Gegner rüsten sich für NPD-Demonstration am Sonnabend / Sperrungen bislang nicht geplant

Bahnhofsvorstadt vor der Belagerung

Von Frank Eckert und Thomas Pusch 28.09.2012, 01:15

Die Demonstration der NPD am Sonnabend in Stendal zieht mehrere Protestaktionen an. Antifa-Gruppen wollen sich den Neonazis in den Weg stellen.

Stendal l Wenn sich die rechtradikalen Gruppierungen um 12 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz unter Motto "Wir wollen leben - Härtere Strafen für Sexualstraftäter" versammeln, rechnen der NPD-Kreisverband Altmark und die Freien Kräfte Altmark mit 300 Teilnehmern. Unterdessen wollen mehrere Gruppen aus der Antifa-Szene mehrere hundert Sympathisanten mobilisieren. Ihr Ziel ist es, den Aufmarsch zu stoppen.

In einem Aufruf der Autonomen Antifa Sachsen-Anhalt wird an die letzte Neonazi-Demo am 12. März 2010 in Stendal erinnert: "Damals musste der Aufmarsch nach wenigen Metern beendet werden, da die Nazis durch Blockaden und direkte Aktionen am Marschieren gehindert wurden und die Polizei sich nicht der Lage sah, die Blockaden zu räumen." Weiter heißt es: "Knüpfen wir an diesen Erfolg an und gehen offensiv und entschlossen gegen den Naziaufmarsch in Stendal vor."

Die Polizei ist in Alarmbereitschaft. Über ihre genaue Einsatztaktik und Stärke gibt die Polizeidirektion Nord keine Auskunft. Straßensperrungen in der Innenstadt seien indes nicht geplant. Einwohner und Passanten werden aber, sagte eine Sprecherin der Polizeidirektion, in der Nähe der Kundgebungsorte "durchaus mit Behinderungen rechnen müssen".

Zugleich zeichnet sich die Strategie ab, beide Gruppen so weit wie möglich voneinander zu trennen. So hat die Polizei die zunächst geplante Antifa-Kundgebung in der Röxer Straße/Ecke Goethestraße in direkter Nähe der NPD-Marschroute untersagt. Als Ersatzort der Veranstaltung ist die Beethovenstraße/Ecke Goethestraße vereinbart worden. Eine zunächst ebenfalls geplante Aktion an der Ecke Frommhagenstraße/Bahnhofstraße sei von den Veranstaltern zurückgezogen worden, hieß es von der Polizeidirektion Nord. Das sehen die Organisatoren anders. Auf diversen Internetseiten sprechen sie von einem Verbot des Protestes.

Nach wie vor rufen der Bündnisse "Magdeburg nazifrei" und "Stendal nazifrei" um 10 Uhr zu einer ersten Kundgebung auf dem Wernerplatz auf. Dazu werden Teilnehmer aus dem gesamten Norden Sachsen-Anhalts und auch aus Hamburg erwartet, so kündigen es verschiedene Antifa-Gruppen an.

Bei ihren Kundgebungen planen die Gegner der NPD-Demonstration unter dem Motto "Stendal nazifrei - Gegen Menschenhetze und Nazipropaganda" Reden sowie Musik. Die genaue Blockade-Taktik bleibt in den Aufrufen außen vor. So heißt es: "Ob der 29. September ein erfolgreicher Tag für alle Antifaschisten wird, liegt daran, was ihr daraus macht."

Friedensgebet beginnt vor Sonder-Stadtrat um 15.30 Uhr

Fernab dieses Geschehens plant der Stendaler Stadtrat unter dem Motto "Zeichen gegen Rechts" seinen Protest gegen den Neonazi-Aufmarsch. Stadtrats-Vorsitzender Klaus-Jürgen Mörs hat die Bevölkerung zu einer öffentlichen Sitzung auf dem Marktplatz um 16 Uhr aufgerufen. Hierzu werden auch Vertreter der Landespolitik wie Innen-Staatssekretär Ulf Gundlach (CDU), der stellvertretende SPD-Landtagsfraktionschef Rüdiger Erben und die stellvertretende FDP-Landeschefin Lydia Hüskens erwartet. Theater-Intendant Alexander Netschajew liest Texte von Erich Fried und zitiert Hanns Dieter Hüschs "Das Phänomen". Zuvor beginnt um 15.30 Uhr in der St. Marien-Kirche ein Friedensgebet, das von Regionalbischof Christoph Hackbeil gestaltet wird.

Der Prorektor der Fachhochschule Stendal-Magdeburg, Prof. Wolfgang Patzig, hat die Studentenschaft zur "zahlreichen Teilnahme" aufgerufen, um "ein deutliches Zeichen" zu setzen. Die Studierenden treffen sich um 15.15 Uhr am Hochschulgebäude in der Breiten Straße, wo Plakate für die Kundgebung auf dem Marktplatz ausgegeben werden.