Havelberg/Luzon l Knapp 10.500 Kilometer entfernt von seiner Heimatstadt Havelberg befindet sich derzeit Volksstimme-Mitarbeiter Dieter Haase. Auf den Philippinen hat er ein privates Spendenprojekt, bei dem ihn etliche Zeitungsleser mit Spenden unterstützen. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte er seine Heimreise nicht antreten. Langsam gehen ihm wichtige Medikamente aus.

Lockdown, auf Deutsch: Zentralverriegelung, nennt sich die Maßnahme der philippinischen Regierung zur Eindämmung von Covid 19. Das ist vergleichbar mit einem Ausnahmezustand. Straßensperrungen beherrschen das Bild der Hauptstadt Manila, überall haben Polizei und Militär Checkpoints eingerichtet, an denen jeder Fahrzeuginsasse sich einem Corona-Test unterziehen lassen muss. Das jedenfalls zeigen die Fernsehbilder, die ich hier in Alcala sehen kann.

Die Maßnahme geht auch nicht ganz spurlos an der Region um Legazpi und Daraga, wozu das Dorf Alcala gehört, vorüber. Seit ein paar Tagen gilt eine Ausgangssperre von 18 bis 5 Uhr, öffentliche Verkehrsmittel wie Bus und Taxi verkehren schon lange nicht mehr, Inlandsflüge schon gar nicht. Supermärkte und Geschäfte haben verkürzte Öffnungszeiten oder gar nicht mehr geöffnet.

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Ohne Mundschutz wird man abgewiesen

Heute wurde ich vom Sicherheitsdienst des Supermarktes in Daraga abgewiesen, weil ich keinen Mundschutz trage. Das ist ab heute Pflicht. Aber nirgendwo mehr gibt es einen Mundschutz zu kaufen. Der Einkauf für die Familie Seva ist somit nicht möglich gewesen. Auch ist es äußerst schwierig geworden, aus Alcala überhaupt noch in die Stadt und von dort zurück zu kommen. Denn es fahren fast keine Trycicles mehr auf der Strecke. Ich musste in Daraga eine gute Stunde warten, um von dort wieder „nach Hause“ zu kommen.

Ein Problem, das mir Sorgen bereitet, sind die Medikamente, die ich täglich einnehmen muss. Der Reisevorrat daran geht heute zu Ende. Und es ist äußerst schwierig, hier überhaupt einen Arzt anzutreffen, der mir ein Rezept ausschreibt. Seit vier Tagen war mein Bemühen diesbezüglich umsonst. Meine Hausärztin hat mir auf meine Bitte hin nun eine international gültige Medikation per E-Mail geschickt. Ich hoffe mal, dass diese mir behilflich ist. Ich weiß sonst nicht, was ich hier ohne Medikamente machen soll. Und das möglicherweise über mehrere Wochen.

Der Großraum um Legazpi/Daraga ist übrigens weiterhin noch nicht vom Coronavirus betroffen. Gut für mich. Das gilt für die ganze große Bicol-Region, die etwa halb so groß ist wie Sachsen-Anhalt. Auf den Philippinen gibt es aktuell 217 Infizierte und 17 Tote. Das Geschehen spielt sich hauptsächlich in der Hauptstadt Manila ab, von wo aus ich etwa eine Flugstunde entfernt in einem kleinen Dorf bei einer Familie bin.

Es gibt gerade die Nachricht, dass der Regionalflughafen in Legazpi in zwei Wochen wieder öffnen soll. Das ist für mich insofern erfreulich, falls alle anderen Versuche hier auszureisen, nicht klappen.

Seit Tagen versuche ich mich in verschiedene Listen für Rückholaktionen vom Auswärtigen Amt, von Condor und anderen, einzutragen. Es gibt auch Hilfe aus Deutschland. Aber es gelingt nicht, die Registrierung vorzunehmen.

Taxifahrer verweigern die Fahrt nach Manila

Auch die Deutsche Botschaft hier auf den Philippinen konnte ich noch nicht erreichen. Ich habe aber gehört, dass deutsche Urlauber bereits ausgeflogen worden sein sollen. Ich nehme an, dass es sich um Touristen gehandelt hat, die mit Reiseveranstaltern hier auf de Philippinen waren. Ich muss es weiter beim Auswärtigen Amt versuchen. Schade ist, dass kein Weg nach Manila führt. Es herrscht Ausnahmezustand hier, es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr und ab 18 Uhr gilt eine Ausgangssperre. Auch private Taxifahrer weigern sich, dorthin zu fahren. Von den Fughäfen in Manila hätte ich noch die Chance, irgendwie nach Europa zu kommen.

Außerdem ist das Internet in der Region das schlechteste, was ich jemals kennengelernt habe. Selbst im Busch in Ghana war es besser.