Stendal l Es gibt nichts Gutes, außer man tut es – diesen Satz des Schriftstellers Emil Kästner hat die Bürgerstiftung Altmark zu ihrem Leitspruch erhoben. „Wir möchten Anstifter für ehrenamtliches Engagement sein, das gedeihliche Zusammenleben fördern“, sagt Jürgen Lenski, der seit 2014 den dreiköpfigen Vorstand leitet, dem zudem Ramona Burmester aus Tangermünde und Annegret Spillner aus Osterburg angehören.

Hennig von Katte von Lucke, der derzeit dem 13 Teilnehmer zählenden Stiftungsrat – das Aufsichtsgremium der Stiftung – vorsitzt, hatte Burmester gefragt, ob sie sich eine Mitarbeit vorstellen könnte. „Ich habe mich erst einmal informiert, was eine Bürgerstiftung ist, habe dann Jürgen Lenski kennengelernt und schnell gemerkt, dass die Chemie stimmt. Und da ich die Arbeit der Stiftung als etwas sehr Sinnvolles ansehe, habe ich zugesagt“, blickt die 55-jährige Lehrerin, Mutter von sechs erwachsenen Kindern, zurück.

Schilder bald auch in Tangermünde

Sie kümmert sich seitdem unter anderem um die Aktion „Bildung im Vorübergehen“, bei der mit Zusatzschildern Wissenswertes über Namensgeber von Straßen vermittelt wird. „Das ist interessant. Wir arbeiten da mit Schulen zusammen, die so auch eine Art von Geschichte, Heimatgeschichte, erforschen und erleben.“ Knapp 40 Zusatzschilder wurden bislang in Stendal angebracht.

Ein Ende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil. Das Projekt wird auf Osterburg und Tangermünde ausgedehnt. In der Elbestadt sollen noch in diesem Jahr vier Straßen mit solchen Zusatzinformationen ausgestattet werden: Fritz-Schulenburg-Straße, Ulrichsstraße, Ernst-Drong-Straße und Meyerstraße.

Bildung im Vorübergehen vermittelt die Bürgerstiftung gemeinsam mit der Kaschade-Stiftung und dem Verein der Bücherfreu(n)de quasi auch mit den öffentlichen Bücherschränken beziehungsweise -zellen, die im Kreis Stendal aufgestellt werden. Bislang immerhin rund 40 ermöglichen den Zugang zur Literatur. „Die Ausleihe kostet nichts, man muss sich nicht anmelden, die Bücher sind frei zugänglich“, sagt Lenski. Und Burmester freut sich: „Es läuft super. Vandalismus gibt es nicht.“

Dann gibt es da noch den Wettbewerb „Ideen-Stifter“, den die Bürgerstiftung auf den Weg gebracht hat und für den die Kreissparkasse Preisgelder bereitstellt.

Kleine Projekte mit großer Wirkung

„Mit 120 000 Euro Stiftungskapital zählen wir zu den kleineren Bürgerstiftungen in Deutschland“, macht Lenski deutlich. Entsprechend setzt sie auch auf kleine Projekte, hofft dabei auf eine große Wirkung, so der Rheinländer, der inzwischen in Stendal wohnt und für sein Rentnerdasein eine „sinnvolle Aufgabe suchte, die ich mit der Stiftung fand“.

Er nennt drei Beispiele dafür. Im Vorjahr gab es einen Zuschuss für das musikalisches Programm „9. Sinfonie der Tiere“ an der Flessauer Schule. Zu den Osterburger Literaturtagen ermöglicht die Stiftung die Lesung eines Kinderbuchautoren in einer Schule, und im August finanziert sie ein Puppenspiel zum Fest des Fördervereins St. Nikolaus in Beuster.

Mehr Tempo wünscht sich Lenski beim Vorhaben zum Mehrgenerationenwohnen. Ein Gebäude in Stendal gebe es schon, doch speziell zum Bau und Betreiben der Gemeinschaftseinrichtungen bedürfe es Fördergelder, erklärt der 67-Jährige, der früher in der Erwachsenenbildung tätig war und sich heute vielfältig im Ehrenamt betätigt. So als Schiedsmann, in einem Migrantenverein, in der Initiative „Herz statt Hetze“, bei einem Erzähl-Café im Stendaler Dom und im Theaterförderverein Stendal. Apropos Theater: Gern schaut er sich Aufführungen an, doch sein großes Faible ist das Kino. Dafür nimmt Jürgen Lenski auch weite Touren in Kauf – wenn ihm denn das Ehrenamt bei der Bürgerstiftung Altmark Zeit lässt.

Ein enges Zeitkostüm können er und Ramona Burmester allerdings durchaus verschmerzen, sagen sie sich doch: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.