Arneburg l Viele Tonnen Zellstoff warten täglich auf dem Gelände von Sofidel in Arneburg darauf, in Toilettenpapier, Taschentücher oder Küchenrollen verarbeitet zu werden. Besonders Toilettenpapier hat während der Corona-Krise sehr viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Auf dem 300.000 Quadratmeter großen Gelände (umgerechnet 42 Fußballfelder) wird aus Zellstoff, der sich wie Holz anfühlt, sogenanntes „Tissue-Papier“ hergestellt.

Die Fabrik ist wie ein Schlauch aufgebaut, erklärt Werksleiter Stefan Müller. An dem einen Ende kommt Zellstoff rein, an dem anderen Ende kommen die verschiedenen Papierprodukte raus. Zwei Arten von Zellstoff werden verarbeitet: Kurzfasern, die aus harten Hölzern wie Eiche bestehen, beeinflussen die Weichheit von Papier und Langfasern, die aus weichen Hölzern wie Kiefer bestehen. Der Langfaser-Zellstoff kommt direkt aus der Nachbarschaft vom Zellstoffwerk, dessen Fabrikgebäude vom Gelände des Papierwerkes zu sehen sind.

Lagergrößen der Märkte reichen nicht

Der Werksleiter hatte zu Beginn der Corona-Krise und der Hamsterkäufe kurze Zeit befürchtet, die Produktion könne der großen Nachfrage nicht nachkommen. Doch das sollte nicht der Grund sein, warum die Regale in den Supermärkten leer blieben und immer noch spärlich gefüllt sind. „Unsere Ware braucht im Lager viel Platz“, sagt der 51-Jährige. Bis zu 40.000 Paletten kann das italienische Unternehmen in der Fabrik in Arneburg gleichzeitig auf Lager haben. Die Großhändler, die das Toilettenpapier an die verschiedenen Supermärkte verteilen, besäßen diese Lagergröße nicht. Supermärkte haben dasselbe Problem. „Die Versorgung mit unseren Produkten war niemals gefährdet“, sagt Stefan Müller.

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Doch bevor an das Ausliefern von Toilettenpapier gedacht werden kann, muss der Zellstoff verarbeitet werden. Über ein Laufbahn wird der Zellstoff zu einem Pulper, einem großen Rührbottich, transportiert. Dort lösen sich die Fasern in großen Mengen Wasser auf. Mit einem Anteil von lediglich einem Prozent Zellstoff fließt das Gemisch über Schläuche zur Papiermaschine. Mithilfe von sieben Pressen und viel Wärme wird das Wasser entfernt und am Ende entstehen riesige Papierrollen .

Aber warum die große Nachfrage nach Toilettenpapier? Stefan Müller kann auf die Frage auch nur mutmaßen. „Toilettenpapier scheint ein Produkt zu sein, bei dem man am leichtesten Angst bekommt, dass es wegfällt“, sagt der gebürtige Oberharzer. Üblicherweise liefert der Papierhersteller 1700 Tonnen verschiedener Papiersorten pro Woche aus. Als die Hamsterkäufe begannen, gab es plötzlich drei Wochen mit einem Lieferaufkommen von mehr als 3000 Tonnen. Etwa die halbe Lagergröße verließ wöchentlich das Fabrikgelände.

Papierhersteller rüstet auf

Glücklicherweise habe der Papierhersteller bereits Mitte 2019 damit begonnen mehr Mitarbeiter einzustellen und ist neben Auszubildenden in den Berufen Mechatroniker, Elektriker und Industriekaufmann immer noch auf der Suche nach Fachkräften. Damit sind die Maschinen fast an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt und produzieren am Tag rund 300 Tonnen Ware. Mittlerweile habe sich die Situation aber beruhigt und es werde wieder wie zu normalen Zeiten bestellt.

Was für den äußeren Beobachter nicht normal wirkt, ist das Zwischenlager nach der Papiermaschine. Riesige Papierrollen, die einen Durchmesser von rund zwei Meter besitzen und fast drei Meter hoch sind, warten darauf, in die nächste Halle transportiert zu werden. Die Dicke des Papiers entspricht etwa einlagigem Toilettenpapier. Bei einer Lage bleibt es aber nicht. Toilettenpapier mit bis zu fünf Lagen wird in der Arneburger Fabrik hergestellt.

Was jede Rolle jedoch zuerst benötigt, ist ein Kern aus Pappe. Diese erhalten zunächst Prägungen der entsprechenden Marken, sind aber noch nicht auf Größe geschnitten. Das passiert erst, nachdem sie mit Papier übergezogen wurden.

Weniger Kunststoff statt Recycling

Das passiert alles im Inneren der Maschinen. Auf halbem Wege durch die riesige Halle werden plötzlich Tausende Rollen Toilettenpapier im hohen Tempo auf Fließbändern weiter transportiert, um kurz darauf verpackt zu werden. Nach einem völlig automatisierten Vorgang steht die Ware am Ende der Halle fertig verpackt auf Paletten bereit, um abgeholt zu werden.

Aus recyceltem Papier bestehen die Produkte der Papierfirma nicht. „Wir produzieren nur aus frischem Zellstoff“, sagt Stefan Müller. Ihm zufolge wäre der energetische Aufwand für das Wiederverwerten von Altpapier zu hoch, als dass es einen positiven Einfluss auf die Umwelt hätte. Stattdessen setzt die Firma darauf, von ihren Kunststoffverpackungen auf Papier zu wechseln.

Sogar schon beim Holz für den Zellstoff spielt der Umweltgedanke eine Rolle. Es werde nur Holz aus Europa verwendet und nur aus nachhaltiger Holzwirtschaft, sagt der Werksleiter. Wenn alles gut geht, wird die Fabrik im Jahr 2020 rund 100.000 Tonnen Ware ausliefern und den Nachschub an Toilettenpapier weiter sichern.