Stendal l Die erneuten Corona-Beschränkungen treffen die Gastronomen in Stendal hart. Doch komplett schließen? Das kommt für viele nicht infrage. „Ganz zumachen, das ist nichts“, sagt Iris Jeberien von der Gaststätte Klöppel. „Es ist wie beim letzten Mal. Unsere Gäste haben sich daran gewöhnt und holen ihr Essen zum Mitnehmen.“ Das Angebot würde rege angenommen, so die Gastwirtin.

So entspannt wie Jeberien sehen das nicht alle Gastronomen der Stadt. „Alles kann geöffnet haben, nur wir nicht. Ich kann versichern, dass sich bei mir niemand angesteckt hat. Ich habe Plexiglasscheiben gekauft, die Abstände eingehalten und nur die Hälfte der Plätze belegt“, ärgert sich Antonio Sticca, Inhaber des Restarants Italia in der Stendaler Fußgängerzone. Er hat sich erneut auf Außerhausverkauf und Lieferservice eingestellt. Sogar einen Pavillon für seinen wartenden Kunden hat der Gastronom gekauft. „Damit sie nicht im Regen stehen müssen.“

Um Kunden anzulocken, hat er seine Speisekarte erweitert – Sticca bietet seit gestern täglich ein neues Menü an. Dennoch schaut er pessimistisch in die Zukunft. „Ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll. Ich habe 17 Angestellte, ich muss nun die Anträge schreiben, um sie in Kurzarbeit zu schicken, aber ob das alles klappt, weiß ich noch nicht“, sagte er niedergeschlagen.

Verkauf außer Haus deckt Ausgaben nicht

Seine laufenden Kosten zu decken sei schwer; der Verkauf außer Haus helfe da nicht wirklich, sagt Sticca. „Ich muss Verpackungen für das Essen kaufen. Ich habe Holzbesteckt angeschafft, weil Plastik verboten ist, aber das ist eben viel teurer. Es stimmt nicht, dass wir durch den Außerhausverkauf Sparen, im Gegenteil.“

Auch im Coffee Inn vom Hotel Anna am Stendaler Markt ist die Stimmung gedämpft. „Eigentlich hätten wir diese Woche unseren Neubau eröffnen sollen“, sagt André Weihrauch. Nun heißt es auch dort wieder: Essen zum Mitnehmen. Seit den neuen Maßnahmen auch am Sonnabend. Das Angebot würde sehr gut angenommen, sagt Weihrauch. „Es ist schön zu sehen, dass sich die Essgewohnheiten in der Stadt verändert haben. Es muss nicht immer Bratwurst oder Hamburger sein.“

Doch auch wenn der Außerhausverkauf gut läuft, die Schließung hat einen bitteren Beigeschmack. „Für den geplanten Betrieb des Neubaus wurde Personal angestellt. Die müssen jetzt, obwohl die Arbeit nicht einmal begonnen hat, in Kurzarbeit“, bedauert Weihrauch.

Stendal streicht Wochenmarkt

Dass sich der Außerhausverkauf nicht zwangsläufig rechnet, wird auch dadurch deutlich, dass nicht alle Stendaler Gastronomen diese Möglichkeit nutzen. Das Atrium etwa weist mit einem Schild darauf hin, dass sie kein Essen zum Mitnehmen anbieten.

Während viele Gastronomen noch versuchen, das Beste aus der Situation zu machen, haben die Standbetreiber des Stendaler Wochenmarktes keine Wahl. Am Freitag beschloss die Stadt Stendal, dass der Markt im November nicht stattfindet. Die Entscheidung sei nach Rücksprache mit den Standbetreibern gefallen. Eine Standgebühr erhebt die Stadt im November nicht.

„Der Grund sind die verschärften Kontaktbeschränkungen, die das Land Sachsen-Anhalt beschlossen hat“, teilt Stadtsprecher Armin Fischbach mit. Es hätte gewährleistet werden müssen, dass sich auf dem Marktplatz nur eine Person pro zehn Quadratmetern aufhält. Dies wiederum hätte Zugangsbeschränkungen und Einlasskontrollen vorausgesetzt. Davon abgesehen, dass für die Stadt in diesem Falle Zusatzkosten im vierstelligen Bereich angefallen wären, hätte auch die Attraktivität des Marktes unter den Einschränkungen gelitten, heißt es in der Begründung der Absage.