Wildpark Weißewarte

Eineinhalb Jahre ohne Zoogenehmigung: Betreibervereinsvorsitzender denkt ans Aufgeben

Seit fast eineinhalb Jahren kämpft der neu gegründete Betreiberverein Wildpark Weißewarte für eine neue Zoogenehmigung durch den Landkreis. Die soll im März auch schon in Aussicht gestellt worden sein. Inzwischen ist davon aber nicht mehr die Rede. Vorsitzender Fred Stoike ist frustriert und kündigt an, die Schlüssel für die kommunale Anlage abgeben zu wollen.

Von Birgit Schulze 20.07.2021, 08:13
Grünfutter für die Wapitis: Die frisch gemähte Luzerne schmeckt den großen Hirschen richtig gut.
Grünfutter für die Wapitis: Die frisch gemähte Luzerne schmeckt den großen Hirschen richtig gut. Fotos: Birgit Schulze

Weißewarte - Seit der Übernahme des Wildparkes in Weißewarte im Februar 2020 durch den erst kurz zuvor gegründeten Betreiberverein gab es viele Probleme zu lösen, inzwischen scheint dieser aber ans Aufgeben zu denken, und das, obwohl es trotz aller Probleme wirtschaftlich gar nicht schlecht läuft.

Auflagen rund um die Coronapandemie, die nur zwei Wochen nach Übernahme die komplette Schließung nötig und viele Veranstaltungen unmöglich machte, aber auch rund um die Schweinepest, die Vogelgrippe und – ganz besonders – die notwendige, neue Zoogenehmigung, stellten den jungen Verein in den vergangenen gut 16 Monaten auf die Probe.

Von Anfang an haben sich dessen Mitglieder darum bemüht, alle Auflagen im Zusammenhang mit der Zoogenehmigung zu erfüllen. Im März dieses Jahres soll mündlich angekündigt worden sein, dass diese nun ausgestellt werden soll – auch Bürgermeister Brohm gegenüber, denn die Anlage ist nach wie vor im Eigentum der Kommune. Doch von der im März angekündigten Genehmigung ist inzwischen keine Rede mehr.

Laut Landkreis fehlen Nachweise

Der Landkreis spricht jetzt auf Volksstimme-Nachfrage von Berichten mehrerer Naturschutzverbände, die abzuwarten seien, aber auch von weiterem Klärungsbedarf auf veterinärrechtlicher Seite. „Um eine zoorechtliche Genehmigung zu erteilen, müssen sowohl die Sachkunde als auch die Zuverlässigkeit der agierenden Personen vorliegen. Des Weiteren sind die entsprechenden Räumlichkeiten vorzuhalten. Aktuell fehlen Nachweise zur Behandlung und Entsorgung von verendeten Tieren. Des Weiteren hat das Veterinäramt Erläuterungen zu Quarantäneeinrichtungen sowie Absonderungseinrichtungen wie zum Beispiel zur Geburtenkontrolle noch nicht erhalten“, heißt es aus der Pressestelle des Landkreises.

Der Betreiberverein habe allerdings große Fortschritte gemacht, deshalb unterstütze der Landkreis den Verein auch weiterhin auf dem Weg durch die „umfangreichen und hohen Anforderungen an das Betreiben eines Zoos oder Wildparks“. Es gelte, das Wohl und die Gesundheit der Tiere nachhaltig sicherzustellen, heißt es weiter.

Grünfutter wird jetzt im Wildpark selbst angebaut

Zu den Anforderungen gehörte auch die nachhaltige Futterversorgung und die hat Fred Stoike mit seinem Team inzwischen durch den Anbau auf wildparkeigenen Flächen umgesetzt. Die große Scheune ist vollgestapelt mit 270 Rundballen Heu, auf 0,6 Hektar Fläche wächst saftiger Mais und auf einer Wiese dahinter rund 1,2 Hektar Luzerne, die in den kommenden fünf Jahren immer wieder als Grünfutter gemäht werden kann. Jeden Morgen schneidet Stoike selbst einen ganzen Streifen, den die Wiederkäuer, Wildschweine und andere taufrisch serviert bekommen.

