Stendal l Marten Krebs ist Schauspieler mit Leib und Seele. So abgedroschen sich das anhören mag, trifft es auf den gebürtigen Altmärker einfach zu. Auf der Bühne zu stehen und nach der Show den Applaus des Publikums zu spüren sei wie Luft, die er zum Atmen brauche. Und doch muss er wie viele andere Künstler ohne seine Leidenschaft zur Schauspielerei auskommen.

Dem Kulturbereich wurde in der Folge des ersten und zweiten Corona-Lockdowns buchstäblich der Stecker gezogen. Der Wahl-Berliner saß damals quasi schon auf gepackten Koffern. Mit dem Tina Turner-Musical „Simply the best“ sollte es im März des vergangenen Jahres quer durch Europa gehen. Mit fünf Shows pro Woche, jeden Tag in einer anderen Stadt. „Es fühlte sich an, als hätte der Zug in voller Fahrt gebremst“, erinnert sich Krebs an dem Moment, als das Coronavirus sämtliche Termine einfach strich.

Tour plötzlich gestoppt

„Für mich war es schwer einzuordnen, wie ernst man die Meldungen aus den Medien nehmen sollte“, erinnert er sich. Als bekanntgegeben wurde, dass alle Großveranstaltungen verschoben werden, folgte die Unsicherheit. Völlig ungewiss blieb, wann es weitergehen könnte. Das Gefühl verfolgte ihn bis in den Schlaf. Den fand er phasenweise kaum noch, Albträume verfolgten ihn: „Ich habe fast jede Nacht von der Bühne geträumt. Zum Beispiel, nicht pünktlich aus der Maske zu kommen oder aus dem Tourbus, weil die elektronische Tür blockierte. Komische Träume, die bis jetzt Gott sei Dank nie Realität wurden.“

In dieser Situation versuchte Krebs, sich wieder einen Tagesablauf zu geben, stellte seinen gesamten Lebensrhythmus um. Eigentlich ein Nachtmensch, stand er nun um sechs Uhr auf, um sich am elterlichen Haus mit handwerklichen Tätigkeiten abzulenken. Sinnvoll war das auf jeden Fall, aber könnte es nicht noch etwas Sinnstiftenderes geben? Dann sprach ihn ein Bekannter im Oktober an: Ob er es nicht als Trauerredner versuchen möchte?

Keine Notlösung

Nach kurzer Bedenkzeit stellte er sich der Herausforderung. Als Notlösung während des Lockdowns würde Marten Krebs diese Arbeit aber nie bezeichnen: „Die Dankbarkeit der Angehörigen hat mir gezeigt wie wichtig es ist da zu sein und die Menschen ein Stück des schmerzlichen Weges zu begleiten.“ Auch wenn Corona irgendwann überwunden ist, werde er deshalb nicht davon lassen.Eine Lebensaufgabe sei die Tätigkeit für ihn geworden, sagt der Musical-Darsteller. Anderen Mut und Kraft zu spenden, sei ihm ohnehin stets ein Anliegen gewesen. Sein Beruf helfe ihm dabei enorm. Als Schauspieler wisse er genau, wie man mit seiner Stimme Emotionen transportiert. Umso mehr in dieser sensiblen Angelegenheit.

Ein Trauerredner wandelt auf einem schmalen Grat. Seine Worte werden im Gedächtnis derer bleiben, die dem Verstorbenen am nächsten waren. Darin liegt eine enorme Verantwortung. Schließlich geht es darum, einen Menschen in Würde zu verabschieden. Und damit den letzten Augenblick zu gestalten, den die Angehörigen mit dem Verstorbenen verbringen.

Trauerredner trägt große Verantwortung

Da ist die Fallhöhe hoch. „Ähnlich wie bei einem Drehbuch bereite ich mich in den Gesprächen mit den Angehörigen auf die Rede vor. Ich versuche, das Leben des Verstorbenen möglichst genau zu reflektieren“, sagt Marten Krebs. Dass die Erinnerungen, die man im Herzen trägt, über den Tod hinaus leben, sei stets der Leitsatz, dem er bei dieser verantwortungsvollen Tätigkeit folge. Zur Verantwortung gehöre in diesen Zeiten ebenso, stets einen Corona-Test vor jeglichen Gesprächen zu machen.

Am Ende wolle er Mut und Kraft weitergeben. Das bleibe auch sein eigener Antrieb: „Es wird nicht mehr so sein wie früher, aber ich hoffe auf neue Zeiten, um endlich wieder als Schauspieler und Musicaldarsteller arbeiten zu dürfen.“