Tangermünde l „Habe ich das vielleicht nur falsch verstanden? Muss mein Kind in Quarantäne oder nicht?“ Mit diesen Fragen beschäftigte sich in den vergangenen Tagen Katrin Müller (Name geändert) aus Tangermünde. Ihr Kind wird in der Johanniter-Kindertagesstätte „Kleine Ritter“ betreut. Am Donnerstag, 10. Dezember, musste sie es bis 12 Uhr aus der Einrichtung abgeholt haben. „Anderthalb Stunden hatte ich Zeit, für meine Arbeit eine Vertretung zu finden, die Sachen zu packen und in der Kita zu sein“, berichtet sie.

Mündlich sei ihr vor Ort von der Erzieherin mitgeteilt worden, dass ihr Kind in Quarantäne müsse. Mehr nicht. „Die Situation war sehr aufregend – für uns Eltern und auch für die Erzieherinnen“, schildert sie den Donnerstagmittag. „Wir haben uns verabschiedet bis zum nächsten Jahr.“

In den vergangenen Tagen dann seien ihr Zweifel gekommen, ob sie das richtig verstanden habe. Denn eine schriftliche Information habe sie bisher nicht bekommen. „Ich mache der Kita keinen Vorwurf. Sie musste das alles innerhalb kurzer Zeit organisierten. Doch die Information aus dem Gesundheitsamt ist etwas dünn. Es müsste doch in der Lage sein, in solchen Fällen einen Dreizeiler zu verfassen und der Kita zu schicken, damit diese das Schreiben an die Tür hängen kann“, sagt sie. Das ist nicht passiert.

Bisher keine schriftliche Information

Stattdessen organisierte die Alleinerziehende in den vergangenen Tagen ihr Leben so, als müsste ihr Kind in Quarantäne leben. Erst mit Hilfe der Volksstimme bekam sie am Sonntag  die zuständige Telefonnummer vom Landkreis heraus, rief dort an und bekam nach Nennung des Namens ihres Kindes die Bestätigung, dass ihr Kind in Quarantäne bleiben müsse. „Im Laufe der Woche werden Briefe rausgeschickt, hat man mir mitgeteilt“, berichtete sie nach dem Telefonat mit der Mitarbeiterin am Corona-Telefon. „Das alles finde ich sehr schlecht organisiert“, sagt Katrin Müller.

Dass mit der Schließung der Kita „Kleine Ritter“ nicht alle 200 Mädchen und Jungen, die dort betreut werden, sowie Erzieher unter Quarantäne stehen, das bestätigte  Peter Ruppert, Mitglied im Regionalvorstand Altmark der Johanniter,noch am Sonntag in einem Telefonat. Allerdings sei es die Entscheidung des Gesundheitsamtes Stendal gewesen,  die Kita zu räumen, sagte er, „eine reine Vorsichtsmaßnahme.“ Auch Ruppert hatte am Sonntag, also  drei Tage nach der amtlich verfügten Schließung  nichts Schriftliches vorliegen. Lediglich mündlich sei ihm mitgeteilt worden, dass die Einrichtung zu schließen sei. Er ergänzte: „Am Ende dient es dem Gesundheitsschutz aller.“ Und er verwies auf die Quarantäne-Regeln, die auf der Internetseite des Landkreises Stendal nachgelesen werden können.

Am Donnerstagnachmittag hätten noch etwa 100 Eltern und Kinder am Schnelltest in der Kita teilgenommen, die der Landkreis hier angeboten hatte. „Dabei wurden wir freundlicher Weise von der Stadt Tangermünde unterstützt“, berichtete Ruppert.

Schließung gilt bis 22. Dezember

Zunächst gelte die Schließungsanordnung bis zum 22. Dezember, sodass am 23. Dezember die „Kleinen Ritter“ wieder öffnen und nach den Feiertagen am 4. Januar ebenfalls den Betrieb wieder aufnehmen könnten. Ob das so kommen wird, kann auch Peter Ruppert aktuell nicht sagen. „Hinter jedem Kind stecken auch immer ein bis zwei Elternteile. Deshalb ist es uns wichtig, da zu sein, wenn es uns möglich ist“, betonte er. Doch die Entscheidungen der nächsten Wochen seien abhängig von Bundes- und Landesentscheidungen.

Vom Landkreis Stendal gab es am Sonntag dazu keine offizielle Auskunft.