Stendal l Die Zeiten, da Unternehmen in der Altmark aus zehn oder noch mehr Bewerbern um eine Lehrstelle den oder die geeignetsten auswählen konnten, sind lange vergangen. Das Bild auf dem altmärkischen Ausbildungsmarkt ist heute ein völlig anderes. Die Stendaler Arbeitsagentur kann das mit aktuellen Zahlen belegen.

Im Ausbildungsjahr 2018/2019 haben sich bisher 786 Jugendliche bei der Stendaler Arbeitsagentur gemeldet. Das sind 86 Bewerber (in Prozent 9,9) weniger als im Vorjahr. Auf der anderen Seite haben altmärkische Unternehmen bislang 917 Ausbildungsstellen gemeldet. Zwar sind auch das weniger als vor einem Jahr – 48, um auch diese Entwicklung zu beziffern –, dennoch gibt es unter dem Strich mehr Ausbildungsangebote als sich junge Leute um einen Ausbildungsplatz bewerben. Zumindest trifft das auf die Jugendlichen zu, die auf ihrem Weg ins Berufsleben die Hilfe oder zumindest Anregungen der Arbeitsagentur in Anspruch nehmen.

Komfortable Situation, aber...

„Für Schülerinnen und Schüler rechnerisch eine komfortable Situation“, beschreibt Sabine Grüttner, Teamleiterin der Berufsberatung in der Agentur für Arbeit Stendal, den Zustand am Ausbildungsmarkt. Soweit die Theorie, die nichts daran ändert, dass es noch immer Berufsausbildungen gibt, die unter den jungen Leuten besonders gefragt sind.

Bestimmte Berufe würden förmlich überrannt, ist die Erfahrung von Teamleiterin Grüttner. Andere Lehrstellen und damit Ausbildungsbetriebe, die diese anbieten, gingen hingegen leer aus.

Sabine Grüttner nennt Beispiele: Bei den Jungen seien nach wie vor der Kfz-Mecha­troniker und bei den Mädchen die Kauffrau im Einzelhandel sehr oft angestrebtes Berufsziel. Hoch im Kurs stünden generell Ausbildungsplätze in der Industrie, während die Vorteile des Handwerks nicht immer auf den ersten Blick erkannt würden.

Hier gilt es, anzusetzen. Betriebspraktika wären eine Möglichkeit für junge Leute, sich in Berufe hineinzudenken. Manch einer hat nach so einem Praktikum ein völlig anderes Bild und seinen Berufswunsch dann auch schon mal korrigiert. Andererseits lernen Unternehmer auf diese Weise, die jungen Leute und ihre Ansprüche an den künftigen Beruf besser zu verstehen. „Sie spüren und erkennen, dass Jugendliche heute anders ticken als noch vor einigen Jahren“, sagt Grüttner und schildert, was ihrer Erfahrung nach junge Leute bewegt:

Gesucht: Firmen, die Perspektive bieten

„Sie wünschen sich einen Ausbildungsbetrieb, der Zukunftsperspektive bietet und sind auf langfristiges Bleiben eingestellt. Gerade deshalb wollen sie sich mit dem Unternehmen identifizieren.“ Zudem seien junge Leute offen für Verantwortung. „Warum nicht einmal der Experte sein und seinen Chef in Fragen ,Social Media‘ coachen?“

Gebraucht werden, Freude haben und am Erfolg der Firma mitwirken, sei manch einem wichtiger als die Höhe der Ausbildungsvergütung.

Und noch ein Tipp der Fachfrau: „Jugendliche orientieren sich vor allem an den Informationen durch Firmenmitarbeiter, platziert auf den von ihnen genutzten Kommunikationsplattformen. Sie schauen sich gern YouTube-Videos an, auf denen Azubis über ihre Firma sprechen.“ Gut beraten also, wer als Unternehmer auf der Suche nach Nachwuchs auch solche Kanäle nutzt.

Den Jugendlichen empfiehlt sie, Berufe in den Blick zu nehmen, die nicht an der Spitze der „Top 10“ stehen. Es gebe jede Menge Berufsbilder, die genau das mitbringen würden, was Jugendlichen vorschwebt. Hier helfe auch ein eingehendes Gespräch mit dem Berufsberater in der Arbeitsagentur oder vor Ort in der Schule.

Einen Beratungstermin können interessierte Jugendliche unter der kostenfreien Telefonnummer: 0800/45 55 50 vereinbaren.