Fred Stoike im Maisfeld: Auf rund 0,6 Hektar Fläche wächst die Futterpflanze für den Eigenbedarf im Wildpark Weißewarte.
Fred Stoike im Maisfeld: Auf rund 0,6 Hektar Fläche wächst die Futterpflanze für den Eigenbedarf im Wildpark Weißewarte.
Foto: Birgit Schulze

„So viel Futter war noch nie da, früher gab es hier auch kein Grünfutter“, sagt Fred Stoike. Bei allem Engagement vom Beräumen der Altlasten und dem Sanieren vieler Gebäude im Park bis zu Umbauten an den Gehegen scheint für ihn nach fast eineinhalb Jahren aber ein persönlicher Tiefpunkt erreicht. Obwohl ihm selbst und auch dem Bürgermeister der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte, Andreas Brohm (parteilos), gegenüber im März mündlich zugesagt worden sei, dass die Zoogenehmigung erteilt und nun nur noch schriftlich ausgefertigt werden soll, gebe es jetzt aus seiner Sicht neue Forderungen und Hindernisse.

Bürgermeister hat Hilfe angeboten

Er habe inzwischen angekündigt, den Schlüssel abgeben zu wollen, wenn die in Aussicht gestellte Genehmigung nicht in den nächsten Wochen erteilt wird, erklärt Stoike der Volksstimme gegenüber. Diese Forderung sieht der Landkreis auf Nachfrage aber als wenig realistisch an.

Bürgermeister Andreas Brohm spricht von einem beeindruckenden Engagement vor Ort und davon, dass eine weitere Tierpflegerin eingestellt werden solle. Er erklärt: „Die Artenvielfalt im Wildpark erfordert die Einhaltung vieler Bestimmungen. Es ist nachvollziehbar, dass nach 16 Monaten der Duldung durch den Landkreis die Ungeduld wächst bei den Betreibern, endlich die Zoogenehmigung zu erhalten.“

Und weiter: „Wir stehen mit dem Betreiberverein und dem Landkreis in Kontakt und haben unsere Hilfe angeboten. Alle Beteiligten arbeiten daran, dass der Park entsprechend den Bestimmungen und den Wünschen seiner Besucher sich entwickeln kann. Mit Blick auf das Engagement aller Mitstreiter bin ich zuversichtlich, dass es gelingen wird, Lösungen in den kommenden Wochen zu finden.“

Befristete Genehmigung lief bis Januar 2020

Nach dem Ausscheiden der langjährigen leitenden Angestellten Annette Friedebold 2019 war der Sachkundenachweis auf deren Nachfolgerin übertragen worden. Als diese kündigte, gab es nur noch eine vorläufige Genehmigung für den Park – befristet bis zum Januar 2020, seither läuft die Duldung.

Im vergangenen Sommer hatte Bürgermeister Andreas Brohm von einem Rückfall des Parkes an die Einheitsgemeinde gesprochen, sollte der Betreiberverein keine Zoogenehmigung vorweisen können. Auch der Landkreis hatte schon 2020 erklärt: „Gemäß Rechtslage ist der Zoo nach Wegfall oder Widerrufung der Zoogenehmigung innerhalb eines Zeitraums von höchstens zwei Jahren zu schließen. Das heißt, spätestens zum 31. Januar ist der Zoobetrieb einzustellen, wenn weder der Betreiberverein noch die Stadt Tangerhütte einen rechtmäßigen Zustand herstellen kann.“

Immer wieder wurden seither Bekenntnisse zum Erhalt der Anlage formuliert. Für eine echte Perspektive des Betreibervereins Wildpark Weißewarte reicht das nach Stoikes Gefühl aber nicht.

Auch Sattelschwein Olivia mit ihren Jungen freut sich über das Grünfutter aus eigener Herstellung.
Auch Sattelschwein Olivia mit ihren Jungen freut sich über das Grünfutter aus eigener Herstellung.
Foto: Birgit Schulze