Stendal l Um dem Motorsport eine Vereinsheimat in Stendal zu geben, haben Motorsportbegeisterte am 26. Februar 1960 während einer Sitzung im damaligen Raw-Kultursaal den Motorsportclub im Allgemeinen Deutschen Motorsport-Verband (ADMV) aus der Taufe gehoben. „Zu Gründerzeiten, aber auch in den nachfolgenden Jahren lag der Schwerpunkt der Arbeit vor allem auf sportlichem Gebiet“, schaut Peter Bollfraß, der von 1991 an 26 Jahre an der Vereinsspitze stand und heute Ehrenvorsitzender ist, auf die Anfänge zurück.

 Namen, die mit den sportlichen Erfolgen verbunden sind, hat er auch parat: die Autorennfahrer Horst Hauser und Dietmar Isensee sowie den K-Wagen-Fahrer Wolfgang Köhler, der noch heute Vereinsmitglied ist. Sie fuhren bei nationalen und internationalen Rennen, nahmen auch an Wettkämpfen in ihrer Heimatstadt teil. Die fanden vor allem im damaligen Puschkinpark, heute wieder Bürgerpark, statt.

Eine Rennveranstaltung mit großen Folgen

Ein Motocross-Rennen mit internationaler Beteiligung war der Grund dafür, dass es ab Ende der 1960er Jahre nur noch wenige Motorsportveranstaltungen in Stendal gab. Dieter Ortmann, heute Ehrenmitglied im Verein, kann sich noch gut daran erinnern. Denn schon damals war der heute 85-Jährige für die Vereinsfinanzen zuständig. Die Motorsportler hatten 1967 eine Großveranstaltung organisiert und auf viel Publikum gesetzt, doch das blieb aus – die Leute gingen lieber zum gleichzeitig stattfindenden Oberligaspiel der BSG Lok Stendal. Versuche im Vorfeld, dass die Fußballer ihr Spiel verlegen, waren ohne Erfolg geblieben. Der Motorsportclub musste die Kosten für seine Veranstaltung tragen, aber die Einnahmen blieben aus – der Verein stand Ende 1967 vor der Pleite.

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„Wir haben uns langsam wieder aufrappeln müssen“, erzählt Dieter Ortmann, der seit 2. Januar 1962 Mitglied im Motorsportclub ist und gleich am ersten Tag Vorsitzender der Kommission für Finanzen im Verein wurde – und es 55 Jahre lang geblieben ist. Als es losging, hatte er noch nicht einmal ein Auto oder Motorrad. „Ich war damals Fußgänger.“

Aus dem Kommissionsvorsitzenden wurde im Januar 1991 der Schatzmeister, aus dem Motorsportclub im ADMV wurde der Automobil-Club Stendal im ADAC. Weil die Vorjahre angerechnet wurden, kann in diesem Jahr der 60. Geburtstag gefeiert werden – mit einer geschlossenen Veranstaltung direkt am Gründungstag.

Partnerschaft mit Wittinger Club

Heute zählt der Verein 72 Mitglieder. Zum Vergleich: 1985 waren es 140 Mitglieder. „Wir sind trotzdem ein Club von Gleichgesinnten geblieben“, sagt Peter Bollfraß. Der Automobilclub Stendal widmet sich noch immer den Themen Fahrzeuge und Straßenverkehr. Bei den monatlichen Mitgliederversammlungen gibt es Vorträge unter anderem zu Veränderungen im Bußgeldkatalog, zur Unfallstatistik im Landkreis Stendal, zur Wirkung von Medikamenten auf die Fahrtüchtigkeit, zur Beschaffenheit von Autoscheiben, zur Sicherheit für Fahrradfahrer und anderes mehr. Demnächst soll es eine Veranstaltung zum Bau der Autobahn 14 geben, kündigte Dietrich Gädke, seit 2017 Vorsitzender, an. Er selbst war noch ein Kind, als der Motorsportclub Stendal gegründet wurde. Darum wird er während seiner Rede beim Jubiläumsfest vor allem auf die vergangenen zehn Jahre zurückblicken. Und auf die Vorhaben für dieses Jahr schauen.

Unter anderem soll die Partnerschaft zum Automobil-Club Wittingen ausgebaut werden. Im vergangenen Jahr hatten sich Mitglieder beider Vereine anlässlich 30 Jahre Mauerfall am 3. Oktober im Freilichtmuseum Diesdorf getroffen. Für dieses Jahr sind die Wittinger nach Stendal eingeladen.

Stichwort Partnerschaft: Eine solche gab es vor Jahren auch zum Automobilclub in Stendals Partnerstadt Lemgo. Im März 1990 war eine Delegation nach Stendal gekommen, dem folgten regelmäßige gegenseitige Besuche. „2003 ist der Kontakt aber plötzlich von Seiten der Lemgoer abgebrochen“, berichtet Peter Bollfraß.

Erinnerungen an Touristische Suchfahrt

Die Erinnerungen daran werden während der Geburtstagsfeier, zu denen der Verein auch langjährige Partner eingeladen hat, sicher aufgefrischt. Ganz viele Geschichten kann Siegfried Stück, ebenfalls Ehrenmitglied, beisteuern. Denn der 78-jährige Stendaler ist von den heutigen Mitgliedern am längsten im Verein: seit 1961, also fast von Beginn an. Einige Erinnerungsstücke aus dieser Zeit hat er noch aufgehoben, darunter eine Plakette aus dem Jahr 1962. Die gab es für die Teilnahme an einer Touristischen Suchfahrt durch die Deutsche Demokratische Republik. „Von Nord nach Süd mussten festgelegte Städte angefahren werden. War man dort, gab es einen Stempel“, erinnert sich Siegfried Stück.

In den vergangenen sechs Jahrzehnten sind viele Fotos, kleine Filmchen und Zeitungsartikel zusammengekommen. Sie alle sind zusammen mit den Ehrentafeln der Ausgezeichneten, mit Urkunden und anderen Dokumenten in mehreren Ordnern von Dieter Ortmann und Peter Bollfraß aufbereitet worden. Ihr Buch zum 50. Vereinsgeburtstag hat die Grundlage für eine aktuelle Publikation zum diesjährigen Jubiläum gebildet, die pünktlich zum Fest druckfrisch vorliegt.