Wust l Dass für die Außenstelle Wust der Grundschule Schönhausen wegen sinkender Schülerzahlen die Jahre gezählt sind, war allen klar. Dass aus Jahren nur wenige Monate werden und der Standort bereits Ende dieses Schuljahres geschlossen wird, kam dann doch überraschend. Die Entscheidung des Landesschulamtes war dem Landkreis Ende März mitgeteilt worden. Seither gab es zahlreiche Elternversammlungen, Gespräche mit Vertretern des Landesschulamtes, Sitzungen des Verbandsgemeinderates und seines Hauptausschusses. Derzeit beschäftigen sich die Kreistagsgremien damit, weil die Mittelfristige Schulentwicklungsplanung des Landkreises in diesem Punkt geändert werden muss.

Amt sieht Platzfrage geklärt

In den vergangenen Jahren hatte es für die Außenstelle Wust Ausnahmegenehmigungen gegeben, bis in der Grundschule Schönhausen die räumlichen Voraussetzungen geschaffen worden sind, um weitere Schüler aufzunehmen. Laut Landesschulamt ist das jetzt gegeben, alle anderen Beteiligten widersprechen dem. Die Behörde hat nun aber die Schließung des Wuster Standortes verfügt – alle Schüler vom Standort Wust müssten zur Stammschule Schönhausen wechseln. Das aber wollen die Eltern nicht, Unterstützung gibt es vom Verbandsgemeinderat als Träger der Schule.

Ihr gemeinsamer Wunsch, der auch vom Rat beschlossen wurde: Die Kinder aus Fischbeck und Kabelitz werden ab dem kommenden Schuljahr in Schönhausen beschult, die Kinder aus Wust, Wuster Damm, Wust Siedlung, Briest, Melkow und Sydow in der Grundschule Klietz – und zwar alle Jahrgänge. Doch dieser vom Verbandsgemeinderat festgelegten Änderung der Schulbezirke verweigert das Landesschulamt seine Zustimmung.

Grundsätzlich und für die Zukunft würde es dieser Aufteilung aber zustimmen, allerdings mit der Einschränkung: „Beginnend mit der 1. Klasse“. Heißt: Die Abc-Schützen dieses Jahres und die folgenden Einschulungsjahrgänge könnten wie vorgeschlagen die Grundschulen in Schönhausen oder Klietz besuchen. Die künftigen Zweit- bis Viertklässler der Außenstelle Wust müssten jedoch komplett nach Schönhausen wechseln, weil sie in diesem Schulbezirk eingeschult wurden. Die Änderung der Schulbezirke würde damit erst einmal nur für die neuen Erstklässler gelten.

Dabei beruft sich die Behörde darauf, dass jeder Schüler das Recht hat, bis zum Ende der Grundschulzeit die Schule zu besuchen, in die er eingeschult worden ist – und das ist für die Wuster eben die Stammschule Schönhausen. Ein Argument, das die Eltern, den Verbandsgemeinderat und die Mitglieder des Kreis-Schulausschusses nicht überzeugt. Denn die Schüler der Außenstelle Wust wurden bisher auch nicht in Schönhausen unterrichtet. „Wenn sie dort noch nie waren, dann ist es doch egal, wohin sie wechseln“, sagte Torsten Dob­berkau (SPD-Fraktion) während der Sitzung.

Der Schulausschuss hat sich einstimmig für die von den Eltern gewünschte und vom Verbandsgemeinderat beschlossene Variante entschieden. Dobberkau: „Der gesunde Menschenverstand muss doch siegen.“ Er plädierte dafür, dass der Kreistag fraktionsübergreifend eine klare Position bezieht. Ein weiteres Argument dafür: Der Grundschulstandort Klietz könnte gestärkt werden. Denn in vier, fünf Jahren wäre nach bisheriger Prognose der Standort mit zirka 40 Schülern gefährdet.

Auch Annegret Schwarz (CDU-Fraktion) warb um Zustimmung. Selbst wenn das Schulgesetz es anders formuliert, „sollten wir den klaren Elternwillen akzeptieren“, sagte sie und führte als weiteres Argument die organisatorischen Probleme für Eltern ins Feld, wenn Geschwisterkinder in verschiedenen Schulen wären. „Wir sollten das Kindswohl betrachten, den Elternwillen, und Geschwisterkinder nicht auseinanderreißen“, sagte Steffi Friedebold (Fraktion Landwirte/FDP), Verbandsbürgermeisterin der Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land. Horst Janas (Linke/Grüne-Fraktion): „Der Kreistag sollte die Spielräume nutzen.“

Auch bei der Schülerbeförderung. Denn die in der Satzung festgelegte Zeit von 30 Minuten pro Schulweg würde bei der Fahrt nach Klietz in einigen Fällen überschritten werden. Von Briest, Sydow und Melkow könnten es etwa 40 Minuten werden. Das sei den Eltern bewusst, sie möchten trotzdem die Beschulung in Klietz, erklärte Denis Gruber (SPD), 1. Beigeordneter des Landrates.

Kreistag kann nicht entscheiden

Auch der Kreis- und Personalausschuss hat sich einstimmig hinter die Position der Eltern gestellt. Die Landesregierung verliere an Glaubwürdigkeit, sagte Frank Wiese (Fraktion Landwirte/FDP), wenn sie die Entwicklung des ländlichen Raumes unterstützen will und dann solche Entscheidungen treffe. Landrat Carsten Wulfänger (CDU) dämpfte etwas die Erwartungen: Selbst wenn der Kreistag dies so beschließt, sei der Elternwunsch noch nicht erfüllt.