Dahlen l Grundsätzlich hat sich der Stendaler Stadtrat am Montagabend für einen Neubau der Kindertagesstätte im 700-Seelen-Ortsteil Dahlen entschieden. Der Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) ist nun beauftragt, die Umsetzung solch eines Bauvorhabens zu prüfen. Bis auf eine Enthaltung stimmten alle Mitglieder dafür, ebenso zum Änderungsantrag des Sozialausschusses. Wie Ortsbürgermeisterin Christel Güldenpfennig erläuterte, gehe es darum, dass die Verwaltung Ausschau nach Fördermöglichkeiten hält, um bei den Kosten für einen Neubau sparen zu können.

Seit 2009 wurde in den Flachbau nicht groß investiert. Zuvor wurden im Jahr 2000 die Fenster ausgewechselt, und später wurde noch die Heizung auf modernere Technik umgestellt, doch schien eine umfassende Modernisierung immer dringlicher. Ebenso wurde nach Möglichkeiten gesucht, die Bedingungen für die wachsende Zahl der zu betreuenden Kinder zu verbessern. Der verschachtelte Zuschnitt der Einrichtung sollte im Zug einer energetischen Sanierung verändert werden, wobei zwei Anbauten das Freigelände arg eingeengt hätten.

Zurzeit 40 Kinder

In der ehemaligen Krippe in Dahlen, die früher schon durch zwei Anbauten zur Kindertagesstätte erweitert wurde, betreuen sechs Erzieherinnen zurzeit 40 Kinder im Alter von wenigen Monaten bis sechs Jahren. Die Mädchen und Jungen wohnen in Dahlen, Dahrenstedt, Welle, Heeren, Gohre, Buchholz und Stendal. Für sie alle sei die Enttäuschung groß gewesen, als die Hoffnung mit der offiziellen Absage von Fördergeld aus dem Stark-III-Programm für eine energetische Sanierung der Kita schwand und man nach dem nächsten Strohhalm griff.

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Den Weg, dass sich endlich etwas für die Kindereinrichtung tut, hat der Stadtrat nun geebnet. Und doch müssen sich Mitglieder des einstiegen Gemeinderates von Dahlen den Vorwurf gefallen lassen, dass es eine schnellere Lösung hätte geben können.

Alte Schule und Kita verkauft

Auf dem unmittelbar angrenzenden Grundstück an die Kita. Dort befinden sich die ehemalige Polytechnische Oberschule und der alte Kindergarten. Das etwa 5000 Quadratmeter große Areal der Gemeinde wurde 2006 verkauft - an eine Frau aus den Niederlanden. Rückblickend sei es keine gute Entscheidung gewesen, sagt Christel Güldenpfennig gegenüber der Volksstimme. Die Ortsbürgermeisterin war zu dieser Zeit Mitglied des Gemeinderates und wie viele andere Ratsmitglieder vom damaligen Bürgermeister Rolf Glöß vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Zwar hatte der Rat den Beschluss zum Verkauf gefasst, doch fand sich lange kein Interessent. Es sei dann zu spät gewesen, eine eigene Nutzung in Betracht ziehen zu können. „Zumindest hätte man den alten Kindergarten aus der Verkaufsoption herausnehmen sollen“, sagt Christel Güldenpfennig.

Als sich anbahnte, dass die neue Eigentümerin, die dort mit ihrer Tochter wohnte, nicht investieren konnte und das Grundstück samt der Gebäude zusehends verwahrlosten, sei „nicht richtig reagiert worden“. Der Gemeinderat hätte den Rückkauf konsequent anstreben sollen.

Kita-Rückkauf misslingt

Das tat er nicht, ein neuer Privateigentümer erwarb dann das Grundstück. „Immer noch haben wir versucht, wenigstens den alten Kindergarten zurückzubekommen. Doch es führte kein Weg dorthin“, erinnert sich Christel Güldenpfennig, die seit Sommer 2009 im Amt ist. Ein Jahr später, zum 1. September 2010, wurde Dahlen eingemeindet und ist seitdem Ortsteil von Stendal. Auch die Stadtverwaltung habe den Teilrückkauf unterstützt, letztendlich ergebnislos.

Der jetzige Eigentümer, der die alte POS samt Kindergarten 2017 erwarb, hat mittlerweile die Gebäude entkernt und das marode Dach des Kindergartens abgerissen. Sein Plan: Es sollen acht moderne Wohnungen entstehen. Die Baugenehmigung liege vor, wie der Investor gegenüber der Volksstimme sagt und hinzufügt, dass er die Arbeiten im Einvernehmen mit der benachbarten Kita durchführen wolle. Ein erster Beitrag, so der Investor, könnte das Pflanzen einer Hecke entlang des Bauzaunes sein.

Neue Wohnungen im Ort

Das Vorhaben insgesamt begrüße Christel Güldenpfennig. „Es ist toll, wenn in Dahlen neue Wohnungen gebaut werden. Und wenn das Grundstück wieder mit Leben erfüllt werde. Sollte die neue Kita gebaut werden, würde das jetzige Gelände der „Kleinen Strolche“ verkauft werden. Vielleicht ebenso für Wohnzwecke, sagt die Orts- chefin.

In Erwägung werde gezogen, den Neubau auf dem wenig genutzten Sportplatz zu errichten. Doch das ist nun Gegenstand einer Prüfung durch die Fachbehörde im Rathaus, ebenso, ob dort ein neues Gerätehaus für die Feuerwehr im Einklang mit einer Kita verwirklicht werden könnte.

Wann gebaut werden kann, wird maßgeblich von den Baukosten abhängen. Zum Vergleich: Im Stendaler Ortsteil Uenglingen liegen die Kosten für die neue Kita „Spatzennest“ bei rund 1,5 Millionen Euro, einschließlich 942 000 Euro Fördergeld aus dem Stark-V-Programm.