Stendal l Es ist mittlerweile 26 Jahre her, dass die Sowjetarmee Deutschland und auch Stendal verlassen hat, doch noch heute sind im weitläufigen Gebiet am Flugplatz Borstel nicht alle Hinterlassenschaften beseitigt. Sehr zum Ärger vieler Borsteler, die dort Spaziergänge mit dem Hund machen oder mit dem Fahrrad in der Natur unterwegs sind. Sie sehen nicht nur Gefahren für spielende Kinder, sondern auch für die Umwelt, wenn zum Beispiel Asbest und anderes im Bauschutt rumliegen würde. Zudem lade so ein Schuttberg immer wieder dazu ein, illegal weiteren Müll zu entsorgen.

Und was viele zusätzlich ärgert, vor allem die alteingesessenen Borsteler: Das Thema ist nicht neu, schon mehrfach waren die zuständigen Ämter und Behörden darauf aufmerksam gemacht worden.

Fläche bekommt Bodenfunktion wieder

Zumindest der große Garagenkomplex der Sowjetarmee verschwindet derzeit. Die Hansestadt Stendal hatte das Grundstück, das zirka 1,5 Kilometer nordwestlich der Landebahn des Flugplatzes in der Gemarkung Uenglingen liegt, auf Basis ihres Vorkaufsrechtes aus Privatbesitz erworben, weil es Teil des geplanten Gewerbegebietes werden soll, das im Zuge des Autobahnbaus für mögliche Ansiedlungen vorbereitet wird. Derzeit laufen die Abrissarbeiten.

Die Hansestadt Stendal hat zur Förderung von Vorhaben zum Bodenschutz (Richtlinie Bodenschutz) EU-Fördergeld bekommen, dadurch wurden die Arbeiten möglich, teilte André Projahn, Mitarbeiter im Büro des Oberbürgermeisters, auf Nachfrage mit. Mit dem Abriss der Garage soll eine Altlast beseitigt, die Fläche entsiegelt und die natürliche Bodenfunktion wieder hergestellt werden. Dies sei das vorrangige Ziel. Weitere Arbeiten seien derzeit nicht geplant. Projahn: „Zum jetzigen Zeitpunkt ist es nicht möglich, eine konkrete Aussage zu einer gegebenenfalls perspektivischen Nutzung zu geben.“

Eigentümer in Pflicht genommen

Vieles ist in den vergangenen Jahren schon verschwunden. Vor allem Privateigentümer von Grundstücken, die diese nach dem Abzug der Roten Armee zurückbekommen hatten, waren mit Abrissverfügungen in die Pflicht genommen worden. Mit Hilfe von Fördergeld erfüllten sie die Auflagen und ließen den Bauschutt der abgerissenen Gebäude fachgerecht entsorgen. Die Natur hat sich an diesen Stellen ihren Raum wieder zurückgeholt.

Doch nicht alle kamen ihrer Pflicht bisher nach. So liegen auf einem großen Grundstück, das 2013 von einem Stendaler Unternehmen gekauft worden war, noch immer große Schuttberge. Die Firma sei „seit Jahren bemüht, das Grundstück zu beräumen. Dies geschieht in kleinen Schritten“, sagte Kreis-Sprecherin Angela Vogel auf Nachfrage. Es handele sich „also um ein laufendes Verfahren“.

Landkreis sieht keine Gefahr

Schon vor drei Jahren hatte es die Information gegeben, dass die untere Abfallbehörde in regelmäßigem Kontakt mit dem Eigentümer stehe. Damals war auch mitgeteilt worden, dass Asbest, Teerpappe und Mineralwolle bereits entsorgt wurden, Abfälle wie Holz, Steine und Bauschutt schrittweise folgen sollen. Das war vor drei Jahren, noch heute liegen große Schuttberge dort. Geblieben ist auch die ebenfalls vor drei Jahren geäußerte Befürchtung von Borstelern, dass sich unter der sichtbaren Oberfläche eben doch noch umweltschädliche Abfälle befinden könnten.

Anders als bei den Privatbesitzern habe des Unternehmen bisher keine staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen können, „da die GmbH nicht zum förderfähigen ‚Personenkreis‘ gehörte beziehungsweise gehört“, sagte Angela Vogel. Aus Sicht der Kreisverwaltung bestehe keine Gefährdung, denn „das Grundstück ist umwallt beziehungsweise natürlich umwachsen, daher ist ein Betreten relativ schwierig und unwahrscheinlich. Eine konkrete Gefahr geht nicht davon aus.“

So sieht es die Kreisverwaltung auch für ein Grundstück, das der evangelischen Kirche gehört. Darauf stehen noch die Reste einer größeren offenen Halle – nach Ansicht einiger Borsteler für Kinder verlockend als Spielplatz und gefährlich. „Das Grundstück ist ebenfalls umwallt und ein Betreten sehr unwahrscheinlich“, erklärte Angela Vogel. Die Notwendig zum Abriss der Halle „ist nicht zu erkennen“. Für weiterführende Maßnahmen sei die untere Abfallbehörde des Landkreises nicht zuständig, bei einer drohenden Gefährdung müsste das Bauaufsichtsamt der Hansestadt Stendal aktiv werden.