Stendal l „Ich bin da so reingerutscht.“ Gleich mehrfach sagt Peter Ludwig diese Worte, als er über seine Ehrenämter spricht. Das zum Beispiel des Präsidenten des Stendaler Leichtathletikvereins, kurz SLV `92. Sport, sagt der heute 51-Jährige, habe schon immer zu seinem Leben gehört. „Als Kind und Jugendlicher habe ich vieles ausprobiert, Tischtennis, Handball und auch Fußball.“ Am Ende wurde es die Leichtathletik. Sogar mit Erfolg, dank der Trainer Hans Riecke und Siegfried Wille.

Nachdem er bei einem Wettkampf in Magdeburg sogar die Sprinter-Elite vom SC Magdeburg hinter sich ließ und gewann, wollte der Club das Lauftalent zu sich holen. Peter Ludwig hatte zu dieser Zeit aber schon seine Berufsausbildung mit Abi­tur im Blick, entschied sich für diesen Weg. Dem Laufsport blieb er dennoch treu, bestritt weiterhin erfolgreich Wettkämpfe.

Nach einigen Jahren „Auswärtsspiel“ für Armee und Studium kehrte der gebürtige Stendaler in die altmärkische Heimat zurück und fing wieder mit Sport in der Freizeit an, entdeckte die Leichtathletik erneut für sich. Während einer Radtour mit Sportkameraden nach Hamburg, beim geselligen Zwischenstopp in Hitzacker, wurde die Idee geboren, einen eigenen Stendaler Leichtathletikverein zu gründen. Siegfried Wille überzeugte Peter Ludwig zum Mitmachen. 1992 wurde der Verein gegründet, Ludwig wurde als Freizeitwart ins Präsidium gewählt. „Ich hatte damals immer die Partys organisiert, darum war das was für mich.“ Später wurde er Vizepräsident, heute steht er als Präsident an der Spitze des SLV `92, der aktuell rund 300 Mitglieder hat. Mehr als die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche. Auch wenn Leichtathletik den Schwerpunkt bildet, gehören Frauengymnastik, eine Elternsportgruppe und eine Volleyballgruppe mit zum Verein.

Voller Jahresplan

Das Vereinsjahr beginnt im Januar mit dem Weihnachtsbaumwerfen und endet mit dem Silvesterlauf. Dazwischen gibt es Werfer- und Läufertage, die Winckelmann-Games und den Hanse-Cup, diverse Meisterschaften und das Sommerfest des Vereins. Seit drei Jahren läuft der Ramelow-Citylauf unter der Regie des SLV.

Ob Fördergeldanträge ausfüllen, Verträge prüfen, den Verein in der Öffentlichkeit vertreten, Wettkämpfe vorbereiten, die Arbeitsverträge für Beschäftigte wie Bundesfreiwillige, Sponsorenwerbung, Mitgliederstatistik, Kontrolle des Stadionzustandes, Überprüfen der Lizenzen der Übungsleiter – in einem so aktiven Verein fällt vieles an, was auf dem Tisch des Vorstandes und oft auch auf dem des Präsidenten landet. „Ich mache gern vieles selbst und stelle mich nicht hin und sage: Nun macht mal!“ Darum ist Peter Ludwig mehrfach in der Woche auf dem Platz, nach der Arbeit hängt er fast täglich Ehrenamtsstunden dran.

Stichwort Arbeit: Seit fünf Jahren ist der Sozialarbeiter in der Jugendberatung bei der Polizei, kurz JUBP, beschäftigt. Zuvor hatte er im Kinderheim und anschließend im Strafvollzug gearbeitet.

