Dahlen l Der Schein trügt, wenn man vor der Kindertagesstätte „Die kleinen Strolche“ im Stendaler Ortsteil Dahlen steht. Das flache Gebäude ist hell angestrichen, der Eingang hübsch mit Herbstblumen dekoriert. Beim Blick auf den Hof mit dem eingezäunten und beengt wirkenden Spielplatz trübt sich das Bild. Die einstiege Dorfschule und der alte Kindergarten sind nur noch Ruinen und grenzen direkt an die Kita an.

„Ein schöner Anblick ist der Bauzaun nicht, doch wir machen stets das Beste draus“, sagt Anja Wydmuch. Sie ist die stellvertretende Leiterin und zeigt bereitwillig beim Besuch der Volksstimme, warum seit 2009 um eine bauliche und energetische Erneuerung der Tagesstätte gerungen wird.

Verwinkelte Räume

Obwohl zuvor mehrfach modernisiert wurde, sind augenscheinlich die Bedingungen längst nicht mehr zeitgemäß. Riesige Heizkörper anstatt einer Fußbodenheizung wurden im Krippenbereich installiert. „Man hat uns damals ausgelacht, als wir für eine Fußbodenheizung plädierten“, erinnert sich die Vize-Chefin.

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In einem anderen Raum, der für Bewegungsspiele gedacht ist, sei es oft fußkalt, was das Fehlen von Dämmung verdeutlicht. Gruppenräume im Kindergartenbereich sind nur über ein Durchgangszimmer, wo Haushaltsgeräte stehen, zu erreichen. Alles wirkt durch die Aufteilung der Räume und Gänge nach den Umbauten ziemlich verwinkelt.

Altes Gebäude

Hinzu kommt, dass aus Brandschutzsicht die Garderoben in einem Extra-Raum anstatt auf dem Flur eingerichtet sein müssten. Doch dafür fehlt der Platz in der ehemaligen Krippe in Dahlen, die durch zwei Anbauten zur Kindertagesstätte erweitert wurde. Letztendlich ist und bleibt es ein altes Gebäude, in dem sechs Erzieherinnen zurzeit 40 Kinder im Alter von wenigen Monaten bis sechs Jahren betreuen. Die Mädchen und Jungen wohnen in Dahlen, Dahrenstedt, Welle, Heeren, Gohre, Buchholz und Stendal. So groß wie der Einzugsbereich, so groß ist seit zehn Jahren der Wunsch, dass sich endlich zugunsten der Kinder etwas tut.

„Wir haben es satt, dass bei uns immer nichts zu machen ist“, sagt Dahlens Ortsbürgemeisterin Christel Güldenpfennig (CDU) am Montagabend in der Sitzung des Stadtratsausschusses für Jugend, Frauen, Familie und Soziales und betont: „Bei uns im Ort brennt‘s mittlerweile.“

Baukosten ungewiss

Der Ausschuss befasste sich mit dem Antrag der Fraktion SPD/FDP/Ortsteile, dass nach der offiziellen Absage von Fördergeld aus dem Stark-III-Programm für eine energetische Sanierung des Altbaus, die Stadt Stendal eine neue Kindertagesstätte in Dahlen baut. Wie hoch die Kosten für einen Neubau sind, steht derzeit noch nicht fest. In Uenglingen liegen sie für den Bau einer neuen Kita bei rund 1,5 Millionen Euro, hieß es in der Sitzung.

Damit folgt die Dreierfraktion dem einstimmigen Stadtratsbeschluss vom 13. Mai, mit dem die Verwaltung aufgefordert wurde, einen Neubau zu prüfen. Die einreichende CDU-Landgemeinden-Fraktion begründete ihren Prüfauftrag damals mit organisatorischen und womöglich auch finanziellen Vorteilen gegenüber einer Sanierung. So müssten die Kinder während der Bauphase nicht ausweichen, das Gebäude samt des Grundstücks könnte nach Fertigstellung der neuen Kita verkauft werden.

Neubau auf Sportplatz

Ein Neubau wird auf dem wenig genutzten Sportplatz, der Eigentum der Stadt ist, empfohlen. Dort sei auch genügend Fläche für einen altersgerechten Spiel- und Sportplatz vorhanden. Dieser fehle am jetzigen Standort, weil ringsherum private Grundstücke und eine Straße angrenzen, sagt Christel Güldenpfennig.Im Namen des Ortschaftsrates bat sie um eine Ergänzung für die Beschlussvorlage der SPD/FDP/Ortsteile. So soll die Verwaltung weiter nach Fördermöglichkeiten suchen, um die Baukosten zu minimieren.

Bis auf Stefanie Schulz und Christel Haaker von der Linke/Günen-Fraktion, die sich aus Sorgen um die zusätzliche finanzielle Belastung der Stadt wegen des bereits beschlossenen Kita-Neubaus in Uenglingen und zahlreicher anderer städtischer Bauvorhaben der Stimme enthielten, befürworteten die anderen vier anwesenden Ausschussmitglieder die Ergänzung des Dahlener Ortschaftsrates und auch den Neubau-Vorschlag. Dieser enthält die im Mai beschlossene Prüfung, ob die Feuerwehr den Kita-Neubau mit nutzen kann.