Stendal l Von den im Standesamt der Hansestadt im Vorjahr registrierten 764 Neugeborenen haben 218 einen zweiten und 26 einen dritten Vornamen, ein Kind hat noch mehr.

Während bundesweit Emma und Ben die Hitlisten der Babynamen anführen, sind in Stendal 2019 Mia bei den Mädchen und Paul bei den Jungen an der Spitze, wohlgemerkt als erster Vorname. Es folgen Ella,Lina, Mila, Johanna, Charlotte, Merle, Hanna. Auch Anna, Clara, Emilia, Emma, Greta, Lara und Lotta sind bei den Mädels weiter in Mode.

Bei den Jungen sind Emil, Ben, Arne, Lio und Luis beliebte Vornamen, ebenso Aaron, Anton, Carl, Finn, Fritz, Linus, Louis, Malte Marlon Michel, Noah, Oskar und auch Theo.

Bei der Betrachtung der zweiten Vornamen wird deutlich, dass die Lieblingsnamen insgesamt gegenüber den Vorjahren gleich geblieben sind. Sophie oder Sophia und Marie führen bei den Mädchen, wie Alexander und nochmals Paul bei den Jungen. Oftmals wird ein Familienangehöriger verewigt, was Anneliese, Gundula, Hannelore, Herta, Rose, Auguste, Barbara oder Edith und Sonja sowie Franz, Albert, Emil Ernst, Friedrich, Herbert oder Otto, Werner und Willy unterstreichen.

Der Kleine ganz groß

Zurück zu den Spitzen-Vornamen und ihre Bedeutung: Mia, eine Kurzform von Maria – der Mutter von Jesus, steht symbolisch für „tiefe und reine Liebe“. Die Bedeutung des Namens ist nicht sicher geklärt. Im Hebräischen steht er für das „gewünschte Kind“, also ein Wunschkind. Mia war bis 1990 in Deutschland selten. Seit 2007 gehört der Vorname zu den Top 10 und war einige Jahre bundesweit die Nummer eins.

Paul erfreute sich schon seit langer Zeit bundesweit stetiger Beliebtheit – in den Namenslisten soll seit 1890 ein Paul in keinem Jahrgang fehlen. Einen Platz in der absoluten Spitzengruppe erreichte der Vorname erst nach 1980, dann kletterte Paul immer höher in der Hitliste, in Stendal im Vorjahr auf Rang eins. Nicht nur in Deutschland ist Paul beliebt, auch in England. Der Vorname basiert auf dem altrömischen cognomen Paulus. Aus dem Lateinischen hergeleitet bedeutet Paul „der Kleine“.

Wie sieht es mit weiteren Lieblings-Vornamen aus? Ella bedeutet übersetzt „die Sonnenhafte“, „die Strahlende“ und auch „die Schöne“. Der Name gilt als Kurzform von Helena und hat daher eine griechische Herkunft. Lina ist international, im Afrika bedeutet der Vorname „die Zarte“, im arabischen Sprachraum so viel wie „kleiner Dattelbaum“, „Knospe einer Dattelpflanze“ oder „Palme“. Im Indianischen bedeutet Lina – „Mustang“.

Mila ist in Deutschland Ende der 1990er Jahre im wahrsten Sinne des Wortes gestartet und gehört seit 2014 zu den Vornamen mit dem größten Aufwärtstrend. Der Name stammt ursprünglich aus dem slawischen Sprachgebiet und ist eine Kurzform von diversen Namen wie Ludmila, Milena, Emilie oder Miloslava. Mila bedeutet „lieb“ oder „angenehm“.

Zu den weiteren Rennern bei den Jungen: Der Name Emil stammt vom lateinischen Nachnamen „Aemilius“ ab. Dort steht Emil auch für „der Eifrige“.

Durch Erich Kästners Jugendbuch „Emil und die Detektive“ gewann der Name in Deutschland einst an Popularität. Die Beliebtheit von Emil hat nach 2000 deutlich zugenommen.

Ben ist ein sogenannter Überflieger. Seit 2011 gehört er zu den beliebtesten Jungennamen überhaupt. Er ist eine englische Kurzform von Benjamin, stammt aus dem Hebräischen und bedeutet „Sohn der rechten (glücklichen) Hand“ oder kurz „Glückskind“.

Nordischer Name in Mode

Arne ist früher eher in Schleswig-Holstein verbreitet gewesen, mittlerweile ist der nordische Name wieder in Mode. Er ist germanischen Ursprungs und bedeutet „der Adler“. Und noch ein Tier: Lio ist nämlich die Kurzform von Lion und bedeutet „Löwe“. Aus dem Englischen wir die Bedeutung auch mit „my might“, also „meine Kraft“, „meine Macht“, „mein Wille“ übersetzt. Dieser Name tritt regelmäßig auf, in Stendal im Vorjahr immerhin fünf Mal. Ebenso oft wie Luis – eine spanische Version des althochdeutschen Namens Ludwig, der übersetzt bedeutet: „der berühmte Krieger“ beziehungsweise „Kämpfer“.

Berühmtes Vorbild

Stichwort berühmt: Oftmals geben Eltern ihren Neugeborenen Vornamen nach berühmten Vorbildern. Mit Blick auf die Liste der Mädchen fällt Greta ins Auge. Ein traditioneller Vorname, der eine Kurzform von Margareta ist und „Perle“ bedeutet. So wie in Stendal ist Greta auch bundesweit nicht der häufigste, aber wohl der interessanteste Vorname des Jahres 2019. Er wird zwangsläufig in Verbindung mit der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg gebracht. Inwieweit sich die Gretas von heute einmal verpflichtet fühlen, dem Namensvorbild nachzueifern, bleibt abzuwarten.

Eine hohe Bekanntheit hat sei eh und je Karl, ob Karl der Große oder die viele Herzöge, Könige und Herrscher. Der Vorname deutschen Ursprungs bedeutet „der Freie“ oder auch „Mann, Ehemann“. Dieser glorreichen Vorname wird seit Jahren gern vergeben und vielfach als Doppelname verwendet, ob als Karl oder Carl, wobei in Stendal diesmal die Schreibweise mit C vor der mit K liegt.