Stendal l Im Landkreis Stendal sind in der Nacht von Montag auf Dienstag 14 weitere Menschen in Folge einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Die Zahl Corona-Toten stieg damit seit März auf 64 (Stand Dienstagnachmittag). Dies gab Amtsärztin Dr. Iris Schubert gestern während einer Pressekonferenz im Stendaler Landratsamt bekannt. Dazu eingeladen hatte Landrat Patrick Puhlmann (SPD), um über die Pandemie-Lage zu informieren.

Seit dem 20. Dezember hat sich die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 mehr als verdoppelt. „Ein Drittel der Verstorbenen ist älter als 80 Jahre. Die meisten von ihnen haben Vorerkrankungen. Wenn sie sich infizieren, ist das Risiko sehr hoch, dass sie es nicht schaffen“, gab Schubert Auskunft. Von den acht Verstorbenen seien acht jünger als 60 Jahre gewesen. Aus Rücksicht auf die Angehörigen würde der Landkreis darauf verzichten, medizinische Details zu den Corona-Toten zu veröffentlichen, sagte Patrick Puhlmann.

Krankenhaus ist Hotspot

Was die Amstärztin über das aktuelle Infektionsgeschehen bekannt gab, macht indes wenig Hoffnung auf eine rasche Verbesserung. Täglich bekomme das Gesundheitsamt 50 bis 100 Positivmeldungen. Das Virus grassiere vor allem in Pflegeheimen. Sowohl Bewohner als auch Pfleger würden sich in großer Zahl infizieren. Mittlerweile seien 19 von 26 Einrichtungen im Landkreis betroffen, so Schubert.

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Sie bestätigte in diesem Zusammenhang, was schon längst die Runde gemacht hatte: Auch das Johanniter-Krankenhaus sei massiv von der Pandemie betroffen. Wie viele Ärzte, Pfleger und Patienten sich dort angesteckt haben, konnte sie nicht beantworten. Sie kam aber nicht umhin festzustellen: „Das Krankenhaus wird als Hotspot gemeldet.“

Appell an jeden einzelnen

Um angesichts der hohen Zahl der Neuinfektionen nicht komplett den Überblick zu verlieren, wird das Gesundheitsamt nach dem Jahreswechsel personell erneut verstärkt. 80 bis 100 Mitarbeiter werden sich dann um die Nachverfolgung der Kontakte kümmern und die Quarantäne-Nachweise ausstellen. Die Amtsärztin gab zu, dass man sich im Falle der Quarantäne-Scheine im Verzug befinde. Nach Volksstimme-Informationen wurden außerdem Infizierte gebeten, sich selbst darum zu kümmern, Kontaktpersonen zu informieren. Auch lange Wartezeiten an der Corona-Hotline seien mit der hohen Belastung des Personals zu erklären.

Sollten die Zahlen in den kommenden Wochen nicht sinken, hält sich der Landrat außerdem eine Verschärfung der Restriktionen vor. „Ich scheue mich im Zweifelsfall nicht vor unpopulären Maßnahmen“, sagte Puhlmann angesprochen auf mögliche Ausgangssperren. Erst am Montag habe er mit der Amtsärztin darüber diskutiert. Dieses Mittel sei im Moment jedoch kein Thema. Am Ende hänge eine entsprechende Entscheidung allein vom Infektionsgeschehen ab.

Um die Ausbreitung des Coronavirus in den Griff zu kriegen, baten Puhlmann und Schubert inständig darum, die Hygienevorschriften einzuhalten. „Am Ende kommt es auf die Eigenverantwortung an“, sagte die Amtsärztin.