Großbaustelle in Stendal

Eisenbahnbrücke in Stendals Lüderitzer Straße weicht Millionen-Neubau

Wenn die Deutsche Bahn die Gleisanlagen des Stendaler Hauptbahnhofs ausbaut, hat das Folgen. An der Lüderitzer Straße fällt eine Brücke der Modernisierung zum Opfer.

Von Antonius Wollmann
Die Brücke, die den Verkehr über den Gleisbogen in Richtung Magdeburg führt, ist den Anforderungen des Streckenausbaus am Stendaler Bahnhof nicht mehr gewachsen. Ein Neubau wird an selber Stelle gebaut.
Die Brücke, die den Verkehr über den Gleisbogen in Richtung Magdeburg führt, ist den Anforderungen des Streckenausbaus am Stendaler Bahnhof nicht mehr gewachsen. Ein Neubau wird an selber Stelle gebaut. Archivfoto: Frank Barby

Ortsname - Zwar ist der Baubeginn erst für das Jahr 2024 avisiert, dennoch laufen die Planungen der Deutschen Bahn für die Ertüchtigung des Stendaler Hauptbahnhofs im Zuge des Ausbaus der Strecke Stendal-Uelzen bereits auf Hochtouren. Am Dienstagabend informierte Projektleiter Andreas Hartwig in einer Videoschalte über den Stand. Es kündigen sich dabei gravierende Veränderungen an.

Am Stendaler Bahnhof wird nicht nur das zweite Gleis der Strecke nach Uelzen gelegt, insgesamt werden die Gleisanlagen im gesamten Bahnhofsbereich erweitert, um Überholmöglichkeiten für 740 Meter lange Güterzüge zu schaffen. Auch am Bogen in Richtung Magdeburg besteht Optimierungsbedarf.

An dieser Stelle möchte die Bahn die Geschwindigkeit der Züge von 60 Kilometer pro Stunde auf 80 erhöhen. Statt zwei Gleisen werden dort in Zukunft vier liegen. Das ist nur möglich, wenn die Brücke an der Lüderitzer Straße (nicht die Brücke, die über die Strecke Stendal-Berlin führt) abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wird. „Es wird momentan mit Hochdruck an den Planrechtsunterlagen gearbeitet“, sagte Andreas Hartwig. Bis Ende dieses Jahres müssen diese eingereicht sein. Für die Umsetzung des Bauvorhabens ist gemäß des Eisenbahnkreuzungsgesetzes (siehe Infokasten) allein die Stadt Stendal zuständig.

Lüderitzer Straße wird komplett gesperrt

Im Rathaus habe man sich mit der Sache schon auseinandergesetzt, berichtet Armin Fischbach von der Pressestelle der Stadtverwaltung. „Die zahlreichen Vorüberlegungen und Absprachen sind natürlich in vollem Gange“, so der Stadtsprecher. Zu Details könne er sich aber erst nach Beendigung des Planfeststellungsverfahrens äußern, für das das Eisenbahn-Bundesamt verantwortlich zeichnet. Der Zeitplan ist dabei schon festgezurrt. Gebaut wird die neue Überführung ab dem dritten Quartal 2024 bis zum April 2025, gab Andreas Hartwig am Dienstag bekannt.

Die Lüderitzer Straße wird in diesem Zeitraum zwischen dem Dahrenstedter Weg und der Heerener Straße komplett gesperrt. „Die Folgen der Sanierung dieser wichtigen städtischen Verkehrsachse sind so offensichtlich wie schwerwiegend“, schätzt Armin Fischbach ein. Ein großer Teil des Verkehrs soll auf die Dahlener Straße beziehungsweise auf die Röxer Straße umgeleitet werden wird. Das Verkehrsaufkommen um den Stadtsee im Bereich der Röxer Straße und der Erich-Weinert-Straße wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit dementsprechend erhöhen.

Ein Nachsehen werden all jene Pendler haben, die ihre Autos auf dem Bahnhofsparkplatz an der Lüderitzer Straße abstellen. Der ist in dieser Phase nicht erreichbar.

Parkplätze am Stendaler Hauptbahnhof sind nicht mehr erreichbar

Um wenigstens eine positiven Effekt trotz der Einschränkungen zu erzielen, plant die Stadtverwaltung, die ohnehin gesperrte Straße in diesem Zeitraum von Grund auf zu sanieren.

Wie viel das neue Bauwerk kosten wird, steht noch nicht fest. In der Vergangenheit ging man im Rathaus von Kosten um die sieben Millionen Euro aus. Diese Zahl sei allerdings mit Vorsicht zu betrachten, da der genaue Umfang des Neubaus noch nicht bekannt ist, sagt Armin Fischbach.

Dass die Baukosten im Moment branchenübergreifend steigen, mache eine Vorhersage umso schwieriger. Immerhin muss die Stadt die Summe nicht alleine stemmen. Die Bahn werde sich substanziell an der Finanzierung beteiligen, kündigt der Stadtsprecher an.