Magdeburg/Stendal l Die Kapazität des Magdeburger Müllheizkraftzwerkes (MHKW), eines der größten in Europa, ist beachtlich: 650.000 Tonnen Müll können dort jährlich verbrannt werden - und die Bunker sind zumeist rappelvoll. Der gesamte Hausmüll aus dem Landkreis Stendal macht dabei lediglich knapp 8000 Tonnen aus. Dazu kommen noch 6000 Tonnen gewerblicher Müll aus dem Landkreis.

Trotz der gigantischen Menge, die in Magdeburg-Rothensee verarbeitet und zu Strom und Fernwärme gemacht werden kann, stößt die Anlage an ihre Kapazitätsgrenzen. „Wir kämpfen mit den Mengen“, sagte der Geschäftsführer Rolf Osterhoff, als er am Dienstag die Mitglieder des Umweltausschusses des Landkreises die Anlage zeigte. „Abfallvermeidung ist aus der Mode gekommen.“ Das Konsumverhalten spiegele sich bei der Verbrennungsanlage wider. Es sei heute nahezu unmöglich, einkaufen zu gehen, ohne dabei Müll zu produzieren, sagt Oesterhoff. Und: „Versuchen Sie mal ein altes Windrad zu entsorgen.“

Anlage arbeitet an der Kapazitätsgrenze

„Es ist alles dabei, was Leute in die Tonne kriegen – wir haben hier schon Badewannen und Motorblöcke gehabt“, sagt Oesterhoff. Es werden auch Unmengen an Drogen verbrannt, die beschlagnahmt wurden. Das reicht von Cannabispflanzen über Chrystal bis hin zu Kokain. Der Geschäftsführer hat einen weiteren erstaunlichen Fakt: „Wir können die Anlage mit sieben Mitarbeitern betreiben“, sagt er. Insgesamt arbeiten dort rund 100 Beschäftigte, viele im Schichtdienst.

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Während vor Jahren noch Verträge mit Kunden in Irland und England abgeschlossen wurden, um die Anlage auszulasten, werde mittlerweile an der Kapazitätsgrenze agiert. Dabei werde der Abfallwirtschaftsplan des Landes zunehmend zu einem Problem. Es geht um Deponiekapazitäten, um noch das loszuwerden, was nach dem Verbrennungsprozess übrig bleibt – dies sind rund zehn Prozent des Ursprungsgewichtes. Was nicht im Straßenbau Verwendung findet, muss deponiert werden. „Es gibt so gut wie keine Kapazität mehr“, sagt Oesterhoff. Das Umweltministerium unterliege erheblichen Fehleinschätzungen. „Die Situation ist dramatisch.“

In Rothensee resultiert die Verbrennmenge zur Hälfte aus Hausmüll und zur anderen Hälfte aus Gewerbemüll. Die meisten Kommunen im Umkreis von 100 Kilometer liefern dort an. Die Kommunen schreiben die Aufträge aus und das MHKW bewirbt sich jeweils.

Eine veränderte Marktlage

„Die Abfallmärkte haben sich verändert“, sagt Oesterhoff. Mittlerweile könnten sich Kunden glücklich schätzen, wenn sie längerfristige Verträge zu guten Konditionen bekommen.

Zu früheren Zeiten war dem Landkreis Stendal allerdings ein langfristiger Vertrag schon einmal böse auf die Füße gefallen. 2003 war ein Vertrag bis 2017 geschlossen worden, es wurde dabei eine Mindestmenge von jährlich 23.000?Tonnen festgelegt. Bedingt durch den demografischen Wandel sanken die Müllmengen stark ab. Der Landkreis musste ab 2007 Müll zukaufen, um keine Vertragsstrafen leisten zu müssen.

Nun gibt es einen auf sechs Jahre angelegten Vertrag ohne Müllmengenfestlegung. „Die Zusammenarbeit klappt sehr gut“, lobt Oesterhoff. Auffällig sei, dass die Mengen an Hausmüll sehr stabil seien, während es in anderen Regionen zehnprozentige Steigerungen gebe.

Gebühren beeinflussen Müllaufkommen

Ohne auf die spezielle Situation in Stendal einzugehen, wies Oesterhoff darauf hin, dass nur mit angemessen Gebühren der Müll gelenkt werden könne. Man habe ansonsten erhebliche Fehlwürfe. Die Leute trennen nicht richtig. Allein bei den Gelben Tonnen würde die Quote bis zu 50 Prozent ausmachen. „Dann muss man sehr aufwändig sortieren.“

Im Landkreis Stendal ist lediglich die Hausmülltonne gebührenpflichtig, entsprechend sinkt das Müllaufkommen stetig. Beim Biomüll, für den keine Gebühr erhoben wird, steigt die Menge dagegen kontinuierlich. 2017 lag sie bei mehr als 18.000 Tonnen – mehr das Doppelte vom Hausmüll.

Apropos Bio. Der Hausmüll in Rothensee besteht nach Angaben von Geschäftsführer Osterhoff zur Hälfte aus Lebensmitteln und Gartenabfällen. „Das ist keine Schätzung, sondern wird unabhängig überprüft.“ Der Strom aus dem Heizkraftwerk kann als Biostrom verkauft werden. „Frau Dalbert war schockiert“, sagte Oesterhoff. Die grüne Umweltministerin hatte vermutlich eher regenerative Energie wie Windkraft vor Augen gehabt. Der Strom aus dem Heizwerk könne aber leider nicht nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) abgerechnet werden, dann brächte das wesentlich mehr Geld ein, so Oesterhoff.