Stendal l Er ist schon eine kleine Erfolgsgeschichte, der Studiengang Angewandte Kindheitswissenschaften, kurz Kiwi, an der Hochschule Stendal. Nirgendwo sonst kann man ihn in Deutschland studieren, durch Kooperationen mit lokalen Organisation wie dem Verein „KinderStärken“ ist er besonders praxisverbunden.

„In den vergangenen zehn Jahren wurde hier viel auf die Beine gestellt“, lobt Professor Manfred Liebel seine Kollegen in Stendal. Liebel unterrichtet im Masterstudiengang Kindheitswissenschaften an der Freien Universität Berlin und war am Wochenende einer der Referenten während der Podiumsdiskussion zum 10. Geburtstag des Studiengangs in Stendal. Zu dieser waren über 70 Zuhörer in die Aula der Hochschule gekommen und bekamen Informationen zum Studiengang sowie zu Kinderrechten geboten – Die Geburtstagsveranstaltung stand nämlich unter dem Motto „Kinderrechte“.

Neuer Masterstudiengang in Stendal geplant

Eben dieses Motto wird Namensbestandteil des neuen Kiwi-Masterstudiengangs sein, den es ab kommendem Wintersemester an der Hochschule geben soll. „Mit dem Master haben die Studenten nach dem Bachelor die Möglichkeit, auch weiter in Stendal zu studieren“, sagt Kiwi-Professorin Beatrice Hungerland. Eine Erhöhung der Studentenzahlen von derzeit rund 2200 werde der Master jedoch nicht nach sich ziehen. Um Lehrkräfte für den Studiengang zu generieren, soll der Bachelor Hungerland zufolge etwas entschlackt werden.

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Und das sind nicht die einzigen Neuerungen, die den Studiengang Kindheitswissenschaften ab 2016 erwarten werden. „Der Antrag auf staatliche Anerkennung liegt schon seit Jahren dem Kabinett vor“, sagt Hungerland. Sie erwartet eine Entscheidung darüber noch in diesem Jahr.

„Bei Betrieben im sozialpädagogischem Bereich, wo unsere Studenten zumeist später einen Job finden, spielt die Anerkennung kaum eine Rolle“, erklärt die Professorin. Lediglich bei staatlichen Stellen wie den Jugendämtern werde diese gefordert. Neben den Kiwis sollen dann ab kommendem Jahr auch die Kindheitspädagogen, die Kipäds, einen staatlich anerkannten Bachelorabschluss ablegen können.

Workshops am Freitag mäßig besucht

Neben vielen der aktuell noch 180 Kiwi-Studenten sowie Studenten anderer Fachrichtungen hatten am Wochenende auch ehemalige Absolventen der ersten Abschlussjahrgänge den Weg an die Hochschule gefunden. Eine von ihnen war die Geschäftsführerin des Vereins „KinderStärken“, Susanne Borkowski. „Wie beschäftigen bei uns hauptsächlich ehemalige Kiwi-Studenten, aber auch studentische Hilfskräfte“, sagt sie. „Wir verstehen uns als Fuß in die Praxis und sind deshalb immer für Studenten offen.“

Im Vorfeld der Geburtstagsveranstaltung hatten Hungerland und ihre Studenten kräftig die Werbetrommel gerührt. Besonders die Workshops am Freitag sollten zahlreiche Stendaler anlocken. „Leider war die Resonanz sehr verhalten“, seufzt Hungerland. Das sei aber ein Grund mehr, den Studiengang und seine Initiativen künftig noch bekannter in Stendal zu machen. Das soll im Übrigen auch bundesweit passieren. Schon jetzt lockt Kiwi junge Studenten aus der gesamten Republik in die Altmark. Die staatliche Anerkennung werde den Studiengang noch populärer machen, davon ist Hungerland überzeugt. „Ich wünsche mir, dass wir Strahlkraft auf andere Hochschulen haben werden.“ Die Konkurrenz, wenn es den Kiwi-Bachelor plötzlich auch woanders geben würde, fürchtet sie nicht, sondern begrüßt sie eher.

Und ein weiterer Aspekt stimmt Hungerland optimistisch für die Zukunft. „Wir bekommen immer mehr männliche Studenten.“ Deren Zahl habe sich seit 2005 nämlich von einen auf zehn erhöht.