Stendal l Von einem Elbhochwasser wurde Stendal zuletzt 1909 heimgesucht. Durch die DIN-gerecht sanierten Deiche dürfte das nicht wieder passieren. Trotzdem ist Stendal vor Hochwasserszenarien nicht gefeit, dass hat der Landesbetrieb Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) ermittelt. Dieser hat ein Überschwemmungsgebiet der Uchte von der Mündung in die Biese bis nach Uchtspringe ermittelt. Dies soll in einer Verordnung festgesetzt werden, damit der erforderliche Hochwasserschutz betrieben werden kann. Noch bis zum 21. Februar liegen die Unterlagen dazu aus – auch im Stendaler Rathaus.

Im Stadtgebiet in Stendal liegt ein wesentliches Überschwemmungsareal der Uchte im Osten der Stadt – im südlichen Bereich des Haferbreiten Wegs. Dies ist genau das Gebiet, indem die Stadt zwei Stichstraßen bauen und damit Bauplätze schaffen möchte.

In Stadtpolitik regt sich Widerstand

„Ich muss mir immer wieder anhören, dass es keine Bauplätze mehr in der Stadt gibt“, sagte Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) unlängst im Hauptausschuss. Um die Stichstraßen bauen zu können, hat die Stadt ein Umlegeverfahren in die Wege geleitet und die Ausführung in die Hände des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation gelegt. Am Ende sollen die Anlieger nicht nur die Straßen zu 90 Prozent bezahlen, sondern auch noch einen Wertausgleich zahlen, da ihre Weidegrundstücke zu Bauland werden.

Zahlreiche Grundstückseigentümer sind vehement gegen das Verfahren, teilweise wurden juristische Schritte eingelegt. In einem ersten Gerichtsurteil, wurde die Linie der Stadt bestätigt. Allerdings regt sich auch in der Stadtpolitik Widerstand. Im Dezember fand sich im Stadtrat eine knappe Mehrheit, das Verfahren anzuhalten. Oberbürgermeister Schmotz (CDU) legte sein Veto. Nun muss der Stadtrat sich erneut damit befassen.

Die Gegner des Umlegeverfahrens hatten bereits vor geraumer Zeit auf Entwässerungsprobleme so wie die in Arbeit befindliche Hochwasseranalyse angeführt, um die Stadt von ihrem Vorhaben abzubringen. Sie befürchten überdurchschnittlich hohe Baukosten für die Straßen samt der Entwässerung. Außerdem könne eine Vermarktung der Baugrundstücke problematisch werden, wenn sich herumspricht, dass das Areal in einem potenziellen Überschwemmungsgebiet liegt. Auch die Frage nach höheren Kosten für den Versicherungsschutz der Gebäude stellt sich.

Apropos Kosten. Mittlerweile sickern erste Zahlen durch, was die Anlieger zu zahlen haben – und diese Kosten sind tatsächlich beachtlich hoch. Die Stadt hat einen „vorsichtig geschätzten Kostenrahmen“ zu Papier gebracht. Demnach sind für die beiden zu bauenden Stichstraßen jeweils rund 1,68 Millionen Euro an Kosten kalkuliert. Für Straßenbau, die Beleuchtung und die Oberflächenentwässerung werden 919 000 Euro fällig, die von den Anliegern gemeinschaftlich zu 90 Prozent zu zahlen sind. Dazu kommen Anschlüsse für Strom, Trinkwasser und Erdgas. Ferner ist der Schmutzwasserablauf zu berücksichtigen.

Hochwasser wird einmal in 100 Jahren erwartet

Beispielsweise müssen die 32 Grundstückseigentümer an der Stichstraße zwischen den Pferdemärschen und Zur Weide im Schnitt rund 34 500 Euro pro Grundstück zahlen. Dazu kommt noch der Wertausgleich für die Grundstücke. In bestimmten Fällen werden noch zusätzliche Anschlusskosten fällig, wenn ein Grundstück auch noch an die Straße Zur Weide grenzt.

Was das Hochwasserszenario angeht, so stuft das Landesverwaltungsamt als HQ 100 ein, also mit einer Wahrscheinlichkeit, dass das Gebiet einmal in 100 Jahren geflutete wird. Die Unterlagen dazu können detailliert beim Landkreis sowie in den Stadtverwaltung von Stendal, Osterburg und Bismark sowie der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck eingesehen werden.