Stendal l Begonnen hat alles mit einem Zufall. Jürgen Lenski, Vorsitzender der Stendaler Bürgerstiftung, war vor zwei Jahren auf einer Konferenz in Paretz und kam dort mit dem Vorstandsvorsitzenden der Zeit-Stiftung ins Gespräch. „Der hatte irgendwie eine sentimentale Bindung zu Stendal, weil er mal in eine Stendalerin verliebt war“, erzählte Lenski. 5000 Euro könnte die Stiftung für ein Bildungsprojekt in Stendal investieren. Und Jürgen Lenski hatte eine Idee.

„Ich habe gleich an Birgit Richter gedacht“, sagte er. Die stellvertretende Leiterin der Bilingualen Grundschule entwickelte das Konzept für ein Sprachenfestival, das in Stendal stattfinden sollte. Für die Idee gab es im Oktober 2017 einen Anerkennungspreis von der Bürgerstiftung in Höhe von 500 Euro, praktisch als Anschub. „Wir haben dann für das Projekt geworben und wollten Schulen dafür begeistern“, schilderte Birgit Richter. Das sei aber gar nicht so leicht gewesen. Schließlich gelang es ihr aber doch, eine ansehnliche Reihe von Kooperationspartnern zusammenzubekommen. Dabei wird ein Bogen vom Kindergarten bis zur Hochschule gespannt.

Das Festival, das am 16. April von 14.30 bis 19 Uhr im Theater der Altmark stattfindet, besteht aus zwei Teilen. Zum einen gibt es ein selbstausgedachtes Theaterstück, das an das Kinderbuch „Vier-Farben-Land“ angelehnt ist. Das Stück handelt von einer Welt, die in vier Farben eingeteilt ist, und jeder in seiner eigenen Farbenwelt lebt. Von Toleranz keine Spur. Bis die Kinder auf die Idee kommen, dass eine bunte Welt viel besser ist.

Workshops mit vielen Ideen

In der Festival-Variante geht es nicht nur um vier Farben, sondern auch um vier Sprachen. Grün steht für die Bilinguale Grundschule (Englisch), Rot für die Grundschule „Am Stadtsee“ (Russisch), Gelb für das Winckelmann-Gymnasium (Französisch) und Blau für die Petrikirchhofschule (Persisch/Arabisch). „Es wird zwei Aufführungen mit jeweils 100 Zuschauern geben“, kündigte Richter an. Karten würden nicht verkauft, sondern eine Spendenbox aufgestellt. Finanziert wird das Festival von der Zeit-Stiftung. Der Antrag den Birgit Richter formuliert hatte, war erfolgreich. Karten müssen reserviert werden, entweder unter 03931/63 57 77 oder per Mail an besucherservice@tda-stendal.de

Der zweite Teil des Festivals besteht aus Workshops. Auch dafür gelang es Birgit Richter, einige Partner zu gewinnen. So wird die Kulturkantine Spezialitäten aus den Ländern mitbringen, die die Sprachen im Theaterstück repräsentieren. Die Sprachschule Inlingua wird Disney-English vorstellen. Dieser Sprachkurs ist für Kinder von drei bis zehn Jahren entwickelt und auf die Entwicklungsstufe der jeweiligen Altersgruppen abgestimmt. In verschiedenen Lernstufen entwickeln die Kinder ihre Kommunikationskompetenz in Englisch bei garantiert hohem Spaßfaktor. „Es ist toll, wenn die Kinder die Lieder aus den Filmen singen, die sie kennen, das kommt sehr gut an“, beschrieb Richter.

Die Musikerfabrik bringt – wie könnte es anders sein – Musik mit. Sie will zeigen, wie die Musik als Weltsprache Menschen einander näherbringt und so das Leben auch ein gutes Stück schöner macht. Um Sprache im klassischen Sinne, und das ganz wörtlich, geht es beim Workshop des Winckelmann-Museums. Das stellt nämlich die ausgestorbene Sprache Altgriechisch vor.

Vorfreude bei der Organisatorin

Die Hochschule Magdeburg-Stendal präsentiert den Besuchern die Ergebnisse eines Forschungsprojekts zum Thema Fremdsprachen. Und das Privatgymnasium schließlich hat ein Französischprojekt im Gepäck.

Die Werbetrommel für das Sprachenfestival wird nicht erst seit dem Pressegespräch gerührt, sondern schon seit einigen Monaten. Dafür wird ein Schaufenster des ehemaligen Kaufhauses Uppstall genutzt. Die Idee dafür stammt von Carla Reckling-Kurz von der Leuschner-Creativgesellschaft aus Berlin. „Die Menschen sollen hineinschauen können, das ließ sich in einem Schaufenster am allerbesten umsetzen“, sagte sie.

Birgit Richter ist die Vorfreude auf den 16. April deutlich anzumerken. Inspiriert ist sie nicht nur durch die vielen mitwirkenden Schulen und anderen Einrichtungen, sondern auch durch das Miteinander der Akteure. „Es ist wirklich unglaublich toll“, nannte sie ein Beispiel, „wie toll Berufsschüler und Grundschüler bei den Proben miteinander umgehen.“