Kultur

Dieses Gemälde zieht ins Winckelmann-Museum in Stendal ein

Die Winckelmann-Gesellschaft in Stendal finanziert den Kauf des Kunstwerks aus dem 18. Jahrhundert durch Spenden. Das Gemälde zeigt einen Freund Winckelmanns.

Von Leonie Dreier
Das neue Gemälde im Winckelmann-Museum in Stendal zeigt Adam Friedrich Oeser. Es hängt im Raum ?Dresden?.
Das neue Gemälde im Winckelmann-Museum in Stendal zeigt Adam Friedrich Oeser. Es hängt im Raum ?Dresden?. Foto: Leonie Dreier

Stendal - Die Winckelmann-Gesellschaft hat am Mittwoch in einer Feierstunde das neuerworbene Gemälde im Winckelmann-Museum in Stendal enthüllt. Mit Hilfe zahlreicher Spenden und durch Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt finanzierte die Gesellschaft den Ankauf. „Der Preis lag im niedrigen fünfstelligen Bereich“, sagt Manfred Urban, Vorstand des Museumsbeirates. „Das Gemälde hat für uns einen hohen Wert, weil es aus der Phase Winckelmanns stammt, bevor er nach Rom ging.“ Es hängt nun dauerhaft in der Ausstellung zum Leben und Werk des Archäologen und Kunstwissenschaftlers.

Das Ölgemälde porträtiert den Maler Adam Friedrich Oeser (1717-1799). Johann-Joachim Winckelmann freundete sich während seiner Zeit in Dresden als Bibliothekar mit dem Künstler an. Später zog er sogar in das Haus des Künstlers und lernte bei ihm zeichnen. „Oeser spielte damals eine wichtige Rolle für Winckelmann“, sagt Max Kunze, Präsident der Winckelmann-Gesellschaft.

Das Kunstwerk ist eine halb so große Kopie eines Bildes des Schweizer Malers Anton Graff. „Graff war der bedeutendste Porträt-Maler in Deutschland“, erklärt Kathrin Schade, stellvertretende Direktorin des Museums. Das Gemälde ist im Musée des Beaux-Arts de Strasbourg zu sehen.

Winckelmann Gesellschaft entdeckt Bild durch Zufall

Die Kopie stammt mit großer Wahrscheinlichkeit von Hans Schnorr von Carolsfeld, einem Schüler von Adam Friedrich Oeser. Vermutlich malte er das Gemälde zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Die Gesellschaft ist durch einen Kunsthändler auf das Gemälde aufmerksam geworden. „Es war Zufall“, bemerkt Max Kunze mit einem Lächeln. Ende 2020 kam das Kunstwerk ins Winckelmann-Museum.

Interne und externe Kunsthistoriker gaben ihre Expertise ab, ob es sich bei dem Bild auch um ein Original handelt.

Als feststand, dass das Kunstwerk keine Fälschung ist, beschloss das oberste Gremium der Gesellschaft, das Bild zu kaufen, wenn die Summe gestemmt werden kann. Diesem Gremium gehören 20 Personen aus verschieden Ländern an. Die Winckelmann-Gesellschaft hat insgesamt rund 600 Mitglieder weltweit.

In der kommenden Zeit planen die Mitglieder keine weitere Anschaffung in dieser Größenordnung. „Das ist ein Sonderfall“, versichert Max Kunze.