Stendal l „Niemand darf das Recht in die eigene Hand nehmen, man darf nicht drohen“, ermahnte der Richter am Amtsgericht am Ende eines Prozesses um Nötigung einen 39-Jährigen. Der Angeklagte hatte Glück, auch wenn er das offensichtlich selbst nicht unbedingt so sah. Sein Verfahren wurde ohne jegliche Auflagen eingestellt.

Laut Anklage soll er am 14. November vorigen Jahres an einer Tankstelle im Norden des Landkreises zu einer jungen Frau, die ihm Geld schuldete, gesagt haben: „Ich schick‘ Dir Leute vorbei; ich weiß, in welche Kita Dein Kind geht.“ Zunächst wollte er vor Gericht die ihm vorgeworfenen Drohungen nicht zugeben, am Ende räumte er aber auf Zureden von Richter und Staatsanwalt ein, dass ihm das aus Wut „im Wortgefecht so rausgerutscht“ sein könne.

Verbindlichkeiten nicht mehr bedient

Es gebe dazu aber eine Vorgeschichte, gab er an. Und die handelt von verschmähter Liebe. Demnach war er mit der jungen Frau mal liiert, hatte sich aber von ihr getrennt. Als sie sich wiedersahen, sei gerade seine Beziehung zu einer anderen Frau in die Brüche gegangen. Die alte Liebe flammte wieder auf. Sie versprach, sich um die Regelung seiner finanziellen Probleme mit der Ex-Freundin zu kümmern. Der Angeklagte überwies ihr dazu nach eigenen Angaben 5600 Euro. Davon sollte sie alles regeln. „Zunächst war alles chic und in Ordnung“, sagte der 39-Jährige.

Doch dann hätte sie Verbindlichkeiten plötzlich nicht mehr bedient. So hätte sie die Miete für seine Wohnung an den Vermieter nicht mehr vereinbarungsgemäß bezahlt. Zur Rede gestellt, hätte sie gesagt, „vom Geld ist nichts mehr über“ und außerdem auf eigene Geldprobleme verwiesen. Als sie ihm Belege vorweisen sollte, erkaltete wohl die Beziehung: „Sie ist mir aus dem Weg gegangen.“

Angebliche Schwangerschaft

Dann hätte sie ihn auch noch mit einer angeblichen Schwangerschaft unter Druck gesetzt. Sie hätte „mehr gewollt“, er hingegen nur Spaß. Er würde zu dem Kind stehen und zahlen, ließ er sie wissen. Doch das sei ihr nicht genug gewesen. Beim Treffen an der Tankstelle hätte sie ihm mit Kindesentzug gedroht, falls er sich von ihr trenne. Er aber hätte nach wie vor kein Interesse an einer dauerhaften Beziehung mit ihr gehabt, wollte nur sein Geld zurück. Ein Wort hätte das das andere gegeben. Zwischenzeitlich habe er ein Mahnverfahren gegen sie eingeleitet. Im Gegenzug sei er von ihrem Bruder bedroht worden.

Noch im Vorjahr habe er aber das ausstehende Geld, etwa 3500 Euro, zurückbekommen. Und sogar noch mehr. Bei diesem Stand bot das Gericht dem 39-Jährigen an, gegen eine Entschuldigung das Verfahren einzustellen. So geschah es denn auch. Er entschuldigte sich bei der jungen Frau, die die Entschuldigung akzeptierte.