Stendal l 1878 führten seine Wege den Schriftsteller Theodor Fontane nach Tangermünde. Dort recherchierte er für eine Novelle. Die Geschichte der Grete Minde hatte es ihm angetan. Zwei Jahre später erschien das Werk über die junge Frau, die aus Hass 1617 die Stadt anzündet. So zumindest die Handlung Fontanes. Mittlerweile gilt als erwiesen, dass sie unschuldig und Opfer einer Intrige und Fehljustiz war.

Theater der Altmark ist beteiligt

In diesem Sommer wird die Altmark wieder Spielort eines Fontanestücks, wenn auch ganz anders. Vor genau 200 Jahren wurde der Schriftsteller in Neuruppin geboren. Der runde Geburtstag wird mit einer Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Fontane 200“ gewürdigt. Im Rahmen der 11. Theatertage der Länder Brandenburg und Sachsen-Anhalt wird dabei ein außergewöhnliches Theaterereignis geboten. Theodor Fontanes Bericht über seine Zeit als Kriegsgefangener im Deutsch-Französischen Krieg wird vom Theater „Das letzte Kleinod“ in historischen Eisenbahnwaggons inszeniert und an Bahnsteigen und Gütergleisen gezeigt. Das Theaterstück präsentiert nicht nur die historischen Ereignisse, sondern beleuchtet auch das aktuelle deutsch-französische Verhältnis, wie es in einer Pressemitteilung aus dem Brandenburger Kulturministerium heißt. „Der 1819 in Neuruppin geborene Theodor Fontane ist einer der wichtigsten deutschen Schriftsteller und trägt mit seinem Werk bis heute wesentlich zur Identitätsbildung im Land bei“, sagte Ministerin Martina Münch.

Bei den Jubiläumsveranstaltungen zu seinem 200. Geburtstag gehe es nicht nur um die Würdigung seiner Person, sondern auch darum, einen Blick hinter die Kulissen von Fontanes Arbeit zu werfen und sein Werk und seine Rezeption im Spiegel des 21. Jahrhunderts neu zu entdecken und zu reflektieren.

Das Theaterstück „Souvenir 1870“ des Autors und Regisseurs Jens-Erwin Siemssen entsteht in Koproduktion mit mehreren Mitgliedstheatern des Landesverbandes Ost im Deutschen Bühnenverein. Dazu gehört auch das Theater der Altmark. Das Stück ist nämlich vom 27. bis 29. August in Stendal zu sehen. „Gespielt wird auf dem alten Alstom-Gelände“, verriet Pressesprecherin Magdalena Burkhardt gegenüber der Volksstimme. Unter der Federführung des „Letzten Kleinods“ sind außerdem die neue Bühne Senftenberg, das Staatstheater Cottbus, das Hans Otto Theater Potsdam und das Kleist-Forum in Frankfurt (Oder) beteiligt. Das Theaterstück wird vom 3. August bis zum 8. September an mehreren Orten in den Ländern Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen gezeigt. Das Projekt wird von den Ländern Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen sowie vom Fonds Darstellende Kunst und der Stiftung Niedersachsen gefördert. Das sachsen-anhaltinische Kulturministerium unterstützt das Projekt mit.

Großküche für 120 Personen

Theodor Fontane wurde 1870 wegen des Verdachts der feindlichen Spionage von den Franzosen verhaftet und auf die Festung der Atlantikinsel Oléron verschleppt. Das Theaterstück schildert anhand von Fontanes Dokumentationen und Zeitzeugenberichten seine Erlebnisse im Deutsch-Französischen Krieg.

„Das letzte Kleinod“ ist im Bahnhof Geestenseth zu Hause. Er liegt an der Bahnlinie von Bremerhaven nach Buxtehude. In der denkmalgeschützen Bahnhofsanlage von 1899 ist die Produktionsstätte des Theaters untergebracht. Im Stellwerk, in den Warteräumen, im Güterschuppen und in den eigenen Waggons werden die Inszenierungen konzipiert und vorbereitet, bevor sie im In- und Ausland aufgeführt werden.

Der 130 Meter lange Zug wurde vor kurzem aufwändig saniert und hat die Zulassung, auf dem öffentlichen Schienennetz fahren zu dürfen. In vier Schlafwagen können bis zu 17 Mitwirkende in Einzelkabinen wohnen, in jedem Waggon gibt es Duschen und Toiletten. Ein Speisewagen hat bis zu 32 Sitzplätze, von einer Großküche können 120 Personen am Tag versorgt werden.