Öffentliche Sondersitzung des Stadtrats gegen NPD-Demo beginnt um 16 Uhr auf dem Marktplatz

Gemeinsames "Zeichen gegen Rechts"

Von Thomas Pusch

Zu einer öffentlichen Sondersitzung des Stadtrats hat für heute Vorsitzender Klaus-Jürgen Mörs eingeladen. Redner verschiedener Parteien wollen, so das Motto, ein "Zeichen gegen Rechts" setzen.

Stendal l Manche Parteien setzen auf Landespolitiker, andere schicken lokale Größen ans Rednerpult. Die Landesregierung wird durch Innen-Staatssekretär Ulf Gundlach (CDU) vertreten. Er tritt ans Mikrofon, "um für ein deutliches Zeichen gegen Intoleranz und rechtes Gedankengut" zu werben.

Rüdiger Erben, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, wird für die Sozialdemokraten auftreten. "Leider spreche ich nicht zum ersten Mal in Stendal oder der Altmark bei einer Kundgebung gegen Rechts", sagt er. Er will die Zuhörer daran erinnern, dass die Vorbilder der NPD-Demonstranten verantwortlich für den Zweiten Weltkrieg mit 50 Millionen Toten und den Massenmord an den Juden sind. Außerdem will Erben ein Plädoyer für ein Verbot der NPD halten. "Viele Menschen gehen doch nicht auf die Straße, weil sie die Auseinandersetzung fürchten, die fragen, warum die Partei nicht verboten wird."

Zudem seien auch die Polizisten für ein Verbot, weil sie dann solche Veranstaltungen nicht mehr schützen müssen. "Die wollen den Spruch ,Deutsche Polizisten schützen die Faschisten\' nicht hören", fügt Erben hinzu.

Lydia Hüskens, stellvertretende Landesvorsitzende des FDP, will bei der Veranstaltung nicht nur ein Zeichen gegen Rechts setzen, sondern auch ein positives Zeichen für etwas: "Nämlich für die Demokratie, zwar eine schwierige Staatsform, aber auch die beste." Sie appelliert an die Stendaler, sich nicht "ins Bockshorn jagen zu lassen und klar Farbe zu bekennen. Ich hoffe aber auch, dass es nicht zu Szenerien kommt, die von der Polizei dominiert werden, weil sie die beiden Gruppen voneinander trennen muss." Die Liberale setzt auf einen friedlichen Verlauf.

"Es müssen alle an einem Strang ziehen, um sich gegen die rechtsextremen und rechtsradikalen Kräfte zur Wehr zu setzen", fordert Nico Schulz, der als stellvertretender Kreisvorsitzender für die CDU redet. Die Demokratie und Freiheit haben dort für ihn eine Grenze, wo sie von anderen gefährdet werden. "Deshalb unterstütze ich auch ein Verbot der NPD", erklärt Schulz.

Einziger Stendaler auf der Rednerliste ist Linke-Kreisvorsitzender Mario Blasche. "Ich werde mich auch auf den lokalen Aspekt konzentrieren, denn alles andere werden sicherlich schon die Redner vor mir erwähnt haben", kündigte er an. Als Aufhänger will er die Interkulturelle Woche nehmen, bei der er einige Veranstaltungen besucht hat. "Es ist schön zu sehen, wie sich eine Vielfalt entwickelt hat." Blasche hat vor, ein Gegengewicht zum rechtsextremen Gedankengut zu setzen. Der Tag selbst bedeutet für ihn eine Mischung aus Anspannung und Hochspannung. Auch bei den Kundgebungen am Vormittag will er sich beteiligen. "Ich hoffe auf einen friedlichen Verlauf, aber auch darauf, dass es gelingt, die Nazis am Bahnhof zu stoppen."

Mit Zeilen der Lyriker Hüsch und Fried wird sich TdA-Intendant Alexander Netschajew beteiligen. "Ich will zeigen, was uns von denen, die solche Aufmärsche machen, unterscheidet", kündigt er "starke Texte" an.

Um 15.30 Uhr beginnt in der St.-Marienkirche ein Friedensgebet. Regionalbischof Christoph Hackbeil schließlich wird ein Bild schildern. "Nur wo Licht ist, kann man auch Farben sehen", sagt er. Licht, das sei Vernunft, Güte, Frieden. Die Nazis hingegen "suchen das Dunkle und fischen im Trüben". "Wir aber müssen das erhalten was unsere Welt hell macht", fordert Hackbeil.