Stendal l Die Stendaler Rolandmusikanten kündigten sie unüberhörbar an, dann schob sie sich – getragen von Rotariern – unübersehbar ins Blickfeld der Weihnachtsmarktbesucher: die längste Stolle der Altmark. 14 Meter maß das Backwerk, das Konditormeister Wilhelm Müller und Helfer unter anderem mit 70 Kilo Mehl, 50 Kilo Butter, 40 Kilo Rosinen, 15 Kilo Mandeln und aus Rum zubereitet hatten, in diesem Jahr.

Die Stendaler und ihre Gäste hatten dann auch Stollenappetit mitgebracht, aßen für einen guten Zweck, kommt doch der Verkaufserlös dem Stendaler Hospiz zugute. „Schön saftig“, urteilte Jörg Christ. Er war aus der Nähe von Schwerin nach Stendal gekommen, um die Familie von Sohn Matthias zu besuchen und „weil ich gehört habe, der Markt hier soll eine Wucht sein“. Den Marktbesuch habe er nicht bereut, sagte er auf Volksstimme-Nachfrage.

Schnitzkunst aus dem Erzgebirge

Gedränge herrschte als die Stolle unters Volk gebracht wurde. Gedränge herrschte auch im Rathaus. Dort präsentierten Handwerker und Händler Töpferwaren, Dekorationsartikel, Glaserzeugnisse, Schnitzkunst. Und boten sie zum Kauf an.

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Hans Lichtenberger aus dem erzgebirgischen Olbernhau ließ sich beim Schnitzen gern auf die Finger schauen. „Ich erledige während der Ausstellung hier Aufträge und habe zwischendurch angenehme Unterhaltung. Die Leute fragen viel“, sagte er, während er an einer Bergbaupyramide arbeitete.

Die Erzgebirgler hatten nicht nur Pyramiden, Schwibbögen und Räuchermännchen mitgebracht, sondern ein Bastelangebot für die kleinen Marktbesucher. Sie konnten vorgefertigte Holzfiguren wie Schneemänner, Weihnachtsbäume und Elche selbst gestalten. Betreut wurden sie dabei von Mitarbeitern der Stadtverwaltung.

Ungarin musiziert auf Okarina

In den Rathaussitzungssälen ging es international zu. Tschechische Kunsthandwerker boten unter anderem Grußkarten und Glasfiguren feil, auf dem Töpfermarkt war einmal mehr eine Firma aus Budapest vertreten. Auf die Ungarn machte Aniko Simon aufmerksam, die auf einer tönernen Okarina, einer Kugelflöte, musizierte. Sie komme gern nach Stendal, weil der Weihnachtsmarkt recht gemütlich sei und ihr Stendal gefalle. Manch eine ihrer Okarinas dürfte in anderthalb Wochen unterm Weihnachtsbaum liegen, wie auch andere Geschenke, die Besucher des Marktes am Wochenende erstanden.

Doch nicht jeder war aufs Einkaufen aus, genoss das Programm auf der Bühne und in der Marienkirche.