Stendal l Bernhard Brauer hält mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. Für den Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft ist die Rückkehr zum Meisterzwang in zwölf Gewerken nur eine logische Konsequenz. Zu sehr schlage der Fachkräftemangel mittlerweile durch. Der Bundestag hatte die Regelung in der vergangenen Woche beschlossen.

Exemplarisch steht für ihn dabei die Entwicklung der Fliesenleger. Seitdem der Meisterbrief nicht mehr Voraussetzung war, um einen Betrieb zu gründen, sei zwar deren Zahl gestiegen, mehr Lehrlinge wären hingegen ausgeblieben. Das merke man an allen Ecken und Enden. An Fliesenlegern mangele es eklatant. Bei den Raumausstattern sehe es nicht viel besser aus. „Leider wird es Jahre dauern, bis die Lücke wieder geschlossen sein wird“, blickt Brauer wenig optimistisch in die Zukunft. Daher hätte aus seiner Sicht der Meisterzwang durchaus für mehr Berufe wieder eingeführt werden können.

Es mangelt an Nachwuchs

Mit seinem Lob für die Rückkehr steht der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft nicht alleine da. Der Präsident der Handwerkskammer Magdeburg, Hagen Mauer, lobt die Entscheidung genauso. „Wir freuen uns und werten es als starkes Signal für Qualität und Qualifizierung im Handwerk“, befindet er.

Wer den Meisterbrief stärkt, mache das Handwerk fit für die Zukunft, bricht er eine Lanze für den höchsten handwerklichen Qualifizierungsgrad. Insbesondere der ländliche Raum werde davon profitieren, ist Mauer überzeugt. Handwerksbetriebe würden dafür sorgen, dass Arbeitsplätze entstehen und Einkommen in den Regionen verbleibt. Sie seien außerdem in erheblichem Maße an der Aufrechterhaltung der Lebens- und Standortqualität beteiligt.

Nicht alle wollen Rückkehr

Wenig überraschend, dass auch Mauer es ebenfalls gerne gesehen hätte, wenn mehr als zwölf Berufe zur Meisterplicht zurückgekehrt wären. Allerdings merkt er an, dass dieser Wunsch nicht bei allen Gewerken gleichermaßen ausgeprägt gewesen sei. Mit ihrer Entscheidung korrigiert die Bundesregierung eine Maßnahme der rot-grünen Koalition aus dem Jahre 2004. Damals hatte man sich für eine Liberalisierung bei 53 Handwerksberufen entschieden, um Unternehmensgründungen zu erleichtern. Betriebe, die seitdem von Gesellen gegründet worden, genießen Bestandsschutz.