Seit 1999 ist Peter Ludwig Mitglied im Stendaler Stadtrat. Kommunalpolitik – wieder so eine Sache, in die er reingerutscht ist. Und wieder war es Siegfried Wille, der den Anschub dafür gab. Er fragte den Sportbegeisterten, ob er nicht Mitglied im Ausschuss für Kultur, Schule und Sport werden wolle. Peter Ludwig sagte zu. Auch, weil sich sein sportliches Vorbild Gerhard „Lampe“ Heine – in den 1950er Jahren national sehr erfolgreich als Sprinter, später Ehrenmitglied im SLV – zu dieser Zeit ebenfalls im Stadtrat engagiert hatte.

Aktiv im Stadtrat

Nach einem Jahr als sachkundiger Einwohner habe er aber gemerkt, „dass es besser wäre, selbst Mitglied im Stadtrat zu sein. Da kann man mehr bewegen“, sagt der 51-Jährige. Er sei von mehreren Fraktionen umworben worden, ob er nicht für sie bei der Wahl 1999 antreten wolle. „Die SPD-Fraktion war mir damals am sympathischsten.“ Gleich bei seiner ersten Kandidatur zog er in den Stadtrat ein. Nach einigen Jahren als parteiloses Fraktionsmitglied trat er 2006 in die SPD ein, war dann zehn Jahre Mitglied im Landesparteirat und Delegierter für Parteitage – weitere Ehrenämter, die in die Aufzählung gehören.

Mittlerweile ist er in der dritten Legislaturperiode Vorsitzender des Schul-, Sport- und Kulturausschusses. Zudem gehört er dem Liegenschaftsausschuss an. Ratsarbeit heißt für ihn nicht nur, an den Sitzungen teilzunehmen. Für ihn gehört auch das dazu, was er „Nebenschauplätze“ nennt. Als es zum Beispiel um den Grundschul-Neubau ging, traf er sich zu Gesprächen mit Eltern und der Schulleitung.

Sportverein und Kommunalpolitik – neben dem Beruf würden allein diese Ehrenämter schon genug Freizeitstunden ausfüllen. Nicht bei Peter Ludwig. Er ist noch Mitglied im Beirat der städtischen Volkshochschule und arbeitet im Verein für Straffälligenbetreuung und Bewährungshilfe Stendal mit sowie im Landesverband der Straffälligen-Hilfsvereine. Bei beiden gehörte er zu den Gründungsmitgliedern, war lange Zeit in deren Vorständen aktiv.

Freizeit an der Dartscheibe

Auch in der Landesarbeitsgemeinschaft der Sozialarbeiter hat er mitgearbeitet und im Stendaler Migranten-Netzwerk. Als Vorsitzender des Kulturausschusses leitet er die Jury zur Vergabe der Stendaler Kulturpreise.

In seiner Freizeit spielt Peter Ludwig im Dart-Verein, tritt bei Liga-Spielen an. Auch dort gehörte er anfangs zu den Vorstandsmitgliedern. Und wenn es jetzt richtig losgeht mit dem Bundestagswahlkampf, dann ist der Sozialdemokrat wieder mit den Helfern unterwegs, die im Landkreis Plakate aufhängen.

Ruhige Wochenenden, wenn schon werktags so viel los ist? Nicht bei Peter Ludwig. Dann stehen Wettkämpfe bei den Leichtathleten an, oder er wirft Dartpfeile für den anderen Verein. Nicht selten setzt er sich ans Steuer und fährt seine beiden Söhne und deren Mannschaftskameraden zu Fußball-Auswärtsspielen. Und wenn Arbeitseinsätze anstehen, wie jüngst für den Lok-Kunstrasenplatz, dann nimmt sich der Spieler-Vater und Schalke-Fan auch dafür Zeit.

Kennen Sie Menschen, die für ihr ehrenamtliches Engagement ein öffentliches Dankeschön verdient haben? Dann schicken Sie Ihre Vorschläge an die Stendaler Volksstimme, Hallstraße 51, 39 576 Stendal, E-Mail: redaktion.stendal@volksstimme.de. Jeden zweiten Sonnabend im Monat wird eine Person oder eine Gruppe mit einem Blumenstrauß geehrt und vorgestellt.