Vinzelberg l Es sind zwar nur kleine Schritte, dennoch kommt das Immobilienprojekt in Vinzelberg voran. Olaf Finger, Bevollmächtigter der Stiftung „Home & Car Energie Solution“ (HCES) aus Gütersloh, stattete dem Planungs-und Bauordnungsamt einen Besuch ab, um Unterlagen und aktualisierte Pläne nachzureichen. Um Bauanträge handelt es sich dabei jedoch noch nicht, wie Armin Fischbach von der Pressestelle der Stadt Stendal Auskunft gibt.

Stattdessen seien zwei Bauvoranfragen zu zwei Grundstücken im Stendaler Ortsteil beim Bauaufsichtsamt eingegangen. Als Vorstufe zum Bauantrag sind die Anfragen sinnvoll, wenn noch nicht ganz klar ist, ob eine Bebauung eines Grundstücks überhaupt möglich ist. Die Stiftung möchte offenbar zunächst die Umsetzbarkeit ihrer Pläne ausloten. Kriegt sie grünes Licht, würden auf dem einen Areal „zwei Doppelhäuser sowie ein Zweifamilienhaus mit Büro und Lagerplatz entstehen“, berichtet Armin Fischbach. Auf der anderen Fläche plant die HCES zwei Mehrfamilienhäuser. „Nach der Vervollständigung der Unterlagen erfolgt nun die planungsrechtliche Prüfung“, erklärt der Mitarbeiter der Stadtverwaltung.

Abbruchgenehmigung noch nicht beantragt

Zur Erinnerung: Die Stiftung möchte im großen Stil in dem Stendaler Ortsteil investieren. 120 neue Wohnungen sollen entstehen, außerdem ein Supermarkt und eine Arztpraxis. Die Neubauten sollen mit Ladestationen für E-Autos ausgerüstet werden. Zum Konzept der „Home & Car Energie Solution“ gehört außerdem der Tausch von Immobilien. Ältere Menschen erhalten dabei die Möglichkeit, der HCES ihre Immobilie zu übertragen und im Gegenzug eine lastenfreie Immobilie der Stiftung zu erhalten.

Sieben Grundstücke haben die Investoren bereits erworben, unter anderem die seit Jahren leer stehende Gaststätte „Deutsches Haus“. Für jenes Gebäude wollte man eigentlich eine Abbruchgenehmigung beantragen, der Abriss war für den Herbst geplant. Bis jetzt sind die entsprechenden Anträge aber nicht bei den dafür zuständigen Stellen gestellt worden.

In Vinzelberg stoßen die Aktivitäten der HCES nicht ausschließlich auf Gegenliebe. Manch einer zweifelt an der Seriosität der Stiftung. Genährt werden diese Zweifel an dem etwas intransparenten Auftreten der HCES. Bislang haben die Verantwortlichen darauf verzichtet, das Projekt in einem öffentlichen Rahmen im Detail zu erläutern. Forscht man im Internet nach, findet sich genauso wenig ergiebiges Material. Eine Homepage existiert nicht. Im Stiftungsverzeichnis des zuständigen Regierungsbezirkes Detmold sucht man vergeblich nach einem Eintrag, wie Recherchen der Volksstimme ergaben.

Stadt Stendal verweist ans Baulandkataster

Dies hat einen guten Grund: Registriert werden soll die Stiftung in London und Irland, sagt der Stiftungsbevollmächtigte Olaf Finger. Der ist immerhin telefonisch gut erreichbar und antwortet auch ausführlich auf Anfragen, die per E-Mail bei ihm eingehen. In diesem Zusammenhang kündigt er eine Art Transparenzoffensive an. „An der Homepage wird mit Zügigkeit und Hochdruck gearbeitet“, versichert der Gütersloher.

Die Einwohner Vinzelbergs sollen darüber hinaus in einer öffentlichen Sitzung über die aktuellen Entwicklungen informiert werden. „Sobald wir eine brauchbare Versammlungsstätte gefunden haben, werden wir einen Informationstermin bekanntgeben“, kündigt der Bevollmächtigte an. Dabei wolle man mit Gerüchten aufräumen, die im Ort herumgeistern, stellt Olaf Finger klar. Bis dato sei eine derartige Veranstaltung vor allem an zeitlichen Gründen gescheitert.

Derweil kündigt Olaf Finger an, dass Vinzelberg nicht das einzige Tätigkeitsfeld der HCES in der Region bleibt. Grundstücke in einer Ortschaft in der Nähe haben das Interesse geweckt. Doch nicht nur das. Der Blick geht in Richtung Kernstadt. Die Stiftung hat ein Auge auf Liegenschaften in Stendal geworfen.

Das bestätigt die Stadtverwaltung: „Im Rahmen des Besuchs in unseren Fachämtern am 1. Oktober hat er (Olaf Finger, Anm. d. Red.) sich im städtischen Planungsamt tatsächlich über mögliche Grundstücke in Stendal informiert“, sagt Armin Fischbach. Über genauere Pläne habe man sich jedoch nicht ausgetauscht, er sei an das Baulandkataster verwiesen worden. Der Stiftungsbevollmächtigte wird etwas konkreter. Die Liegenschaften seien momentan ungenutzt. Womöglich käme eine gastronomische Nutzung in Frage.