Burgstall/Schernebeck l Es ist eine dramatische Geschichte, die sich vor genau 100 Jahren im Wald zwischen Burgstall und Schernebeck zugetragen hat und die lange Zeit auch noch in den Köpfen der Menschen präsent war. 100 Jahre später lief sie Gefahr, vergessen zu werden.

Info-Tafel und Bänke aufgestellt

Dem wollte Ideengeber und Revierförster Gerd Matzke aus Burgstall mit Unterstützung der Bundes- und Landesforst sowie des Landeszentrums Wald etwas entgegen setzen, denn den Gedenkstein im Wald kennt er schon seit vielen Jahren. Also startete er zusammen mit seinen Kollegen Horst Schulze und Horst Schubert eine Verschönerungsaktion. Rund um den „Kruse-Stein“ mitten im Wald wurden eine Informationstafel errichtet und auch Bänke zum Verweilen aufgestellt.

Um an Hermann Kruse zu erinnern, hatte Matzke mit Unterstützung auch die historischen Akten aufgearbeitet und trug die Geschichte des jungen Hilfsjägers aus Schernebeck jetzt bei der Gedenkfeier im Wald vor.

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Der 25-jährige Hermann Kruse, geboren in Capern im Landkreis Lüchow und zuvor als Oberjäger (militärischer Dienstgrad) beim „Lauenburgischen Jägerbataillon No.9“ in Diensten, hatte erst am 16. Mai 1919 seinen Dienst als Hilfsjäger der königlichen Oberförsterei Burgstall angetreten. Er wurde in Schernebeck stationiert und sollte helfen, der nach dem Ersten Weltkrieg stark verbreiteten Jagdwilderei Einhalt zu gebieten.

Zweieinhalb Monate nach Dienstantritt getötet

„Zur Waldung und vorläufigen Notwerung“ hatte er sich damals beworben. Bereits im Juni 1919 kam es zu einer Schießerei zwischen vier Forstbeamten und Wilddieben, bei der auch Hermann Kruse beteiligt war und ein Wilderer festgenommen wurde.

Am 1. August 1919, nur zweieinhalb Monate nach Dienstantritt, wurde der junge Mann von Wilderern erschossen. Zuvor war er früh morgens um 2 Uhr aufgebrochen und hatte seiner Wirtin ausgerichtet: „Wenn ich bis Mittag nicht zu Hause bin, dann sucht mich oben an der Poststraße, ich treffe mich heute mit Wilderern.“ Nur wenige Stunden später, gegen 5.15 Uhr, ist er tot.

Die Wirtin benachrichtigte den Revierförster Möller, der wiederum machte sich mit dem Herrn Wagenführ, genannt von Arnim, der gerade in Schernebeck war, auf die Suche und fand den jungen Mann umgeben von Rucksack, Fernglas und neun Jagdgeschossen mit geladenem Karabiner und offenem Schloss. Den letzten Schuss konnte er wohl nicht mehr abgeben.

Die Täter, drei Personen aus Burgstall, wurden wenig später festgenommen. Wie sich herausstellte, hatten sie in den zurückliegenden Monaten rund 30 Stücke Rotwild gewildert. Im vom Krieg ausgezehrten Deutschland, in dem Hunderttausende gefallen waren oder als Krüppel zurück kamen, war das Wildern eine nicht selten genutzte Möglichkeit, an Nahrung und Geld zu kommen.

Täter landeten im Zuchthaus

Der Hauptbeschuldigte sei damals wegen gewerbsmäßigen Wilderns und Totschlag zu neun Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt worden, ein zweiter Beteiligter wegen gewerbsmäßigen Wilderns zu zwei Jahren Zuchthaus und der Dritte wegen Jagdvergehens zu vier Monaten Gefängnis.

So fasste es Gerd Matzke zusammen. Er bedankte sich bei allen, die an der Herrichtung als Gedenkstätte beteiligt waren. Weil es sich um ein Waldstück im Eigentum des Bundesforstes handelt, war es lange nicht zugänglich.

Früher unzugängliches Gebiet

Als militärischer Sicherheitsbereich gelte das Waldstück an der alten Poststraße zwischen Burgstall und Schernebeck (etwa vier Kilometer hinter dem Ortsausgang von Burgstall) aber nicht mehr. Im Zuge des Baus der A14 soll jetzt aber ein Flächentausch angeschoben werden, so dass die Gedenkstätte künftig im Landeswald liegt. Sie kann schon jetzt von Radfahrern und Wanderern besucht werden.

Bei der Gedenkfeier waren neben vielen Forstvertretern und Jägern auch einige Einwohner aus Burgstall und Schernebeck sowie die Bürgermeister Carsten Miehe (Burgstall) und Ortsbürgermeister Udo Wenddorf (Schernebeck) dabei. Die Heide-Jagdhornbläser aus Burgstall gaben dem ganzen einen festlichen, musikalischen Rahmen.