Stendal l Mit einem neuen Gebäude für den Tiergarten-Kiosk wird es nach jetzigem Stand auch in diesem Jahr nichts. Maximal die Planung dafür könnte zum Jahresende erfolgen, stellte Georg-Wilhelm Westrum, Leiter des Amtes für Stadtumbau und Sanierung, am Dienstag im Kultur-, Schul- und Sportausschuss vorsichtig optimistisch in Aussicht.

„Es ist nicht so, dass wir uns die Maßnahme nicht wünschen würden, aber es ist eine Frage des Könnens“, so Westrum. Aus personellen Gründen könne sein Amt den seit Jahren geforderten, vom Stadtrat beschlossenen und mit 190 000 Euro im Haushalt finanziell abgesicherten Kiosk-Bau derzeit nicht umsetzen. „Die personellen Ressourcen im Hochbauamt sind beschränkt“, erklärte der Amtsleiter. Eine Mitarbeiterin sei seit März des vergangenen Jahres krank, das sei deutlich zu spüren. Und dann gibt es einige große Bauvorhaben, die in der Prioritätenliste weiter oben stehen.

Der Grundschul-Neubau an der Haferbreite soll beginnen, der Bauantrag sei gestellt und der Förderantrag eingereicht, erklärte Westrum: „Ziel ist es, Mitte des Jahres mit der Baumaßnahme zu beginnen.“ Es laufen der Kita-Neubau in Uenglingen, die energetische Sanierung des Theaters, die allein einen Mitarbeiter des Bauamtes fast das gesamte Jahr über binde. Es laufen Dacharbeiten an der Musik- und Kunstschule, der Neubau der Sportanlagen am Stadtsee, der Neubau der Komarow-Sporthalle wird geplant, die energetische Sanierung von Kita und Grundschule in Börgitz ist im Gange, die Fassade des Rathausinnenhofes inklusive neuer Fenster stehen an. „Und es läuft noch einiges mehr“, sagte Georg-Wilhelm Westrum, um das zu bewältigende Pensum für seine Mannschaft darzustellen.

„Wenn wir personell Luft haben, würden wir uns gern um das Kiosk-Vorhaben kümmern“, sagte der Amtsleiter. Er wiederholte die Versicherung, dass das eingeplante Geld nicht verlorengeht, sondern im Haushalt von Jahr zu Jahr weitergeschoben werde.

Ein Vorgehen, in dem der Ausschussvorsitzende Rico Goroncy (Linke) auch Pro­bleme sieht. Denn wie die Erfahrungen der vergangenen Jahre gezeigt haben, werden verschobene Bauvorhaben immer teurer, weil die Preise in der Baubranche konjunkturbedingt steigen. Seine Sorge: Die eingeplanten 190 000 Euro, die in diesem Jahr für den Kiosk-Neubau reichen würden, würden es in ein, zwei Jahren vielleicht nicht mehr. Er wünsche sich, dass sich in der Prioritätenliste „eine Lücke für den Kiosk-Bau auftun würde“. „Vielleicht kann ein anderes Vorhaben verschoben werden“, so Goroncy.

Unbefriedigend ist die Situation auch für Herbert Wollmann, Vorsitzender der Fraktion SPD/FDP/Ortsteile: Wie erkläre man dem Bürger, dass das Problem seit 2016 bekannt und noch nichts passiert ist, aber später begonnene Projekte gerade laufen oder schon fertig sind? „Das fällt auf uns alle zurück“, befürchtet der Sozialdemokrat.

„Glauben Sie mir, dass mir das auch nicht schmeckt“, reagierte Westrum, aber anderes sei in der Priorität höher eingestuft. Wäre die eine Mitarbeiterin nicht über einen so langen Zeitraum krank, „hätte es 2019 schon losgehen können“. Allerdings sei an dem Verzug und der verstrichenen Zeit seit 2016 nicht allein die Verwaltung schuld, so der Amtsleiter: „Im Stadtrat wurde zwei Jahre über das Thema diskutiert.“