Stendal l Sein an Demenz erkrankte Schwiegervater hat Corona. Er kommt mit Fieber ins Johanniter-Krankenhaus Stendal und soll noch vor Heiligabend wieder entlassen werden – obwohl er noch ansteckend ist. So die Ausgangssituation, die Uwe Beier aus Bindfelde der Volksstimme-Redaktion am 23. Dezember am Telefon schildert. Wird sein Schwiegervater entlassen, können er und seine Frau sich nicht von ihm distanzieren. Der 81-Jährige benötige häusliche Pflege. Doch Uwe Beier steht mit dem Sozialdienst der Klinik in Kontakt. Der Familien-Opa bleibt über die Feiertage dort.

Krankenhaus-Direktor Michael Schmidt erklärt auf Nachfrage, wie das Krankenhaus derzeit arbeitet und warum Patienten, die den Coronavirus noch in sich tragen, entlassen werden. „Ein Krankenhaus ist für die akutstationäre Behandlung zuständig“, sagt Michael Schmidt. Heißt: Kliniken behalten Menschen so lange im Haus, wie es nötig und sinnvoll ist.

Nicht jeder Patient, der Covid-19 hat, müsse automatisch ins Krankenhaus, so der Krankenhaus-Direktor. Sein ärztlicher Direktor, Jörg Fahlke, erklärt es an einem Beispiel: Im Verlauf einer Corona-Erkrankung kann es zu einer Lungenentzündung kommen. „Hat sich die Lungenentzündung gebessert, wird die Frage gestellt, ob die Person noch im Krankenhaus bleiben muss“, sagt Jörg Falke. Der Platz werde bei der hohen Inzidenz-Zahl im Landkreis Stendal benötigt.

Notfälle werden weiter versorgt

Bei einem Patienten mit Demenz, wie bei Uwe Beiers Schwiegervater, gestalte sich eine Entlassung schwieriger, weiß auch Michael Schmidt. Dafür besitzt das Johanniter-Krankenhaus das Angebot des Sozialdienstes. Denn Patienten sollen in einer „zumutbaren Art und Weise“ entlassen werden. In bestimmten Fällen, wie bei Familie Beier, kann der Patient somit länger im Krankenhaus bleiben. Michael Schmidt möchte aber eines klarstellen: „Es ist nicht Aufgabe der Krankenhäuser, alle Covid-Patienten zu isolieren.“

Evelyn Höhne aus Stendal ist eine weitere Leserin, die sich Sorgen macht. Sie sei Schlaganfall-Patientin und befürchtet, dass für sie im Notfall kein Platz im Krankenhaus frei wäre, weil die entsprechende Station geschlossen ist. Michael Schmidt kann da Entwarnung geben: „Unsere Notaufnahme ist aufnahmebereit.“ Notfälle werden weiter behandelt.

Welche Stationen geschlossen werden

Geschlossen werden nur Stationen, die nicht gebraucht werden. Dadurch stehe der Klinik mehr Personal für die Behandlung von Corona-Patienten zur Verfügung. Neben Notfall-Patienten gibt es in Krankenhäusern auch sogenannte planbare Patienten. Also diejenigen, die beispielsweise eine neue Hüfte erhalten sollen. Coronabedingt werden solche planbaren Operationen aktuell nicht durchgeführt. Die orthopädische Station sei deshalb derzeit geschlossen. Das frei gewordene Personal wird dem Krankenhaus-Direktor zufolge entweder nach Hause geschickt, um freie Tage abzubauen, oder um auf anderen Stationen auszuhelfen. So standen auch über die Feiertage mehr Mitarbeiter zur Verfügung, um die Corona-Stationen zu besetzen.

Bis zu drei Infektions-Stationen kann das Johanniter-Krankenhaus derzeit öffnen. Eine Station umfasst etwa 25 bis 30 Betten, je nachdem, ob Personen isoliert werden müssen. Stand 28. Dezember sind zwei Infektions-Stationen geöffnet. Die dritte wird bei Bedarf betrieben.

Mitarbeiter werden wöchentlich getestet

Bevor Patienten auf eine Infektions-Station kommen und wenn sie das Krankenhaus verlassen, werden sie nochmal auf Covid-19 getestet. Auch für Mitarbeiter werden wöchentliche Tests durchgeführt, so Michael Schmidt. Doch das Krankenhaus könne noch so viel testen, wenn sich die Menschen nicht an die Corona-Regeln halten. Michael Schmidt wohnt in Berlin und ärgert sich, wenn er aus seinem Fenster schaut. Menschen sitzen dicht an dicht aneinander, rauchen und scherzen darüber, sich einen Test zu besorgen.

Den nötigen Abstand werden Uwe Beier und sein Schwiegervater vorerst einhalten. Der 81-Jährige bleibt noch mindestens bis Ende der Woche in der Klinik, so der Schwiegersohn.

Kommentar von Mike Kahnert zur
Corona-Arbeit in Krankenhäusern:
Krankenhäuser tun alles in ihrer Macht, um handlungsfähig zu bleiben. Damit Notfälle, die nichts mit Corona zu tun haben, weiter behandelt werden können. Patienten trotz bestehender Ansteckungsgefahr zu entlassen, ist daher sinnvoll und notwendig. Besonders, wenn die Menschen in der Lage sind, sich alleine auszukurieren. Ausnahmen gibt es, wie im Fall von Uwe Beiers Schwiegervater, der an Demenz erkrankt ist und gepflegt werden muss. Dafür gibt es jedoch den Sozialdienst der Klinik. Im Gespräch mit der Familie wird dann abgewogen, wie und wann der Patient entlassen werden kann. Und bis die Corona-Zahlen sinken, heißt es: Regeln befolgen und den Krankenhäusern vertrauen.