Tangermünde l Schreckliche Szenen am Freitagmorgen in Tangermünde: In einer lichterloh brennenden Doppelhaushälfte ist eine 81-jährige Frau ums Leben gekommen. Ihr ein Jahr älterer Ehemann sowie ihre 58-jährige Tochter konnten sich zwar aus dem Inferno retten, erlitten aber Rauchgasvergiftungen und müssen im Krankenhaus behandelt werden.

Entsetzen bei Nachbarn

„Wir sind heute morgen beinahe aus dem Bett gefallen“, sagt eine Nachbarin. Sie schaut aus dem Fenster ihres Eigenheims in der Carl-von-Ossietzky-Straße von Tangermünde. Sie kann es noch nicht fassen, welche Tragödie sich nur wenige Meter von ihrem Grundstück entfernt ereignet hat.

In den Morgenstunden war die Feuerwehr von der Rettungsleitstelle alarmiert worden. Wer den Notruf ausgelöst hatte, war über die Pressestelle des Landkreises Stendal nicht zu erfahren. „Der Landkreis gibt diese Information nicht heraus“, erklärt Sorecherin Sabrina Lamcha aus dem Büro des Landrates.

„Als wir vor Ort eintrafen, stand das Erdgeschoss des Hauses in Vollbrand“, berichtet Steffen Buddy, Einsatzleiter der Ortsfeuerwehr Tangermünde. Klar sei zu diesem Zeitpunkt bereits gewesen, dass sich zwei Personen (Vater und Tochter) hatten selbst aus dem brennenden Haus retten können, aber die Frau noch vermisst wurde.

Während die beiden vom Rettungsdienst betreut und später auch aufgrund des Verdachtes einer Rauchgasvergiftung in ein Krankenhaus eingeliefert wurden, starteten die herbeigerufenen Feuerwehren ihren Einsatz. „Wir haben den Löschangriff aufgrund des Vollbrandes von innen und außen gefahren“, so Steffen Buddy. Während ein Trupp zu Beginn der Löscharbeiten alle Medien wie Strom, Gas und Wasser abschaltete, sorgten zwei weitere dafür, das Feuer unter Kontrolle zu bekommen.

Wehrleute finden Opfer

Wichtig war auch, ein Übergreifen der Flammen auf die angrenzende Doppelhaushälfte zu verhindern. Die dort lebende 84-jährige Bewohnerin hatte allerdings von selbst ihre Wohnung verlassen und sich in Sicherheit gebracht. Später, nach Abschluss der Löscharbeiten, half ihr ihre Familie dabei, Hab und Gut aus dem Haus zu tragen, um vorübergehend bei ihr leben zu können. Wenn auch das Feuer nicht bei ihr direkt „angekommen“ war, so hatte sich aber doch der Brandgeruch auch in ihrem Haus verteilt.

Während der Löscharbeiten, bei denen die Einsatzkräfte unter Atemschutz in das Gebäude vordrangen, fanden die Männer im Erdgeschoss die zunächst vermisste Bewohnerin des Brandhauses. „Der hinzugezogene Notarzt konnte nur noch den Tod der Frau feststellen“, teilte Polizeisprecherin Beatrix Mertens mit.

Zwei Stunden dauerte der Feuerwehreinsatz. Von der Leitstelle aus war nicht nur die Tangermünder Ortswehr mit all ihrer Technik alarmiert worden. Auch weitere Ortswehren der Stadt Tangermünde wurden benötigt, um ausreichend Kräfte zu Verfügung zu haben.

Zum Ende der Löscharbeiten wurden auch Keller, Dachgeschoss und Nachbarhaus kontrolliert, um sicher sein zu können, nichts übersehen zu haben. Dann rückten die meisten Kameraden ab. Lediglich ein Trupp mit Gruppenführer Ronny Haack blieb noch vor Ort, um den Ermittlern der Kriminalpolizei weitere Fragen beantworten zu können.

Keine weitere Verwandten

Fest steht, dass das Haus nach dem Brand nicht mehr bewohnbar ist. Wo der 82-Jährige und dessen Tochter nach Entlassung aus dem Krankenhaus künftig wohnen können, ist noch unklar. Denn Verwandschaft in der Nähe haben sie nicht. Erst im vergangenen Jahr hatte das Paar seine Diamantene Hochzeit gefeiert und dabei von seinem entbehrungsreichen und aufopfernden Leben berichtet.

Obwohl selbst nicht wohlhabend, galt das Paar in Tangermünde als hilfsbereit und uneigennützig. Bis zuletzt war die 81-Jährige gesellschaftlich aktiv gewesen.

„Ich finde das ganz schrecklich“, sagt eine Anwohnerin der Carl-von-Ossietzky-Straße, die erst zum Einsatzort gekommen ist, als die Löscharbeiten abgeschlossen waren. „Gestern erst haben wir noch miteinander erzählt. Jetzt ist sie nicht mehr da. Furchtbar. Wie soll es jetzt nur für den Mann und die Tochter weitergehen?“, fragt sie, „schließlich hat sie sich doch immer um alles gekümmert.“

Technischer Defekt?

Unmittelbar nachdem die Feuerwehren ihren Einsatz beendet hatten, machten sich Ermittler der Polizei an die Suche nach der Ursache für das verheerende Feuer. Nach Angaben der Polizeiinspektion Stendal wurden sie schnell fündig: Als Brandursache gelte eine defekte elektrische Heizdecke, teilte ein Sprecher am Freitagnachmittag gegenüber der Volksstimme mit.