Stendal/Kleinmühlingen/Eggersdorf l Freudig bellt ein Hund, als Matthias Schneider, Leiter vom Landesfeuerwehrmuseum Stendal, auf den Hof des Museums fährt. Während er über den Vorplatz läuft, nästelt er sich eine Zigarette aus der Tasche. An diesem Tag geht es um ein ganzes besonderes Exponat: Ein altes Löschfahrzeug vom Typ Barkas B 1000 aus dem Jahr 1967. Der Wagen stammt aus Eggersdorf in der Gemeinde Bördeland. Als er dort ausgedient hatte, ging er an die Kameraden aus Kleinmühlingen, auch einem Ortsteil der Gemeinde im Salzlandkreis. „Ich kann zu fast allem hier eine Geschichte erzählen“, sagt der Museumsleiter, „aber dazu tatsächlich kaum eine.“

Ein Glück, dass es noch (Zeit-)Zeugen gibt, die Geschichten über den Wagen und das alte Depot zu berichten wissen; etwa der Ortswehrleiter von der Freiwilligen Feuerwehr Kleinmühlingen-Zens, Hans-Georg Fabian. Ein altes Foto ruft ihm das Fahrzeug wieder in den Sinn und er meldet sich bei der Volksstimme: „Die Kleinmühlinger Kameraden haben das Fahrzeug in den 1980er Jahren von der Feuerwehr aus Eggersdorf erhalten“, berichtet Hans-Georg Fabian. „1997 wurde das alte Fahrzeug außer Dienst genommen und gegen ein fabrikneues Löschfahrzeug ersetzt. Der B 1000 wurde an das Feuerwehrmuseum nach Stendal verschenkt“, sagt der Ortswehrleiter zur Geschichte des alten Wagens. Zu dem alten Depot, in dem der Wagen stand, erzählt er eine weitere Anekdote: „Das Depot stammt aus dem 19. Jahrhundert. In den 50er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts bekam es den Schlauchturm aufgesetzt. Der Nebenraum wurde vom Polizisten des Ortes als Gefängnis benutzt, später nutzte die Feuerwehr diesen als Aufenthaltsraum“, sagt der Ortswehrleiter.

Ein weiterer Kamerad aus dem Bördedorf ist früher selbst mit dem Löschfahrzeug unterwegs gewesen. „Als ich in der Jugendfeuerwehr war, sind wir immer mit dem Wagen unterwegs gewesen“, sagt Frank Knappe. Der Wagen sei seinerzeit hauptsächlich von dem Nachwuchs der Feuerwehr genutzt worden, meistens für Übungen. „Er stand im alten Depot und das war eben unser Feuerwehrhaus.“

Bilder

Über solche Geschichten aus der Gegend freut sich Matthias Schneider sehr und betont: „Sowas ist toll. Wir haben hier ja nur Technik aus der Region, was anderes wollen wir auch gar nicht.“

Über vierzig Fahrzeuge stehen im Museum

Der alte Barkas B 1000 ist eines von über vierzig Fahrzeugen in dem Museum in Stendal. Es gibt noch einen weiteren Feuerwehrwagen des gleichen Typs: „Löschi“. Dass der zweite B 1000 einen Spitznamen hat, hat einen einfachen Grund. „Aus Löschi gibt es für die Kinder immer rote Fassbrause bei Festen“, klärt der Museumsleiter auf.

Nicht nur „Löschi“ ist noch im Einsatz: Alle Automobile in dem Museum in Stendal sind fahrtüchtig. „Der Wagen aus Kleinmühlingen ist das letzte Mal vor zwei Jahren gefahren, bei unserem Museumsfest. Da haben wir eine große Ausfahrt unternommen“, sagt der 65-Jährige. Dass die alten Einsatzfahrzeuge in einem guten Zustand bleiben, ist keine leichte – und vor allem eine langwierige – Aufgabe. „An den Wagen ist immer etwas zu werkeln“, sagt Matthias Schneider.

Für den Sachsen-Anhalt-Tag 2022 in Stendal setzt sich das Museum ein neues Ziel: Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Museums wollen eines der drei Sonderlöschfahrzeuge restaurieren. „Wir müssen es generalüberholen und neu lackieren“, meint der ehemalige Berufsfeuerwehrmann. Etwa 20.000 Euro werden die Arbeiten kosten. Doch der Aufwand lohnt sich, wie an den anderen beiden Sonderlöschwagen deutlich wird. „So soll der ehemalige Einsatzwagen einmal aussehen“, sagt Matthias Schneider und zeigt stolz auf die daneben stehenden Wagen. „Im Februar geht‘s los.“ Er freue sich auf das vor ihm liegende Projekt.

Der B 1000 aus Kleinmühlingen und Eggersdorf braucht noch keine Generalüberholung. Er könnte bei der nächsten Museumsausfahrt wieder über die Straßen rollen. Und wer weiß, vielleicht irgendwann noch einmal in seine Heimat.