Barrierefreiheit in Stendal

Alleine in diesem Jahr wurden oder werden bei verschiedenen Bauprojekten Hindernisse für Behinderte beseitigt. Ein Auszug:

Die Kreissparkasse wurde im Februar erneut von der Kreisseniorenvertretung ausgezeichnet - für seniorenfreundlichen Service, den unter anderem eine bei der Preisverleihung neu eröffnete Rampe in der Arneburger Straße ermöglichte.

Barrierefreiheit gehört auch zu den Zielen der Sanierung, die gerade in der Rathenower Straße stattfindet. Hier soll der Weg besser an Seh- und Gehbehinderte angepasst werden.

Im Zuge des Großbauprojektes am Stendaler Hauptbahnhof sind die Erhöhung der Bahnsteige zum stufenlosen Einstieg in die Züge, neue Aufzüge an den Gleisen und ein Blindenleitsystem geplant.

Stendal l Schon rund um den Treffpunkt im Stadtteilbüro wird deutlich, warum von vielen Seiten immer wieder eine Verbesserung der Barrierefreiheit in Stendal gefordert wird. Unebene oder rissige Wege erschweren Geh- und Sehbehinderten das Vorankommen, ähnliche oder ganz andere Probleme bestehen in der ganzen Stadt. Denen will sich in Zukunft eine neue Interessengemeinschaft annehmen, die schon bei ihrem Gründungstreffen am Dienstag erste Themen für ihre nächste Sitzung fand.

Fehlersuche bei einer Stadtwanderung

Bereits im April wurden bei einer Tour im Umfeld des Stadtteilbüros verschiedenen Mängel registriert – auch im Hinblick auf eine geplante Sanierung der Adolph-Menzel-Straße. Ergebnis: Verrostete Geländer, steile Treppen, fehlende Orientierungshilfen und Stolperfallen. Dazu kamen Probleme, die auch Menschen ohne körperliche Einschränkungen betreffen, wie zugewachsene Lampen oder Ratten in den Büschen.

Die Aktion erntete damals positive Reaktionen, schildert Carola Genz von Kinderstärken bei der Gründungssitzung. „Da wäre es schade gewesen, das Thema einfach ruhen zu lassen“, erklärte sie weiter, was mit zur Gründung der neuen Interessengruppe beitrug.

Bilder

Vorbild und Hilfestellungen gab es in Tangermünde, wo der „Stammtisch Barrierefreiheit“ – er ebenfalls bei dem Treffen anwesend – sich schon länger mit dem Thema befasst. Außerdem an der Sitzung beteiligt waren Vertreter des Projektes „Inklusive Bildung“, das darauf abzielt, Leute im Umgang mit Behinderten zu sensibilisieren.

Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen werden damit zu „Experten in ihren eigenen Angelegenheiten ausgebildet“, fasst Wiebke Bretschneider, Projektkoordinatorin an der Hochschule Magdeburg-Stendal, zusammen. Sie werden zu Ansprechpartnern, die bei der Umsetzung ihrer Ansprüche und Wünsche eingebunden sind.

Missstände entfernen und gute Ansätze we

Eine dieser „Auszubildenden“ ist Nicole Schmidt. Die Rollstuhlnutzerin sprach während der Vorstellungsrunde gleich einen ersten Schwerpunkt an, um den sich die Gruppe kümmern könnte: das Busfahren.

So müsse sie häufig Fahrer überreden, in den Bus gelassen zu werden. „Manche sagen zum Beispiel, ich müsste eine Begleitperson dabei haben.“ Das sei aber leichter gesagt, als getan. „Wo soll ich die denn morgens hernehmen? Da müssen viele doch arbeiten.“

Diese Erfahrungen konnten von einigen Besuchern bestätigt werden. Andere hofften darauf, dass sich positive Entwicklungen einfach weiterverbreiten – etwa die blindenfreundlichen Busfahrpläne beim Krankenhaus.

Was die Zukunft der Interessengemeinschaft angeht, sieht Claudia Bolde ihn zunächst in einer Orientierungsphase: „Die Gruppe muss sich erstmal finden“, erklärt sie. Bei der nächsten Zusammenkunft soll zusammengetragen werden, wo sich Barrieren auftun. Später sollen dann Ansprechpartner eingeladen werden, um ihnen diese Probleme zu schildern und vielleicht sogar erste Lösungsansätze zu finden.

Das nächste Treffen der Interessengemeinschaft für Barrierefreiheit ist für Mittwoch, 18. September, um 14.30 Uhr geplant. Treffpunkt ist das Stadtteilbüro in der Adolph-Menzel-Straße 18. Zunächst ist der Termin aber noch provisorisch und kann sich bis dahin ändern.

Anmeldungen sind nicht nötig, jeder kann sich einbringen. Für weitere Informationen stehen Carolin Genz und Claudia Bolde, jeweils unter den Telefonnummern 03931/ 21 87 48 72 und 03931/60 71 96 zur Verfügung. Absprachen für Fahrgemeinschaften oder andere Transportfragen können vor Ort geklärt werden.