Serie „Otto ist Einheit“ über 35 Jahre Wiedervereinigung Viel Grau, wenig Grün: Wie sich Magdeburg davon verabschiedet hat
David Bartusch ist Vorstand für 400.000 Versicherte. Nach Magdeburg kam er mit Vorbehalten, die er längst abgelegt hat.

Magdeburg - In einer Serie erzählen Menschen aus Magdeburg mit Ost- oder West-Hintergrund ihre Geschichte über Wiedervereinigung und Deutsche Einheit seit 35 Jahren. Hier David Bartusch, Vorstand der Öffentlichen Versicherungen Sachsen-Anhalt.
Die „spannende Zeit“ rund um die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten beginnt für David Bartusch und seine Familie schon lange vor dem 9. November 1989. „Mein Vater hatte Mitte der achtziger Jahre einen Ausreiseantrag gestellt“, erzählt das Vorstandsmitglied der Öffentlichen Versicherungen Sachsen-Anhalt (ÖSA). „Wir saßen immer irgendwie auf halb gepackten Koffern.“
Familie stellte Ausreiseantrag
David Bartusch wird 1972 im sächsischen Bautzen geboren und ist im Wendejahr 1989 gerade mit der Schule fertig. Wegen des Ausreiseantrags kann er in der DDR kein Abitur machen, also beginnt er eine Ausbildung zum Heizungsinstallateur. „Über familiäre Verbindungen bin ich an die Lehrstelle gekommen. Das war so gar nicht mein Wunschberuf, doch ich habe es durchgezogen.“
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Der gebürtige Sachse sagt über diese Zeit, er habe „menschlich und handwerklich viel fürs Leben gelernt.“ Die theoretische Ausbildung ist in Dresden, wohnen tut er zu dieser Zeit in Pirna. „Ich habe Züge mit tausenden von Menschen gesehen, die aus der DDR geflüchtet sind. Da war was in Gange, aber es gab auch diese gebremste Euphorie. Es wusste ja niemand, wie der Staatsapparat reagiert.“ Als die Mauer tatsächlich fällt, sei das „eine große Befreiung“ gewesen. „Für alle Menschen, und auch für mich.“ Sein Vater geht nicht in den Westen, sondern entschließt sich bewusst, im Osten zu bleiben.
Stationen in Köln und Hannover
David Bartusch holt nach der Wende das Abitur an einer Fachoberschule nach und beginnt im Anschluss ein Studium der Wirtschaftsmathematik an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig. „Ich wollte mich irgendwie spezialisieren“, sagt der zweifache Familienvater. Seine aus Brandenburg stammende Ehefrau studiert zeitgleich Pharmazie in Halle.
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1998 ist für David Bartusch die Studentenzeit vorbei. Es folgen berufliche Stationen in Köln und Hannover, wo er als Wirtschaftsprüfer arbeitet und erste Berührungspunkte mit der ÖSA hat. 2005 kommt die Familie nach Magdeburg. In eine Stadt, über die David Bartusch nach eigener Aussage zunächst durchaus Vorbehalte hegt. „Man sah auf der Durchfahrt immer diese Plattenbausiedlungen. Da war viel grau und wenig grün.“
400.000 Kunden im Bestand
Doch aller Skepsis zum Trotz, folgt der Diplom-Mathematiker und Aktuar dem „Ruf der ÖSA“ und stellt sich in Magdeburg beruflich neu auf. „So, wie ich ticke, war das einfach die optimale Konstellation. Die Konstruktion Versicherung hat mich schon immer interessiert. Heute denke ich, dass dieser Weg schon im Studium vorgezeichnet war.“
Bei der ÖSA wird er Abteilungsleiter Leben/Unfall, dann Generalbevollmächtigter und am 1. Januar 2014 Vorstand. 1991 gegründet, hat die ÖSA als öffentlich-rechtlicher Versicherer und einziges Branchenunternehmen mit Sitz in Sachsen-Anhalt heute mehr als 400.000 Kunden im Bestand.
Als Ossi im Westen
In diesem Jahr feiert Familie Bartusch in Magdeburg ihr Zwanzigjähriges. Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt ist längst ihre Heimat geworden. Ist Deutschland ein vereintes Land? David Bartusch beantwortet die Frage so: „Das ist ganz klar eine Generationenfrage. Das Ost-West-Denken wird sich auswachsen, das braucht so ein, zwei Generationen. Ich wünsche es mir sehr.“
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Als er als „Ossi“ in Köln und Hannover gearbeitet hat, habe er sich nie unwohl gefühlt. „Ich weiß aber auch, dass einige Menschen andere Erfahrungen gemacht haben.“ Wenn die Wende nicht gekommen wäre, sinniert der Wahl-Magdeburger, wäre dem Wunsch seines Vaters nach Ausreise aus der DDR sicher irgendwann stattgegeben worden. „Zwei meiner Tanten waren ja schon ausgereist und wohnten in der Nähe von Hamburg. Da wären wir dann sicher auch gelandet.“
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Magdeburg biete viel und habe vieles richtiggemacht. „Da gab und gibt es Visionen und den Mut, sie Realität werden zu lassen“, sagt David Bartusch. Er wünscht sich, dass sich seine aktuelle Heimatstadt noch besser präsentiert und selbstbewusster auftritt. Neuerliche Rückschläge wie der rund um Intel seien eine Chance, weiter Schritt für Schritt nach vorn zu gehen. „Intel hat sich aus gutem Grund für Magdeburg entschieden. Jetzt muss es uns gelingen, diese Phase bestmöglich zu nutzen.“