel 2018 den Entschluss, einen Kleingarten zu übernehmen. In dieser Woche hat sie Urlaub. Ein Kumpel hilft ihr, das marode Dach der Laube zu reparieren. Die Sonne meint es schon fast zu gut. Der Mann auf dem Dach lacht trotz Anstrengung. Die beiden haben auf jeden Fall Spaß bei der Arbeit. Das wird deutlich. „Ich habe den Garten vor drei Jahren übernommen, weil ich einfach mal raus wollte“, erzählt die junge Frau. Jetzt in Zeiten von Corona sei das Gold wert, meint sie. Dabei sei es in Hecklingen nicht so schwierig und auch nicht so kostenintensiv wie anderswo an solch eine grüne Hobby-Oase zu kommen. „Freunde in Wernigerode suchen händeringend. Kosten sind enorm. 2000 Euro und aufwärts“, erzählt die Hecklingerin. Ihr Kleingarten sei entscheidend günstiger, meint sie.

Mitgleidschaft ist gar nicht teuer

Der Mitgliedsbeitrag in der „Goldenen Aue“ liegt bei 12 Euro pro Person. Dazu kommen verschiedene Umlagen. Alles in allem fallen im Jahr Kosten in Höhe von rund 150 Euro an, zuzüglich Strom und Wasser je nach Verbrauch. Das Gebäude kostet in der Regel gar nichts.

Wenn jemand eine Laube von einem Vorbesitzer übernimmt, kann ein Kaufpreis ausgehandelt werden, wenn gewünscht. Das geht den Verein aber nichts an, denn das Gebäude ist nicht Gegenstand des Pachtvertrages.

Wer einen Kleingarten übernimmt, hinterlegt zudem eine Kaution als Sicherheitsleistung, damit der Verein nicht auf Energiekosten sitzen bleibt, sollte der Neupächter nach kurzer Zeit doch merken, dass das Hobby nichts für ihn ist.

Bleibt zu fragen, wie viele Mitglieder der Verein hat. Dazu kann Hans-Joachim Leopold Auskunft geben. Er hat den Vorsitz kommissarisch übernommen und kennt sich aus. „Im Moment sind wir 104 Mitglieder“, informiert er. Auf die Frage, ob der Lockdown den Kleingarten attraktiver gemacht hat, sagt er, dass die „Goldene Aue“ im vergangenen Jahr einen guten Zulauf verzeichnen konnte.

Abgänge, Zugänge und Corona

Er spricht von acht bis neun Neuanmeldungen. Davon hätten vier Pächter auch wieder gekündigt, dafür seien aber wieder drei neue Bewerber da. Trotzdem ist der Leerstand nach wie vor ein Problem. Rund ein Drittel der Anlage sei nicht verpachtet.

Die gestiegene Nachfrage stimmt dennoch optimistisch. Die Sonne des Tages ebenfalls. Im Garten von Hans-Joachim Leopold blühen die Pfingstrosen. Er erzählt noch, dass das Durchschnittsalter der Mitglieder bei rund 60 Jahren liegt. Viele, weiß er, seien schon geimpft. Das lasse hoffen.

Möglicherweise könnten bald auch wieder gemeinsame Arbeitseinsätze stattfinden oder andere Zusammenkünfte an der frischen Luft, hofft er. Das wäre schön. Denn auch die Gemeinschaft sei das, was die Laubenpieper in Hecklingen schätzen, so Leopold.