Landfrauen

Ein Kochbuch gegen Klischees

Der Landfrauenverein Stendal arbeitet seit einem Jahr an der Gestaltung eines Kochbuchs. Im Herbst soll das Buch nun erscheinen.

Von Anne Toss

Stendal l Ein Kochbuch der östlichen Altmark, das sowohl Lieblingsrezepte der Bewohner, Anekdoten und kleine Geschichten, als auch Bilder der Orte und Landschaften zeigt – es ist in der Mache. Neun Frauen – sechs Landfrauen und drei Expertinnen für Text und Bild – haben bereits im Juni vergangenen Jahres eine Arbeitsgruppe gebildet und sich mit vollem Eifer der Verwirklichung des Buchprojektes verschrieben. Nun ist es in den letzten Zügen, ein Vorabdruck des Verlags liegt der Gruppe zurzeit zur Korrektur vor.

„Das Besondere an dem Kochbuch ist, dass keine Bilder von den Gerichten abgedruckt werden, sondern Fotos von der Region“, sagt Birgit Tyllack, in deren Verantwortung die Bebilderung des Buches liegt. Dadurch soll das Buch ebenfalls für Touristen interessant sein. „Die kleinen Anekdoten, Texte zu den Städten“, merkt Sybille Klug, Kreisvorsitzende des Landfrauenvereins Stendal, an „das ist doch etwas, was Touristen gerne mitnehmen und das uns in der Altmark auch noch fehlt.“

Das Kochbuch steht unter dem Motto „Kirchen, Kühe, Klapperstörche“, alles Bestandteile der Altmark, Synonyme der Region, die sich wie ein roter Faden durch das Buch ziehen. Man habe aber auch bewusst keine regionale Einschränkung durch das Motto vornehmen wollen, erklärt Sybille Sperling, um jedem die Chance zu geben, mitmachen zu können.

Apropos mitmachen, die Arbeitsgruppe hatte nicht nur die Ortsvereine der Landfrauen um Rezepte gebeten, sondern auch einen öffentlichen Aufruf gestartet. Darauf haben zahlreiche Bewohner reagiert und mit ihren Zuarbeiten das Kochbuch bereichert. Unter anderem stellten etliche Hobbyfotografen ihre Bilder zur Verfügung.

Der Gruppe geht es allerdings auch darum, mit den Klischees über Landfrauen aufzuräumen. „Bei dem Wort Landfrauen denken doch viele an eine Bäuerin am Herd“, sagt Birgit Tyllack. Oder an die Kuchenbuffets. „Ja, wir können Kuchen backen und da sind wir auch stolz drauf“, sagt Sybille Klug, „aber wir können noch viel mehr, sind offen für Neues, modern.“

Ein Großteil der Landfrauen arbeite als vollwertiges Mitglied in den landwirtschaftlichen Betrieben mit, andere wiederum würden lediglich auf dem Dorf wohnen, seien aber Ärztinnen, Lehrerinnen oder Postboten, merkt Klug an.

Deshalb freuen sich die Initiatorinnen auch über ein Kapitel, das mit „Rezepte aus aller Welt – in der Altmark angekommen“ betitelt ist. Darin enthalten sind Koch- und Backideen von Frauen, die aus Ländern wie Marokko oder Russland in die Altmark gezogen sind. Landfrauen, die eben so gar nicht dem Klischee entsprechen.

Im Herbst soll das Kochbuch im Handel erhältlich sein. Ob als Geschenk oder zum Schmökern für Zuhause – jeder, der Interesse hat, sollte dann schnell zugreifen. Denn erste Vorbestellungen gibt es schon.