Stendal l Im weißen Gewand erreicht ein junger "Bademeister" den Beckenrand des Altoa, über der Schulter ein Bewusstloser. Wieder festen Boden unter den Füßen kontrolliert Erik Göpel die Atmung des Geretteten, instruiert umstehende Badegäste, den Notdienst zu rufen und beginnt, den beinahe Ertrunkenen in die stabile Seitenlage zu legen. All das geschieht unter geschulten Augen der Prüfer, die Göpel und die anderen Auszubildenden während ihrer Abschlussprüfung bewerten. Der Gerettete: Eine Puppe.

Qualität gesichtert trotz anderer Bedingungen

Im großen Schwimmbecken der Altmark Oase beendeten 20 junge Männer und Frauen ihre Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe – Corona-bedingt später als normalerweise üblich. Montag- und Dienstagvormittag zeigten die Auszubildenden aus Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, was sie in den letzten drei Jahren gelernt haben. Schwimmen mit Kleidern, Menschen aus dem Wasser abschleppen und retten, Kopfsprung vom Drei-Meter-Turm und Streckentauchen waren unter anderem Disziplinen, in denen die Prüflinge Punkte sammeln mussten, um zu bestehen.

Die Voraussetzungen in diesem Jahr waren nicht unbedingt schlechter, aber anders. „Es sollte keine Ausbildung zweiter Klasse sein, deshalb mussten auch die Prüfungsbedingungen stimmen. Um den Kontakt zwischen Prüfern und Azubis so gering wie möglich zu halten, kamen in allen Übungen Puppen zum Einsatz. Das ist sogar fairer als die Übung mit Menschen, denn so kann keiner über schwereres Gewicht klagen“, erklärt Maurice Pitloun, Referent für den Bereich Sport im Landesverwaltungsamt.

Eigentlich hätte die praktische Prüfung bereits im Juli stattfinden sollen. Aufgrund der aktuellen Lage hat sich der Termin verschoben und andere Prüfungsformen, wie die der Animation, wurden alternativ mündlich abgelegt. Die Abschlussprüfung im Bad findet in der Regel entweder in Halle oder in Wittenberg, dem Standort der Berufsschule, statt. Beide Bäder sind noch geschlossen. Die Altmark Oase in Stendal hatte als eines der ersten Schwimmbäder wieder geöffnet und erfüllt dank Drei-Meter-Turm die Ansprüche an ein Prüfungsbad.

Keine „Bademeister“, sondern Fachangst

Nach bestandener Prüfung fangen die Auszubildenden in ihren Betrieben an. Die Aufgabenbereiche umfassen das, was im Volksmund der „Bademeister“ macht. Dass dieser Begriff bereits lange veraltet ist, erklärt Frank Neumann aus dem Prüfungsausschuss der Bundeswehr. Schwimmmeister sei die treffendere Bezeichnung, allerdings bestehen Ausbilder und Prüflinge auf den offiziellen Begriff der Fachangestellten für Bäderbetriebe.

An eben jenen Facharbeitern mangele es in den letzten Jahren massiv, gibt Maurice Pitloun zu bedenken. Viele hören schon nach wenigen Monaten wieder auf, wenn sie erfahren, dass nur sportlich zu sein für den Beruf nicht ausreicht. Auch Kenntnisse in Chemie und Physik sind gefragt, ebenso wie ein kompetenter Umgang mit Technik. Auch wegen der hohen Anforderungen liegt die Durchfallrate bei etwa 30 bis 60 Prozent. In diesem Jahr ist die Quote höher: Acht Azubis haben Theorie- und Praxisprüfung bestanden. Ab heute dürfen sie sich Fachangstelle für Bäderbetriebe nennen.